
Blaues Krabben-Problem: Warum der Beschluss des Inselrats nur der Anfang sein darf
Blaues Krabben-Problem: Warum der Beschluss des Inselrats nur der Anfang sein darf
Ab 1. Januar dürfen auf Mallorca in allen Gewässern Blaue Krabben gefangen werden, Zangen und Kescher sind erlaubt. Ein Schritt mit Lücken: Kontrolle, Entsorgung und Monitoring fehlen bisher.
Blaues Krabben-Problem: Warum der Beschluss des Inselrats nur der Anfang sein darf
Leitfrage: Reicht die Entscheidung, das Fangen der Blauen Krabbe auf der ganzen Insel zu erlauben und die Fanggeräte zu erweitern, aus, um die Ökosysteme Mallorcas wirksam zu schützen?
Ab dem 1. Januar 2026 gilt: Die Blaue Krabbe darf in allen Gewässern Mallorcas gefangen werden, auch dort, wo Flussfischerei betrieben wird. Zusätzlich sind neben Angelruten jetzt auch Leinen, Kescher und Zangen als Hauptfanggeräte zulässig – maximal zwei Geräte pro Person. In Naturschutzgebieten bleibt das Fangen möglich, aber nur unter Beachtung der jeweiligen Vorschriften und nach Genehmigung der zuständigen Behörde. Eingeführt wurde diese Ausweitung im Rahmen eines Programms, das seit 2020 läuft und bei dem zugelassene Fischer bereits aktiv Exemplare unschädlich machen dürfen. Bis 2024 wurden fast 15.000 Tiere gefangen; entdeckt wurde die Art erstmals 2017 in s'Albufera.
Klingt nach einer klaren Ansage. Auf dem Paseo Marítimo an einem grauen Dezemberabend sieht das Ganze pragmatischer aus: Ein Fischer am Kai poliert seine Zange, ein Strandläufer mit Leuchtweste befragt Passanten, Möwen kreischen, und im Hintergrund rumpelt der Linienbus Richtung Portixol. Solche Alltagsszenen zeigen, dass die Maßnahme sofort greifbar wird – aber auch, dass viele praktische Fragen offenbleiben.
Kritische Analyse
Die Ausweitung schafft Rechtssicherheit für Menschen, die an Ufern und in Flussläufen aktiv sind. Doch Recht zu haben heißt nicht automatisch, erfolgreich zu sein. Drei Baustellen stechen hervor: Kontrolle, Öko-Sicherheit und Datengrundlage. Wer kontrolliert die neuen Regeln an entlegenen Flussarmen? Wie wird verhindert, dass gefangene Tiere unsachgemäß behandelt oder gar live verlagert werden? Und: Liegen ausreichend Daten vor, um zu wissen, wo das Entfernen von Krabben tatsächlich die Ökosysteme entlastet statt sie zu stören?
Ein weiteres Problem ist das Risiko von Beifang und Störungen in sensiblen Habitaten. Kescher und Zangen mögen handlicher sein als Stellnetze, trotzdem können Wasserpflanzen, Amphibien oder seltene Fischlaichen in Schutzgebieten leiden, wenn nicht genau geregelt wird, wie gefangen werden darf. Dass Naturschutzgebiete genehmigungspflichtig bleiben, ist richtig – aber wie schnell und praktikabel sind solche Genehmigungsverfahren für freiwillige Helfer oder Hobbyangler?
Was im öffentlichen Diskurs fehlt
Die Debatte konzentriert sich auf Erlauben oder Verbieten. Weniger sichtbar bleiben Details: einheitliche Fangprotokolle, hygienische Maßnahmen bei der Entsorgung toter Tiere, finanzielle Unterstützung für Kontrollteams, klare Linien zur Meldung gefundenen Bestands und verpflichtende Meldewege für gefangene Exemplare. Auch fehlt eine transparente Kommunikation darüber, welche Ziele das Inselratsprogramm konkret verfolgt: Reduktion um welchen Prozentsatz? Über welchen Zeitraum?
Konkrete Lösungsansätze
- Ein zentrales Meldeportal einrichten, erreichbar per App und Telefon, wo Fundorte, Anzahl und Zustand der Tiere registriert werden. So entstehen belastbare Daten für Wissenschaft und Verwaltung.
- Standardisierte Fang- und Tötungsprotokolle entwickeln und Kurse für Freiwillige und Fischer anbieten. Sicherheit und Hygiene müssen vorgeschrieben sein, ebenso die Entsorgung der Kadaver.
- Sammlungspunkte für gesammelte Tiere in Häfen und Gemeinden schaffen; die örtliche Umweltbehörde organisiert die Entsorgung.
- Mobile Kontrollteams in den Wintermonaten verstärken, besonders an Flussmündungen und in ländlichen Zuflüssen.
- Forschung fördern: eDNA-Monitoring, Lebenszyklusstudien und Wirkungskontrollen, um Maßnahmen gezielt zu steuern.
- Präventionsarbeit: Informationskampagnen an Bootsverleihern, Angelläden und auf Märkten, damit niemand lebende Tiere verlagert.
Lokale Gemeinden sollten kleine Zuschüsse oder Prämien für nachgewiesene Entfernungen anbieten; das schafft Anreiz und bindet die Menschen vor Ort. Gleichzeitig muss die Verwaltung klar kommunizieren, welche Maßnahmen in Schutzgebieten zulässig sind – die Angst vor unbeabsichtigter Schädigung dort ist real und auf Mallorca spürbar.
Ein Abschluss mit Ecken und Kanten
Der Inselrat hat mit der Ausweitung einen notwendigen Schritt gemacht: mehr Hände dürfen helfen. Aber die Wirkung hängt vom Kleingedruckten ab. Ohne verbindliche Protokolle, klare Meldewege und konsequente Kontrollen bleibt die Regelung ein politisches Signal ohne garantierte Wirkung. Auf den Wellen vor Portixol mag man bald mehr Fischer mit Zangen sehen; ob das die Natur gewinnt, entscheidet sich an Details – an organisatorischen Schrauben, die noch nachgezogen werden müssen.
Wer an einem winterlichen Vormittag den S'Albufera-Weg entlanggeht, hört das Scharren der Füße im Schlick, sieht rosa Lichter der Zugvögel und erkennt, wie fragil das Gleichgewicht dort ist. Die Krabbe ist ein Problem, das wir gemeinsam in den Griff bekommen können – wenn Politik, Fischer und Anwohner jetzt die Arbeit hinter der Ankündigung beginnen.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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