
Palma 2025: 115 Drehgenehmigungen – Fluch, Segen und was jetzt zu tun ist
Im ersten Halbjahr 2025 hat das Palma Film Office 115 Drehgenehmigungen erteilt. Das bringt Geld in die Stadt – aber auch Kabel auf Kopfsteinpflaster, frühe Starts und genervte Nachbarn. Wie findet Palma das richtige Gleichgewicht?
Palma als Drehort: viel Betrieb, frühe Starts und Kabel auf den Kopfsteinpflaster
Wenn ich an einem frühen Morgen die Plaça Major entlanglaufe, sind es nicht mehr nur Verkaufsstände und Handkarren, die das Pflaster beleben. Da steht inzwischen häufiger ein Laster mit Scheinwerfern, ein junger Regisseur mit Kopfhörern oder ein Dolmetscher, der hektisch zwischen Spanisch und Englisch wechselt. Im ersten Halbjahr 2025 hat das Palma Film Office 115 Drehgenehmigungen erteilt. Eine Zahl, die zeigt: Palma bleibt gefragt — aber sie stellt uns auch vor Entscheidungen.
Womit drehen Produzenten hier?
Die Mehrheit der Genehmigungen entfällt dieses Jahr auf Fotoprojekte und Dokumentationen. Kein Wunder: kurze Wege vom alten Hafen zu verwinkelten Gassen, das klare mediterrane Licht und die moderne Hafenpromenade sind ideale Kulissen. Auffällig ist jedoch der Anstieg bei Kinofilmen – von zwei im Vorjahr auf sechs in den ersten sechs Monaten. Kleine Produktionen mischen sich mit internationalen Co-Produktionen; deutsche und britische Anträge folgen wie gewohnt an zweiter und dritter Stelle hinter Spanien.
Die zentrale Frage
Wie gelingt der Spagat zwischen wirtschaftlichem Nutzen und Lebensqualität der Bewohner? Diese Frage ist zentral, weil beide Seiten stichhaltige Argumente haben: Hotels, Caterer, Taxifahrer und kleine Handwerksbetriebe verdienen an Drehs. Gleichzeitig klagen Anwohner über frühe Sperrungen, Kabel über Kopfsteinpflaster und den permanenten Lkw-Lärm.
Aspekte, die oft zu kurz kommen
Die öffentliche Debatte dreht sich meist um sichtbare Störungen: Straßensperren oder Scheinwerfer vorm Wohnhaus. Weniger diskutiert wird der indirekte Aufwand für die Stadtverwaltung: Personal für Genehmigungen, Überwachung vor Ort, städtische Verkehrsplanung und eventuelle Schäden an öffentlichem Raum. Auch die ökologische Bilanz bleibt häufig ungenügend beleuchtet – zusätzliche Fahrten, Transport von schwerem Equipment und Energieverbrauch für Beleuchtung und Generatoren summieren sich.
Konkrete Probleme aus dem Alltag
Logistik ist wirklich das halbe Drehbuch. Ein Morgen an der Avinguda Gabriel Roca: ein Laster parkt, Kabel quälen sich über das Kopfsteinpflaster, ein Cafébesitzer verschiebt Tische, weil eine Einstellung genau dort stattfinden soll. Auf dem Passeig de Born wird die Einfahrt mit Planen verhängt. In solchen Momenten sind die Nerven dünn. Manche Nachbarn finden das spannend — sie winken den Darstellern zu. Andere sind genervt von den frühen Starts. Und es gibt Handwerker, deren Terminpläne durcheinandergeraten, wenn kurz eine Straße blockiert wird.
Wirtschaftlicher Nutzen – aber für wen?
Die wirtschaftlichen Effekte sind real: Buchungen in Hotels, zusätzliche Umsätze in Restaurants, Aufträge für lokale Dienstleister. Doch der Mehrwert verteilt sich ungleich. Große Produktionen bringen meist externes Geld, nutzen aber öfter internationale Dienstleister. Kleinere Projekte hingegen binden häufiger lokale Anbieter. Eine gezielte Förderlogik könnte diesen Hebel verstärken: Wer lokal einkauft, sollte von Ermäßigungen bei Gebühren profitieren. Weitere Informationen dazu finden sich in unserem Artikel über 624 Millionen für Palma.
Lösungsansätze, die Palma jetzt prüfen sollte
Es reicht nicht, nur Zahlen zu zählen. Palma kann Regeln so gestalten, dass Drehs zwar stattfinden — aber mit weniger Kollateralschäden. Vorschläge:
Zeitfenster und Lärmguidelines: Strengere Limits für sehr frühe Starts in Wohngebieten und eine klare maximale Dauer für Generatortätigkeiten.
Transparenz und Kommunikation: Eine digitale Karte mit anstehenden Drehs, damit Anwohner und Gewerbetreibende planen können. Klare Ansprechpartner im Film Office, die vor Ort erreichbar sind.
Community-Fonds: Eine geringe Zusatzgebühr auf Genehmigungen, die in Nachbarschaftsprojekte fließt — etwa Lärmschutzmaßnahmen, Straßeninstandsetzung oder Unterstützung für lokale Künstler.
Lokale Vorrangregelungen: Vergünstigungen für Produktionen, die lokale Crews anheuern oder Mallorca-Dienstleister verwenden. Eine Analyse hierzu bietet unser Bericht über 624 Millionen für Palma: Visionen und Baustellen.
Nachhaltigkeitsauflagen: Vorgaben zu CO2-Reduktion, zur Minimierung von Fahrten und zur Nutzung von LED-Technik statt stromfressender Generatoren.
Schutz des öffentlichen Raums: Technische Vorgaben, wie Kabel auf Kopfsteinpflaster geschützt werden müssen, um Schäden zu vermeiden (weiche Brücken, Kabelbrücken), und ein Kautionssystem für mögliche Reparaturen.
Beispiele aus Palma-Alltag
Man erinnere sich an die Szene am Parc de la Mar vor einigen Wochen: ein Kamerawagen parkte, eine Drohne kreiste über der Kathedrale im stillen Morgenlicht. Anwohner waren fasziniert, die Lieferadresse eines kleinen Möbelhauses profitierte vom Set-Aufbau. So entstehen schöne Begegnungen. Doch es zeigte sich auch: Eine bessere Absprache hätte die Zufahrt für ältere Anwohner leichter gemacht.
Fazit: Regeln statt resignierte Toleranz
Palma ist weiterhin auf der Filmkarte der Welt. Das ist eine Chance — wirtschaftlich und kulturell. Die Herausforderung ist, die Bedingungen zu schaffen, unter denen diese Chance nicht auf dem Rücken der Nachbarschaft ausgetragen wird. Die Stadtverwaltung, Filmproduzentinnen und Anwohner brauchen klare Regeln, schnellere Kommunikation und einen realistischen Plan für Nachhaltigkeit. Eine Portion Nachbarschafts-Toleranz hilft, aber ersetzt keine gut organisierten Vorgaben. Und ganz ehrlich: Wenn das Drehteam am Morgen schon wieder den besten Kaffee trinkt, sollte es zumindest dafür sorgen, dass der Laster nicht das Kopfsteinpflaster ruiniert. Für weitere Informationen zu diesem Thema schauen Sie sich unsere Seite über 525 Millionen für Balearenhäfen an.
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