
Glanzvoller Saisonauftakt: OSIB zwischen Intimität und Orkan – ein Abend, der nachhallt
Das OSIB eröffnete die Saison mit Turina, de Falla, Debussy und Strauss — ein Abend, der vom Flüstern bis zum Donnern reichte und in Palma wie ein kleiner Kulturfrühling wirkte.
Ein Abend, der leise begann und kräftig endete
Gestern um 20:00 Uhr füllte sich das Auditori spürbar, die Reihen schlossen sich wie ein gut gestimmtes Instrument. Vor mir ein Publikum aus Stammhörern, neugierigen Studierenden und einigen Touristen, die offenbar den Konzertkalender studiert hatten. Die Luft roch nach Spätfrühling — ein laues Lüftchen strich über die Plaça, irgendwo bimmelte noch eine Tramglocke — und die Erwartung war deutlich hörbar: gespannt, aber ohne Hektik.
Turina: ein kleines, inneres Gebet
Der Auftakt mit Joaquín Turinas La oración del torero war überraschend intim. Keine Fanfare, kein Triumphgeschrei, sondern eine Sammlung. Die Streicher zeichneten Linien, als würden sie ein vertrauliches Gespräch hinter dicken Vorhängen führen. Man konnte fast die Atemzüge der Musiker zählen: zurückhaltend, warm, mit einem fast sprechenden Vibrato. In solchen Momenten wird klar, wie sehr ein Orchester auch leise Geschichten erzählen kann — man hätte eine Stecknadel fallen hören können.
De Falla und Cabassi: Piano als Farbgeber
Davide Cabassi übernahm die Soloparts in Manuel de Fallas Noches en los jardines de España. Wer ein spanisches Feuerwerk erwartete, wurde angenehm überrascht: Stattdessen setzte Cabassi auf feine Klangfarben und eine fast malerische Zurückhaltung. Sein Spiel fügte sich in das Orchester wie ein Pinselstrich ins Gesamtbild. Perkussive Details im Becken, zarte Holzbläser, flirrende Harmonien — das Piano war kein Solist im Rampenlicht, sondern ein Teil eines mediterranen Mosaiks. Diese Entscheidung verlieh dem Stück mehr Atmosphäre als bloße Virtuosität. Weitere Eindrücke finden Sie im Artikel über Wagner, Colomer und Bruckner.
Debussy: Traum in Flötenklängen
Beim Prélude à l’après-midi d’un faune war die Flöte der Atem des Abends: ein halbschlafender Beginn, der sich magisch durch das Orchester zog und wieder verflüchtigte. Harfe und Holzbläser malten diffuse Bilder von Licht und Schatten — kein großes Aufräumen, eher ein versunkenes Tagebuch. Einige im Saal seufzten leise, andere hielten den Atem an; in solchen Augenblicken teilt ein Publikum etwas Privates. Die Musik blieb meditativ, ohne nach einer dramatischen Auflösung zu rufen.
Strauss’ Don Juan: Volle Wucht zum Schluss
Dann Richard Strauss: Don Juan forderte das OSIB auf ganz andere Weise. Die Bässe drängten, Hörner riefen, Schlagwerk und Streicherkraft brachen sich Bahn — ein fulminantes Finale, das zeigte, dass dieses Orchester beides kann: Flüstern und Donnern. Dirigent Pablo Mielgo setzte auf klare Strukturen statt auf ein wildes Gefühlsbad; es wirkte konzentriert, mit klarem Puls. Der Applaus danach war lang, einige Zuschauer standen auf und klatschten, manche lachten erschöpft vor Freude. Weitere Informationen zu den kommenden Auftritten des OSIB sind verfügbar.
Warum dieser Abend wichtig für Palma ist
Solche Abende tun der Stadt gut. Sie erinnern daran, dass Kultur hier kein Fremdwort ist, sondern Teil des Alltags: Studierende, Nachbarn, Urlaubsgäste treffen sich im dunklen Foyer und reden über Flötenstellen und Buchtipps. Die angekündigte Wiederholung in Manacor gibt dem Programm eine zweite Chance, noch mehr Menschen zu erreichen — eine erfreuliche Geste in einer Zeit, in der Kulturorte um Aufmerksamkeit ringen. Um mehr darüber zu erfahren, lesen Sie unsere Analyse zu Impressionismus und Spätromantik.
Ich verließ das Auditori spät, die Straßenlaternen warfen lange Schatten auf die Plaça, und vor dem Ausgang diskutierten zwei Studentinnen noch leidenschaftlich über genau jene Flötenstelle — so entstehen die kleinen, lebendigen Nachklänge eines Konzerts. Am nächsten Tag wird man vielleicht wieder an eine bestimmte Phrase denken, an ein kleines Vibrato oder an das dumpfe Rumpeln der Bässe. Und das ist das Schöne: Ein Abend, der hängen bleibt, bedeutet mehr als ein weiteres Häkchen im Veranstaltungskalender. Es ist ein winziger Kulturfrühling, der in Palma spürbar ist.
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