
Wenn Pause zur Ausnahme wird: Die Wachleute der Balearen am Limit
Tausende private Sicherheitskräfte auf den Balearen klagen über fehlende oder zu kurze Pausen. Zwischen Einsätzen im Auto wächst Müdigkeit — mit Risiken für Gesundheit und Sicherheit.
Wenn Pause zur Ausnahme wird: Die Wachleute der Balearen am Limit
In Palma, wenn die Straßen noch nach nassem Asphalt riechen und die ersten Lieferwagen durch die engen Gassen tuckern, sitzen manche Wachleute erschöpft in ihren Fahrzeugen und warten auf den nächsten Einsatz. Die Gewerkschaft hat Anzeige bei der Arbeitsaufsicht erstattet: Tausende Beschäftigte der privaten Sicherheitsbranche auf den Balearen sollen regelmäßig keine oder zu kurze Ruhezeiten bekommen. Für Außenstehende mag das nach Paragraphen klingen — für Betroffene ist es Alltag und Risiko.
Die zentrale Frage: Warum fehlen Ruhezeiten?
Die Leitfrage ist einfach und dringlich: Warum werden gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten auf den Balearen regelmäßig ausgehebelt? Nach Angaben der Gewerkschaft könnten bis zu 6.000 Beschäftigte betroffen sein, darunter etwa 2.500 Wachleute. In Gesprächen vor einem Supermarkt an der Playa de Palma oder in kleinen Cafés in La Lonja hört man dieselben Antworten: "Die Pause ist im Auto, zwischen Einsätzen", "Setzen wir uns hin, bricht das System zusammen". Viele akzeptieren Überstunden aus finanziellen Gründen — wer verzichtet schon auf Einsätze, wenn das Geld knapp ist? Diese Problematik erinnert an den Artikel über Pausen für Busfahrer auf Mallorca, die durch feste Minuten erleichtert werden sollen.
Analytische Betrachtung: Was oft zu kurz kommt
Die öffentliche Debatte fokussiert auf Einzelfälle, aber drei strukturelle Faktoren werden selten durchleuchtet: Die Vergabepraxis, die Subunternehmerketten und die schwache Inspektionslandschaft. Zu niedrige Gebühren in Ausschreibungen führen dazu, dass Firmen mehr Aufträge annehmen, als sie personell verantwortbar bedienen können. Die Folge: Dienstpläne, die formal Pausen vorsehen, faktisch aber unmöglich machen.
Subunternehmerketten verwässern Verantwortung. Wenn Auftraggeber, Hauptauftragnehmer und mehrere Subfirmen in einer Kette haken, ist unklar, wer für Einhaltung von Ruhezeiten zuständig ist — und Kontrollen werden schwieriger. Und die Arbeitsinspektionen? Sie sind oft unterbesetzt, haben volle Aktenordner und können nicht flächendeckend prüfen. Das schreit nach Reformen, nicht nur nach Anzeigen. Ein Beispiel ist die Diskussion um die Fehlzeitenquote in der Region, die oft verborgen bleibt.
Welche Folgen sind vor Ort spürbar?
Müdigkeit ist hier keine abstrakte Kategorie. Ein müder Wachmann auf einer Baustelle oder an einem Einkaufszentrum ist ein Sicherheitsrisiko — für Bewohner, Touristen und Kollegen. In den Nächten, wenn die Bars schließen und die Straßen lauter werden, brauchen wir wache Teams. Wer auf müde Kräfte setzt, handelt fahrlässig. Gleichzeitig gibt es eine soziale Dimension: Überstunden und Schichtdruck zerren an Familienleben und Gesundheit. Gespräche in kleinen Bars und an Tankstellen zeigen erschöpfte Gesichter, brummenden Kaffee und die leise Resignation jener, die jeden Euro zählen müssen.
Konkrete Lösungsansätze — mehr als Prüfungen allein
Die Gewerkschaft fordert Untersuchungen, Tarifverträge und zusätzliche Einstellungen — richtige Forderungen, aber unvollständig. Was zusätzlich helfen könnte:
- Strengere Vergabekriterien: Auftraggeber sollten nicht nur auf den Preis achten, sondern verbindliche Mindestpersonalstärken und Nachweise zur Einhaltung von Ruhezeiten verlangen.
- Klare Regeln für Subunternehmerketten: Verträge müssen Rechenschaftspflichten und Haftungsregeln enthalten, damit Verantwortung nicht verschwindet.
- Lokale Personalpuffer: Gemeinden und große Auftraggeber könnten finanzielle Anreize schaffen für Pufferstellen, die kurzfristige Ausfälle auffangen — damit Pausen eingehalten werden können, auch wenn jemand ausfällt.
- Mehr und bessere Kontrollen: Die Arbeitsaufsicht braucht mehr Personal, modernere Kontrollinstrumente und wirksame Sanktionen. Bußgelder müssen so hoch sein, dass sie für Unternehmen spürbar sind.
- Gesundheitsschutz vor Ort: Feste Ruheräume für Abend- und Nachtdienste, regelmäßige medizinische Checks und Programme gegen Erschöpfung würden sofort helfen — gerade in heißen Sommernächten, wenn die Belastung steigt.
Darüber hinaus können digitale Dienste und Schichtplanungstools Transparenz schaffen: Wer dokumentiert, wann Pausen tatsächlich genommen werden, erschwert Ausreden. Und Whistleblower-Schutz ist wichtig: Beschäftigte müssen Verstöße melden können, ohne um ihren Job fürchten zu müssen.
Wer trägt Verantwortung?
Es ist nicht nur die Schuld der Firmen — aber ihre Fürsorgepflicht ist unantastbar. Auftraggeber wie Einkaufszentren, Veranstalter oder Kommunen müssen prüfen, ob sie durch billige Vergaben ausbeuterische Zustände fördern. Die Politik ist gefordert: Arbeitsministerin Yolanda Díaz hat Fälle zur Kenntnis genommen und Inspektionen veranlasst. Ob das reicht, bleibt offen.
Für die Wachleute geht es um Gesundheit, finanzielle Sicherheit und die Sicherheit der Inseln. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Inspektionen, Tarifverhandlungen und öffentliche Aufmerksamkeit ausreichen, um Ruhezeiten dauerhaft durchzusetzen — oder ob die Pause auf den Balearen weiterhin die Ausnahme bleibt. Auf den Straßen Palmas, wenn die Fähre hupend aus dem Hafen kommt und die ersten Frühlieferungen rollen, sitzen manche Noch im Dienst, müde und wachsam zugleich — ein Zustand, der uns alle etwas angeht.
Stichworte: Arbeitsrecht, Sicherheit, Gewerkschaft, Balearen, Palma
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