
Palma vergibt Strandkonzessionen 2026–2029: Millionen, Regeln und Sandverlust
Palma plant neue Konzessionen für 2026–2029: rund 6,3 Millionen Euro Jahresumsatz, strengere Regeln und eine Reduktion der Liegendichte. Wer profitiert – die Stadt, die Verleiher oder die Strände selbst?
Palma vergibt Strandkonzessionen 2026–2029: Millionen, Regeln und Sandverlust
Die Zahlen sind plakativ: Palma rechnet für die Konzessionen 2026–2029 mit rund 6,3 Millionen Euro jährlich – mehr als 4 Millionen davon sollen aus dem Verleih von Liegen und Sonnenschirmen kommen. Doch die zentrale Frage, die sich kaum auf den ersten Blick stellt, lautet: Wer profitiert wirklich – die Stadtkasse, die Verleiher, die Urlauber oder die Strände selbst? Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel über Geld für Sand.
Was in den Unterlagen steht
Die Stadt beantragt die Nutzung von insgesamt 33.731,40 Quadratmetern Strandfläche. Vorgesehen sind bis zu 5.000 Liegestühle und 2.500 Sonnenschirme, die zusammen etwa 27.763 m² belegen sollen. Gleichzeitig kündigt das Rathaus an, die Dichte der Liegen zu reduzieren – ein Zugeständnis an den Sandverlust, der hier morgens, wenn man am Paseo entlangläuft, besonders sichtbar ist: der Wind bewegt den Sand, die Liegen stehen enger, die Kioske liefern Kaffee an die Promenade.
Weitere, teils sichtbare Änderungen aus den Unterlagen:
Farbregeln: Liegestühle künftig nur noch in Weiß oder Beige – das klassische Blau der Verleiher fällt weg.
Kiosk-Umverteilung: Ein Angebot in Cala Major soll wegfallen, stattdessen ist ein neuer Standort in Ciutat Jardí geplant.
Barrierefreiheit: Verpflichtende Laufstege, behindertengerechte Toiletten und Info-Tafeln sollen installiert werden – eine wichtige, aber auch kostspielige Vorgabe.
Sportzonen: An der Playa de Palma sind mehrere Beachvolleyballfelder sowie Hand- und Fußballfelder vorgesehen; in Ciutat Jardí ebenfalls Volleyballfelder. Früh am Morgen, wenn die Netze schon stehen und die ersten Trainings laufen, wird man das merken.
Warum das mehr ist als ein Lizenzgeschäft
Auf den ersten Blick scheint das Modell einfach: Konzession vergeben, Betreiber investieren, Einnahmen fließen. Das Gutachten geht davon aus, dass sich die Anfangsinvestitionen innerhalb der vier Jahre amortisieren. Doch diese Rechnung hat viele Unbekannte: Klimabedingte Sandverluste können Strukturen verschieben, Hurrikanjahre oder starker Wellengang verändern die Strandbreite, und steigende Transport- oder Personalkosten drücken die Margen. Weitere Informationen finden Sie auch in unserem Artikel über Palma kürzt Liegestühle.
Außerdem fällt ein Aspekt in der öffentlichen Debatte oft unter den Tisch: Die Verwaltung überträgt damit einen Teil der Alltagspflege an private Anbieter – aber nicht unbedingt die Verantwortung für Küstenschutz oder langfristige Unterhaltung. Wer kontrolliert die Einhaltung der Barrierefreiheit, wer zahlt für die Laufstege, wenn der Gewinn ausbleibt? Und was bedeutet die Farbregel für kleine lokale Verleiher, für die eine Investition in neue, „beige-weiße“ Bestuhlung eine zusätzliche Belastung sein kann?
Weniger Dichte, aber wie sozial und ökologisch sinnvoll?
Die geplante Reduktion der Liegendichte klingt vernünftig: mehr Platz zwischen den Plätzen, weniger Druck auf den Sand, mehr Bewegungsfreiheit für Strandbesucher. Doch die Rechnung hat zwei Seiten: Weniger Liegen bedeuten weniger Einnahmen für Betreiber – das kann zu höheren Preisen pro Liege führen oder dazu, dass sich nur größere Unternehmen leisten können, weiterzumachen. Kleine Familienbetriebe könnten abgestraft werden, und die Strandpromenade verliert vielleicht ein Stück lokale Vielfalt. Mehr zu den Auswirkungen erfahren Sie in unserem Artikel über Palma muss Liegen streichen.
Hinzu kommt die optische Vereinheitlichung: Weiß oder Beige mag sauber und aufgeräumt wirken, doch es nimmt den Stränden auch ein wenig vom lokalen Charakter. Manche Besucher mögen das, andere erinnern sich an die bunten Reihen, die einst zum Bild von Mallorca gehörten.
Konkrete Chancen und Lösungsansätze
Statt die Diskussion auf „mehr Einnahmen vs. weniger Liegen“ zu verkürzen, bieten sich konkrete Schritte an, die Strandökonomie mit Küstenschutz und sozialer Verträglichkeit verbinden:
1. Einnahmen zweckbinden: Die Pachteinnahmen sollten direkt in Strandpflege, Dünenaufbau und barrierefreie Infrastruktur fließen – eine klare Win-Win-Struktur.
2. Kürzere, gestaffelte Verträge: Statt großer Vierjahresverträge wären kürzere Laufzeiten mit Optionen sinnvoll, um Flexibilität bei Klima- und Marktveränderungen zu erhalten.
3. Faire Umstiegshilfen: Kleine Verleiher beim Austausch der Bestuhlung unterstützen, damit die Farb- und Ausstattungsregeln nicht lokale Existenzen gefährden.
4. Monitoring und Transparenz: Digitale Zählungen, regelmäßige Gutachten zum Sandstand und eine transparente Vergabepolitik würden das Vertrauen stärken.
5. Mehr Raum für Einheimische und Sport: Pflichtflächen für öffentlich nutzbare Zonen und Sportfelder sind gut – sie dürfen nicht zu Privilegien für zahlende Sonnenanbeter verkommen.
Was Besucher merken werden (und was nicht)
Für den Urlauber ändert sich nicht über Nacht alles: Die weißen Liegen sehen vielleicht sauberer aus, die neuen Laufstege machen den Weg ins Meer leichter, und die Kiosk-Situation verschiebt sich langsam. Wer morgens an der Cala Major entlanggeht, riecht das Salz, hört die Möwen und sieht, wo die neuen Reihen aufgebaut werden – das wird man zuerst merken. Was weniger sichtbar ist, sind die finanziellen Verschiebungen hinter den Kulissen und die Frage, ob die Millionen am Ende wirklich in den Strand zurückfließen. Weitere Informationen zu den Preisen finden Sie in unserem Artikel über Preisschock an der Playa de Palma.
Ein bisschen Bürokratie bleibt also – und das ist nicht schlecht. Wichtig ist, dass die Stadt nicht nur zählt, was in die Kasse kommt, sondern auch, was an den Stränden bleibt: Sand, Raum und der kleine, manchmal unordentliche Zauber, der Mallorca ausmacht.
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