
Kölsche Woche am Ballermann: Wenn der Karneval kurz an die Playa zieht
Zwischen Schinkenstraße und Bierkönig klingt derzeit mehr Kölsch als Wellenrauschen. Eine bunte Woche voller Mitsing-Hits, Fanclubs und einem kleinen Rosenmontagszug bringt Rhein-Atmosphäre an die Playa de Palma — und belebt die Insel mit guter Laune und echtem Gemeinschaftsgefühl.
Kölsche Woche am Ballermann: Wenn Köln kurz nach Playa de Palma zieht
Wer in diesen Tagen die Schinkenstraße entlangschlendert, muss zweimal hinsehen: Zwischen Palmen und Sonnencreme-Displays fühlt man sich plötzlich wie in einer Kneipe am Rhein. Aus kleinen Bars schallen vertraute Melodien, aus großen Buden dröhnt die Band – laut, schunkelnd, ein bisschen ungeschliffen und genau deswegen sympathisch. Der Wind vom Meer trägt Konfetti und Kölsch-Duft gleichsam über die Playa de Palma.
Programm mit Kölsch im Herzen
Im Bierkönig ist seit Tagen Mottowoche. Mehr Acts aus Köln als im Vorjahr, sagen Stammgäste, und viele der üblichen Helden der Ballermann-Partyszene sind dabei: auf den Flyern stehen Namen wie Marita Köllner, Klüngelkopp, Cöllner und Rabaue. Am Nachmittag schunkeln Besucher mit Handtaschen auf dem Schoß, am Abend übernehmen die bekannten Party-Stimmen – Tim Toupet, Peter Wackel, Nancy Franck – und die Menge singt mit, bis die Stimmen krächzen.
Wer’s ruhiger mag, findet Nähe Bierstraße das kleine Et Dömsche. Dort läuft statt Live-Acts eine sorgfältig kuratierte Kölsch-Playlist. Auch zur Konserve lässt es sich hier hervorragend im Takt wippen – mit dem Glas in der Hand und dem Geruch von Bratwurst in der Nase.
Kein offizielles Festival, aber gelebte Tradition
Die Kölsche Woche ist kein staatlich organisiertes Großereignis, eher ein freundlicher Gewohnheitsbrauch: Fanclubs, Stammtische und Vereine bringen ihre Lieder, Traditionen und Kostüme mit. Früher war die Bierstraße das Zentrum, inzwischen hat die Schinkenstraße aufgeholt – einige Einheimische schmunzeln und nennen sie bereits das neue Epizentrum der guten Laune.
Was hier passiert, hat viel mit Improvisation zu tun: Bierkisten werden zu Tribünen, Straßen werden zu Bühnen, und ältere Fans grölen die Klassiker, als hätten sie nie etwas anderes getan. Kinder mit Luftschlangen flitzen zwischen den Beinen, Barkeeper lachen, wenn wieder einer eine Runde ausgibt. Die Geräuschkulisse ist eine Mischung aus Halligalli, Meerrauschen in der Ferne und gelegentlichem Hupen von Taxis – typisch Playa, nur mit domstädter Flair obendrauf.
Ein kleiner Rosenmontagszug an der Playa
Ein besonderes Highlight steht am Montag, 22. September an: ein bunter, kleiner Rosenmontagszug durch die Schinkenstraße. Wer ein echtes Karnevalserlebnis erwartet wie am Rhein, wird enttäuscht sein – es ist kein Kölnerspektakel in Originalgröße, eher eine fröhliche Prozession mit Konfetti, Wurfmaterial und viel Augenzwinkern. Für Familien ist das genau das Richtige: bunt, ungefährlich und voller Lacher.
Was die Insel davon hat
Abgesehen vom Spaß bringt die Kölsche Woche der Insel handfeste Vorteile. Für Gastronomen und Händler ist jede singende Stimme bares Geld: Reservierungen, volle Theken, Souvenirverkäufe. Die Aktion verlängert die Saison, füllt Tische und sorgt dafür, dass sich lokale Anbieter auch außerhalb der Hochsaison über Umsatz freuen. Und: Gäste lernen eine andere Seite Mallorcas kennen, eine, in der Heimatgefühl und Tourismus für kurze Zeit zu einer fröhlichen Mischung verschmelzen.
Natürlich gibt es auch Stimmen, die auf Lärm oder überfüllte Straßen hinweisen. Doch die Stimmung, die hier herrscht, ist meistens von einer unprätentiösen Herzlichkeit geprägt. Wer sich auf das Ganze einlässt – gute Schuhe anziehen, etwas Geduld mitbringen und mitsingen statt nur zuzuschauen – der nimmt ein echtes Erlebnis mit nach Hause.
Blick nach vorn
Die Kölsche Woche zeigt: Mallorca kann mehr als Strandliegen und Paella. Es ist ein Ort, an dem unterschiedliche Traditionen aufeinandertreffen und sich bereichern. Vielleicht ist es nur eine Woche im Jahr, aber sie erzählt viel über die Fähigkeit der Insel, Fremdes willkommen zu heißen und daraus etwas Eigenes zu machen. Wenn also demnächst wieder Reklame in den Bars für „kölsche Töne“ wirbt, setzen Sie sich dazu, schließen die Augen, hören zu – und singen mit. Der Rhythmus stimmt, die Stimmung auch, und die Insel hat an diesem Abend ein kleines Stück neue Welt gewonnen.
Ähnliche Nachrichten

Neue Fotos vom Mallorca-Urlaub der Kronprinzenfamilie: Nähe statt Protzen
Die spanische Casa Real veröffentlichte unveröffentlichte Aufnahmen aus den Sommern 2012 und 2013: Felipe, Letizia und d...

Wenn Wohnungsnot die Kasse füllt: Rekord-Einnahmen auf den Balearen und die Rechnung der Inseln
Die Balearen verbuchten 2025 erstmals mehr als 6 Milliarden Euro Steuereinnahmen – getrieben vor allem von hohen Immobil...
Festnahme nach Bränden in S'Albufera: Ein Reality-Check für Prävention und Schutz
Ein 72-Jähriger wurde in S'Albufera festgenommen. Warum wiederholt Feuer legen möglich war, welche Lücken offenbleiben u...

Elektronischer „Co‑Pilot“ für Mallorcas Züge – mehr Sicherheit, aber welche Fragen bleiben?
Die Balearenregierung kündigt ERTMS für die Insel an: Pilot noch 2026, Metro 2027, Zugnetz 2028–2029. Ein Blick auf Chan...

Wenn die Krankmeldung zum Vertrauens-Test wird: Arbeitsbetrug auf Mallorca unter der Lupe
Detektive und Arbeitsrechtler auf Mallorca berichten von steigenden Fake-Attesten. Wer profitiert — und wer bleibt auf d...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Erleben Sie beim SUP und Schnorcheln die besten Strände und Buchten auf Mallorca

Spanischer Kochworkshop in Mallorca
