
Aus dem Sand gehoben: Ein spätantikes Handelsschiff erzählt vom Meer vor Can Pastilla
Aus dem Sand gehoben: Ein spätantikes Handelsschiff erzählt vom Meer vor Can Pastilla
Vor Can Pastilla wurde ein 1700 Jahre altes römisches Handelsschiff gehoben. Funde wie Segelteile und Amphoren geben ungewöhnliche Einblicke in die Seefahrt des 4. Jahrhunderts. Eine Ausstellung kommt im November nach Palma, und die Öffentlichkeit kann online abstimmen.
Aus dem Sand gehoben: Ein spätantikes Handelsschiff erzählt vom Meer vor Can Pastilla
Segelteile, Amphoren und ein Blick ins Mittelmeer des 4. Jahrhunderts – die Funde werden bald in Palma zu sehen sein
Die warme Luft über der Playa de Palma riecht nach gebratenem Fisch und Motoröl; Möwen kreisen, Roller surren am Passeig Marítim entlang. Kaum 65 Meter draußen, dort wo man sonst Schnorchler und Tagesboote beobachtet, lag jahrhundertelang ein anderes Kapitel unserer Küste verborgen: ein römisches Handelsschiff, das Archäologen auf etwa 1700 Jahre datieren.
Der Fundort liegt zwischen Can Pastilla und s’Arenal, in einer Zone, die früher „Ses Fontanelles“ hieß. Entdeckt wurde das Wrack 2019, nachdem ein starker Sturm den Meeresboden freilegte. Was damals wie eine zufällige Überraschung wirkte, hat sich zu einem der spannendsten archäologischen Projekte der Insel entwickelt.
Kein Blockbuster, sondern akribische Grabung – die Bergung war keine spektakuläre Hebung in einem Stück. Zwischen dem 10. März und dem 29. Juni arbeitete ein Team von rund fünfzehn Spezialisten unter Wasser. Schicht für Schicht, von außen nach innen, haben sie den Holzrumpf dokumentiert und in Teilabschnitten geborgen. Die beiden größten Rumpfteile waren jeweils etwa zwölf Meter lang. Mit Schwimmkörpern wurden die Holzteile an die Oberfläche gebracht und zunächst zum Yachtclub von Can Pastilla und weiter zum Castell de Sant Carles transportiert.
Dort beginnt jetzt eine behutsame Ruhezeit: Die Hölzer sollen anderthalb Jahre in Entsalzungsbecken liegen. Wer schon einmal an der Küste einen alten Pfahl aus dem Wasser gezogen hat, weiß: Salz lässt Holz bei unsachgemäßer Trocknung platzen oder zerbröseln. Danach geht die Reise der Stücke weiter ins Labor des Unterwasserarchäologischen Museums in Cartagena, wo moderne Verfahren wie die Behandlung mit Polyethylenglykol und Gefriertrocknung die konservatorische Arbeit übernehmen.
Was das Fundensemble so besonders macht, ist die Vielfalt: vier Anker, zum Teil noch mit ursprünglichen Knoten; rund neunzig Meter Tauwerk; zwei geflochtene Körbe; eine Seilrolle; ein Lot; nahezu vollständige Amphoren, feines verziertes Geschirr, Keramik aus Nordafrika, Tierknochen und Werkzeuge. Und erstaunlicherweise: Teile der Segel. Dass Leinenreste den Meeresboden so lange überdauern, ist selten – ihre Auswertung könnte neues Licht auf Segelmacherei und Schiffsbetrieb in spätantiken Zeiten werfen.
Für die Insel bedeutet das gleich doppelt Gewinn. Wissenschaftlich eröffnen die Funde detaillierte Einblicke in Handelsrouten, Beladung und Alltagsleben an Bord. Lokal bringt die Geschichte Menschen zusammen: Fischer erzählen inzwischen Anekdoten über die Hebung, Cafébesitzer am Hafen richten Blicke zur Baustelle, und Spaziergänger bleiben stehen, um die Container mit den konservierten Hölzern zu sehen.
Wer sich die Stücke bald anschauen möchte: Im November widmet der Inselrat den Fund im Kulturzentrum La Misericòrdia eine Ausstellung, die die Entdeckung, Unterwassergrabung, Bergung und Restaurierung nachvollziehbar macht. Bevor es so weit ist, steht noch eine Form der Anerkennung an: Das Projekt ist für einen Preis eines spanischen Geschichtsportals nominiert; die öffentliche Abstimmung läuft bis zum 12. Oktober und bietet allen Inselbewohnern und Gästen die Gelegenheit, Anteil zu nehmen.
Es ist eine schöne Vorstellung: Kinder, die mit Sand zwischen den Zehen vor La Misericòrdia stehen, blicken auf dieselben Dinge, die vor anderthalb Jahrtausenden Händler und Matrosen kannten. Das Schiff ist mehr als ein Haufen alter Hölzer und geborgener Keramik. Es ist eine Zeitkapsel, die uns erlaubt, das Mittelmeer damals ein wenig näher zu sehen – und die Insel heute mit einem historischen Schatz reicher macht.
Ein kleiner Tipp für den Strandspaziergang: Wenn Sie demnächst am Yachtclub von Can Pastilla vorbeigehen, achten Sie auf die stillen Lastwagen und die erhöhten Container. Dort beginnt gerade das große Pflegen und Bewahren – und ein Stück Mallorcas Meergeschichte nimmt wieder Form an.
Häufige Fragen
Was macht das spätantike Schiffswrack vor Can Pastilla so besonders?
Wie werden die Holzteile des Wracks konserviert?
Welche Gegenstände gehören zum Fundensemble des Wracks?
Wann und wo kann man die Funde bald sehen?
Welche Bedeutung hat das Wrack für Palma und Mallorca?
Wie groß war das Wrack und wie nah liegt es vor der Küste?
Was sagen Segelreste über Segelmacherei im 4. Jahrhundert aus?
Wie kann die Öffentlichkeit das Wrackprojekt unterstützen?
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