Coll de Sóller und sa Calobra: Sechs Millionen für Sanierung in der Tramuntana

Sechs Millionen für die Serra: Coll de Sóller und sa Calobra sollen saniert werden

Der Inselrat investiert fast sechs Millionen Euro in zwei der engsten Straßen der Serra de Tramuntana. Eine notwendige Investition – doch wie verträgt sich Asphalt mit Schutzgebiet, Tourismus und künftiger Mobilität?

Sechs Millionen für die Serra: Coll de Sóller und sa Calobra sollen saniert werden

Die Kehren am Coll de Sóller kennt hier jede*r: Busse, Lieferwagen und Radfahrer tasten sich in Zeitlupe aneinander vorbei, der Duft von Pinien mischt sich mit Motoröl – und an manchen Stellen überrascht einen ein tiefer Riss im Asphalt. Jetzt hat der Inselrat beschlossen, knapp sechs Millionen Euro in die Sanierung zweier wichtiger Verbindungen in der Serra de Tramuntana zu stecken: Coll de Sóller und sa Calobra stehen auf der Liste.

Die zentrale Frage

Reichen reine Asphaltarbeiten, um die Straßen sicherer und zukunftsfähig zu machen? Es geht nicht nur um neue Fahrbahndecken: Es geht um Verkehrssicherheit, Umweltschutz und darum, wie die Serra als Lebensraum für Anwohner*innen und Besucher*innen erhalten wird.

Was geplant ist

Auf beiden Strecken sollen die Fahrbahndecken erneuert werden: jeweils rund 13 Kilometer Asphalt werden neu verlegt. Dazu kommen modernisierte Leitplanken und aktualisierte Verkehrsschilder. Auf den engen Abschnitten, wo Busse und Tourist*innenautos nur mit Millimeterarbeit aneinander vorbeikommen, kann das bereits spürbar mehr Sicherheit bringen: bessere Haftung, weniger Schlaglöcher, klarere Fahrspuren. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Plans, um das Straßennetz auf Mallorca zu verbessern.

Wann die Arbeiten starten — und welche Probleme das bringt

Die meisten Maßnahmen sind für die Wintermonate geplant, wenn weniger Urlauberverkehr die Bergstraßen belastet. Konkrete Termine fehlen noch, die Ausschreibungen laufen. Das bedeutet: Verträge, Angebotssichtung, dann Bagger und Bitumen. Anwohner*innen fürchten Lärm, Staub und Lieferengpässe für bäuerliche Betriebe. Touristen werden sich später über Sperrungen ärgern, wenn die Koordination nicht klappt.

Was oft zu kurz kommt

In der öffentlichen Debatte bleibt häufig unbeleuchtet, wie sich solche Bauarbeiten auf den sensiblen Naturraum der Tramuntana auswirken. Erosion an Böschungen, Abfluss von belastetem Regenwasser und Störungen für die Vogelwelt sind echte Risiken. Die Serra steht unter besonderem Schutz – hier müssen Bauabschnitte mit Blick auf Flora und Fauna geplant werden, nicht nur nach dem Takt der Baufirmen.

Ein weiterer blinder Fleck: die Perspektive der Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Wenn während monatelanger Arbeiten ein Fahrstreifen wegfällt, werden sie oft in unsichere Bereiche gedrängt. Und gerade auf beliebten Radstrecken der Insel kann das gefährlich werden.

Konkrete Chancen und Lösungsansätze

Sechs Millionen sind kein Pappenstiel — aber wie das Geld ausgegeben wird, entscheidet über den Nutzen. Vorschläge, die jetzt auf den Tisch sollten:

Phasenplanung und lokale Kommunikation: klare Zeitfenster, tägliche Arbeitszeiten, ein Bürgertelefon und digitale Info-Boards an den Ortseingängen. So wissen Schülereltern, Landwirt*innen und Busunternehmen, wann Umleitungen nötig sind.

Verkehrsmanagement: temporäre Ampeln oder geregelte Wechselspuren statt kompletter Sperrungen. Einsatz von Shuttle-Bussen in Stoßzeiten, verstärkte Koordination mit den Buslinien, damit Lieferverkehre morgens passieren können.

Umweltverträgliche Bauweisen: Einsatz von Recycling-Asphalt, kontrollierte Absaugung von Staub, Bewässerungs- und Auffangsysteme an Böschungen, um Sedimente nicht in die Schluchten zu spülen. Gut geplante Baustellenentwässerung schützt das empfindliche Ökosystem.

Rad- und Fußverkehr schützen: während Bauphasen sichere Ausweichstreifen, temporäre Schutz-Poller und klare Beschilderung. Kleine Maßnahmen, große Wirkung.

Qualitäts- und Zeitbindung in Ausschreibungen: Verträge, die Fertigstellungstermine und Umweltauflagen koppeln, plus Bonus-Malus für Einhaltung — so werden Unternehmen für zügige und rücksichtsvolle Arbeit belohnt.

Warum das wichtig ist

Coll de Sóller und sa Calobra sind mehr als Verbindungsstraßen: Sie sind Zugangswege zu Dörfern, Transportwege für landwirtschaftliche Produkte und Einfallstore für Besucher in die spektakuläre Tramuntana. Neue Leitplanken und klare Beschilderung helfen, Unfälle zu reduzieren — besonders in der feuchten Nebensaison, wenn Nebel und Glatteis die Kurven heimtückisch machen.

Offene Fragen

Wie lange werden Sperrungen dauern? Welche konkreten Umweltauflagen werden auferlegt? Und: Wird es eine begleitende Informationskampagne für Anwohner*innen und Tourist*innen geben? Bis die Ausschreibungen entschieden sind, bleiben diese Punkte offen.

Mein Eindruck

Eine notwendige Investition, richtig geplant kann sie viel bringen. Doch die Tramuntana ist kein gewöhnliches Straßensegment: Hier trifft Infrastruktur auf geschützte Landschaft, auf Alltagsleben und auf touristische Erwartungen. Wenn Behörden, Firmen und Anwohner*innen jetzt kooperieren — mit klarer Kommunikation, umweltbewussten Bauweisen und Rücksicht auf Radler*innen und Fußgänger*innen — dann könnten aus sechs Millionen Euro nicht nur neue Straße, sondern echte Verbesserung werden.

Wer regelmäßig über Coll de Sóller oder nach sa Calobra fährt: Augen auf. Und ein bisschen Geduld mit den Baggern — aber bitte nicht auf Kosten der Natur oder der Anwohner*innen.

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