
„Rolex-Bande“ verurteilt: Wenn die Luxusuhren zum Sicherheitsproblem werden
„Rolex-Bande“ verurteilt: Wenn die Luxusuhren zum Sicherheitsproblem werden
Drei Italiener wurden in Palma zu Haftstrafen verurteilt; die Strafen können durch ein achtjähriges Einreiseverbot ersetzt werden. Die Taten in Port d’Andratx und Port Adriano werfen Fragen zur Prävention und zum Umgang mit sogenanntem Kriminalitätstourismus auf.
„Rolex-Bande“ verurteilt: Wenn die Luxusuhren zum Sicherheitsproblem werden
Haftstrafen, Ausreise und die Frage nach Schutzmaßnahmen in den Häfen
Leitfrage: Wie schützt man Besucher an den kleinen Promenaden und Liegeplätzen, ohne das lebendige Hafenbild kaputtzumachen?
In Palma fällte ein Strafgericht kürzlich Urteile gegen drei italienische Staatsbürger, wie bereits in Nach mehreren Überfällen in Palma berichtet wurde. Die Angeklagten gaben zu, an drei Überfällen beteiligt gewesen zu sein; die Summe der Verurteilungen beträgt insgesamt siebeneinhalb Jahre Haft. Die verhängten Strafen können durch ein achtjähriges Einreiseverbot für Spanien ersetzt werden. Zwei der Verurteilten müssen einem Opfer 24.000 Euro Schadenersatz zahlen, zudem verhängte das Gericht Geldstrafen von jeweils 4.500 Euro wegen der bei den Taten entstandenen Verletzungen.
Die knapp zu berichtenden Tatabläufe: Ende Oktober soll ein Tourist nahe dem Café Cappuccino in Port d'Andratx von hinten heftig geschlagen worden sein, bevor man ihm eine Richard Mille RM 35-02 im Wert von etwa 60.000 Euro entriss. Anfang November ereignete sich in Port Adriano ein Vorfall, bei dem einem Radfahrer mit Gewalt eine Rolex Daytona 6263 (rund 50.000 Euro) weggenommen wurde; er stürzte dabei. Mitte November folgte ein weiterer Überfall am Parkplatz hinter dem Café in Port d'Andratx, bei dem eine Patek Philippe Nautilus gestohlen wurde. Die Täter zogen sich nach den Übergriffen teils mit Motorrädern zurück; bei einem Raub wurde ein Verdächtiger später freigelassen und verließ Spanien noch am selben Tag mit einem Flugticket, das er sich unmittelbar nach dem Gerichtsaufenthalt kaufte. Zwei der Angeklagten sagten per Videokonferenz aus; es gibt Hinweise auf weitere, bislang nicht identifizierte Komplizen, und ein weiterer mutmaßlich Beteiligter soll sich im Ausland aufhalten.
Die Fälle haben, wie viele auf der Insel wissen, mehr als nur juristische Bedeutung. An der Kaimauer von Port d'Andratx stehen an manchen Vormittagen Angler mit zerschlissenen Mützen neben Gästen, die an den Tischen des Cafés Cappuccino ihren Kaffee trinken. Die Motoren großer Yachten brummen, die Gischt riecht nach Diesel, und an der Ecke parkt oft ein Roller — ein Ort, der für Besucher entspannt wirkt, aber offenbar auch Beobachtungsreichweite für Leute mit falschen Absichten bietet. Solche Alltagsbilder sollten uns wachrütteln: Es genügt ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und eine teure Uhr ist weg — mit manchmal körperlichen Folgen für die Opfer.
Kritische Analyse: Die Verurteilung ist wichtig, doch sie kratzt nur an der Oberfläche eines tieferliegenden Problems. Die Täter reisten offenbar gezielt an, laut eigener Aussage mit dem alleinigen Ziel, Überfälle zu begehen. Das macht die Insel zu einem temporären Operationsfeld für organisierte Kleingruppen. Polizeipräsenz allein reicht nicht; die Abläufe — von der Observierung über die Auswahl von Opfern bis zur Flucht — deuten auf Arbeitsteilung und gute Ortskenntnis hin. Das Gerichtsurteil greift Straftäter juristisch an, löst aber nicht die Frage, warum solche Banden die nötigen Voraussetzungen vorfinden: günstige Anonymität in der Hochsaison, gut frequentierte Fluchtwege über Mietwagen oder Motorräder, und gelegentlich ungenügende Überwachung in sensiblen Bereichen der Häfen, wie schon beim Palmanova-Urteil diskutiert wurde.
Was in der öffentlichen Debatte oft fehlt: erstens, die Perspektive der Opfer und wie sie anschließend betreut werden. Zweitens, eine ehrliche Bilanz der präventiven Maßnahmen in den Häfen — welche Kameras funktionieren, wie schnell reagieren Hafenwachen, wie gut ist die Zusammenarbeit zwischen Lokalpolizei und Nationalpolizei? Drittens, ein Blick auf die Infrastruktur: schlecht beleuchtete Parkplätze, wenig Personal an Hotspots und Lücken bei Kontrollen von Leihfahrzeugen erleichtern das Vorgehen der Täter.
Konkrete Lösungsansätze, die in der täglichen Praxis umsetzbar sind: Stärkere Koordination zwischen Hafenbetreibern und Polizei mit klaren Alarmwegen; punktuelle Aufstockung sichtbarer Fußstreifen in den frühen Abendstunden, wenn viele Leute mit Schmuck unterwegs sind; einfache, schnelle Informationskampagnen für Gäste beim Check-in (kein offenes Zurschaustellen teurer Gegenstände, sichere Aufbewahrung in Hotelsafes); verpflichtende Meldewege für ungewöhnliche Beobachtungen in den Marinas; bessere Registrierung von Mietwagen- und Motorradfirmen in der Hauptsaison, verbunden mit stichprobenartigen Kontrollen; Ausbau technischer Mittel wie funktionierende Kameras an den Zufahrten und gut sichtbare Hinweisschilder an Parkplätzen.
Hinzu kommen juristische und internationale Maßnahmen: schnellere Informationsweitergabe mit Herkunftsländern der Täter, damit Fluchtwege blockiert werden können; härtere Sanktionen für organisierte Gruppen, kombiniert mit Rückführungs- und Wiederausreise-Überprüfungen bei verhängten Einreiseverboten. Ein weitergedachtes Element wäre ein Schutzfonds für Opfer, um kurzfristige medizinische Kosten und psychologische Hilfe zu zahlen, finanziert etwa durch Bußgelder aus vergleichbaren Fällen.
Ein persönlicher Blick zum Schluss: Ein Einheimischer erinnert sich, wie früher Hafenpromenaden sichere Orte waren, an denen Kinder Eis kauften und Fischer netzten flickten. Heute mischt sich in diese Bilder die Sorge, beim Schlendern zur nächsten Bar plötzlich zum Ziel zu werden. Es ist möglich, die Balance wiederzufinden: mit sichtbarer Präsenz, pragmatischen Regeln in Marinas und einer Portion gesunder Vorsicht bei Gästen — ohne den Hafen in ein militärisches Sperrgebiet zu verwandeln.
Fazit: Die Verurteilungen sind richtig und wichtig. Sie zeigen, dass das Rechtssystem reagiert. Trotzdem darf das Urteil nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Maßnahmen fehlen. Wer auf Mallorca lebt oder hier Urlaub macht, verdient sicherere Häfen, klare Prävention und besser vernetzte Behörden. Sonst bleiben Verurteilungen Stückwerk — und die Promenaden weiter gefährdete Kulissen für auf Zielpersonen spezialisierte Täter.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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