
Munitionsbunker bei Son Sant Joan: Warum Mallorcas Bürger mitreden sollten
Madrid plant einen halbunterirdischen Munitionsbunker nahe Palma‑Flughafen. Auf Mallorca wächst Unbehagen — nicht nur wegen der Sprengkraft, sondern wegen der fehlenden Transparenz. Was jetzt passieren muss.
Ein Bunker in Flughafennähe — und die Frage nach Mitsprache
Am Rande von Son Sant Joan, wo Fluglärm, der Geruch von Diesel und Olivenbäumen die Tage begleiten, ist plötzlich ein anderes Geräusch laut: das leise Summen von Besorgnis. Aus Madrid liegen Entwürfe für einen halbunterirdischen Munitionsbunker vor – mehrere Meter tief, dicke Stahlbetonwände, Erdaufschüttung, Kapazitäten, die theoretisch bis zu 75 Tonnen erreichen könnten. Kosten: rund 1,8 Millionen Euro. In den WhatsApp‑Gruppen von Es Pil·larí, an den Tischen in den Cafés an der Avinguda Joan Miró und bei den Taxifahrern, die täglich die Startbahn sehen, spricht man darüber. Die Leitfrage lautet jetzt: Darf die Hauptstadt entscheiden, ob neben unseren Maschinen Raketen und Bomben lagern?
Was auf dem Papier steht — und was fehlt
Die Pläne wirken technisch, nüchtern. Länge und Wandstärke, eine Schutzerde zur Dämpfung von Druckwellen, Formulierungen wie „20 bis 32 lenkfähige Bomben“. Madrid betont, in der Praxis werde weit weniger Material vorgehalten, wegen der Nähe zum zivilen Terminal. Doch genau diese Nähe ist das Problem: Ein Lager — ob klein oder größer — verändert die Risikokalküle vor Ort. Was auf dem Papier fehlt, sind nachvollziehbare Sicherheitsberechnungen für den zivilen Bereich, Informationen zu Notfallplänen, und klare Antworten zur Frage, wie sich ein solches Depot auf Flughafendienstleister, Bodenpersonal und Nachbarschaften auswirkt. Waffenlager am Flughafen: Wie sicher ist Mallorca wirklich?
Politik, Proteste und die leeren Stellen im Verfahren
Quer durch das politische Spektrum formiert sich Kritik — aus unterschiedlichen Gründen. Linke Stimmen fordern die sofortige Rücknahme; konservative Stimmen bemängeln mangelnde Abstimmung mit den Balearen. Einige verteidigen das Projekt mit Blick auf Bündnisverpflichtungen. Was zu kurz kommt, ist die Frage nach dem demokratischen Prozess: Wie werden betroffene Gemeinden beteiligt? Welche rechtlichen Möglichkeiten haben Inselregierung, Stadtrat und Anwohner, Einfluss zu nehmen? Militärische Planungen unterliegen oft eigenen Genehmigungen — aber wenn zivile Infrastruktur wie ein internationaler Flughafen betroffen ist, reicht der obligatorische Verweis auf „strategische Notwendigkeit“ nicht als Antwort.
Die Risiken, über die selten gesprochen wird
Die Debatte dreht sich bisher um Menge und Entfernung. Dabei gibt es weitere, weniger sichtbare Punkte: die Gefahr von Kontamination grundwasserführender Schichten bei einem Unfall, die logistischen Bewegungen von Gefahrgut über Straßen durch Palma, Haftungsfragen bei einem Zwischenfall und die psychologische Belastung der Beschäftigten am Flughafen, die fortan unter einem anderen Sicherheitsgefühl arbeiten. Auch mögliche Szenarien von Sabotage oder Zielscheibenwirkung bleiben oft tabuiert. Schließlich ist Son Sant Joan nicht isoliert — Tanklager, Wartungshallen und Passagierterminals sind in relativer Nähe.
Konkrete Schritte, die Vertrauen schaffen würden
Es reicht nicht, Forderungen zu skandieren. Die Insel braucht praktikable Werkzeuge, um Transparenz und Sicherheit herzustellen. Konkret schlage ich vor:
1. Öffentliche Anhörungen und Einsicht in Gutachten: Unabhängige Experten müssen Sicherheitsberechnungen prüfen können. Die Ergebnisse sind öffentlich zu machen.
2. Umwelt‑ und Risikoprüfung: Ein umfassendes, öffentliches Environmental Impact Assessment (EIA) inklusive Grundwasser‑ und Bodenrisiken.
3. Notfallpläne und Übungen: Klare Evakuierungs‑ und Einsatzszenarien für Personal und Anwohner, die gemeinsam mit Flughafenbetreiber, Zivilschutz und Gemeinden geprobt werden.
4. Kapazitätsbegrenzung und räumliche Alternativen: Wenn Munition gelagert werden muss, dann hinterfrage man die Standortwahl — es gibt militärische Standorte mit weniger zivilen Schnittmengen.
5. Bürgerbeirat: Ein von der Insel benannter Beirat, der bei Entscheidungen beratend eingebunden ist und regelmäßige Informationen erhält.
Warum das für Mallorca mehr ist als eine lokale Debatte
Sonntags parken hier häufig Wartungsfahrzeuge auf dem Parkplatz nahe der Startbahn, Kinder spielen selten dort, aber Angestellte und Anwohner leben mit diesem Flughafen. Mallorca lebt vom Tourismus, von Sicherheit, vom Vertrauen. Ein Projekt, das ohne transparente Antworten und griffige Schutzmaßnahmen durchgedrückt wird, beschädigt genau dieses Kapital. Das ist nicht nur eine Sicherheitsfrage — es ist eine Frage der demokratischen Legitimation.
Vom Geruch von Benzin an der Avinguda Joan Miró bis zum Zirpen der Palmen: Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Madrid auf die Stimmen hier hören will. Wir bleiben dran und berichten, sobald neue Gutachten, Genehmigungen oder Gesprächsrunden bekannt werden oder Informationen zu den Munitionslagern in Son Sant Joan vorliegen.
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