Warum Sóllers Umgehungsstraße stockt – Zwischen Plan und Stillstand

Sóller im Dauerstau: Warum die Umgehungsstraße nicht vorankommt

Seit Monaten stockt die Umgehungsstraße von Sóller: Pläne für Kreisverkehre, Radweg und Park-and-Ride sind da, aber Unterschriften, Zuständigkeiten und Kontrolle fehlen. Was das für Anwohner, Busfahrer und Touristen bedeutet — und welche Schritte jetzt nötig sind.

Sóller im Dauerstau: Warum die Umgehungsstraße nicht vorankommt

Es ist kurz nach neun, die Sonne glitzert auf den Kacheln der Cafés, und doch herrscht auf der Umgehungsstraße von Sóller keine Urlaubsruhe. Zäh fließender Verkehr, Busse, die sich an engen Stellen quälen, Touristen mit Koffern, die die Fahrbahn nutzen, weil der Bürgersteig fehlt – und die bekannten Hupen, die morgens aus Can Repic rüberwehen. Abends zwischen 17:00 und 19:00 Uhr dasselbe Spiel: Geduld, Stau, genervte Gesichter.

Der Plan – und warum er nicht aus dem Schreibtisch kommt

Eigentlich ist alles durchdacht: vier neue Kreisverkehre, ein durchgehender Radweg, deutlich ausgewiesene Park-and-Ride-Flächen und Parkverbote an den Seitenstreifen. Für viele ein klares Plus an Sicherheit und Lebensqualität. Trotzdem passiert nichts. Die zentrale Frage lautet: Liegt das Problem an den Plänen oder an der Organisation dahinter?

Die Antwort ist komplizierter als ein technisches Gutachten. Es fehlt nicht an Vorschlägen, sondern an einem verlässlichen Austausch zwischen Inselrat, der Verkehrsbehörde DGT und der Gemeindeverwaltung. Zuständigkeiten werden hin- und hergeschoben. Unterschriften, Genehmigungen, Abstimmungen — all das zieht sich seit Monaten. In den Cafés an der Plaza wird darüber gesprochen; die Stimme der Menschen klingt skeptisch. „Die Pläne sind da, aber es fehlt die Unterschrift dort und das OK da“, sagt ein Anwohner, der oft mit dem Fahrrad unterwegs ist. Eine typische Szene: gute Absicht, schwaches Management.

Unter dem Radar – saisonale Parkschließungen und die Macht der Bequemlichkeit

Eine Ursache, die in der öffentlichen Debatte zu kurz kommt, sind die saisonalen Effekte. Offizielle Parkflächen werden teils zeitweise geschlossen — aus Sicherheitsgründen oder wegen Veranstaltungen — und Fahrer parken dann einfach auf den Seitenstreifen. Poller wurden aufgestellt, neue Parkplätze ausgeschildert, doch viele halten sich nicht daran. Nicht nur aus Rücksichtslosigkeit, sondern auch aus Bequemlichkeit: Der kürzeste Weg zum Meer oder zu einem Geschäft wirkt verlockender als die Suche nach dem Park-and-Ride.

Die Folge: blockierte Fahrspuren, verspätete Busse, Lieferwagen, die rückwärts rangieren müssen. Kontrollen? Kaum. Die Ortspolizei kann nicht überall gleichzeitig sein. Das Ergebnis ist ein dauernder Flickenteppich an provisorischen Lösungen statt einer klaren Verkehrsführung.

Die versteckten Kosten des Stillstands

Was nach einer lästigen Alltagserscheinung klingt, hat einen Preis. Verkehrsbedingte Verzögerungen bedeuten für Betriebe höhere Lieferzeiten, für Busunternehmen Verspätungen im Fahrplan und für Anwohner mehr Lärm und Gestank. Nicht zuletzt steigt das Risiko für Fußgänger, vor allem für ältere Menschen oder Familien mit Kindern, wenn sie die Straße teilen müssen, weil ein Bürgersteig fehlt.

Wenig beachtet wird auch die Chance, die ein durchdachter Radweg böte: weniger Autoverkehr, bessere Luft, mehr Besucher, die den Ort zu Fuß oder per Rad erkunden. Das bleibt aber visionär, solange die Umsetzung offen ist.

Konkrete Schritte, die jetzt nötig sind

1. Ein verbindlicher Zeitplan mit klaren Deadlines und Verantwortlichen. Nicht nur Gespräche, sondern unterschriebene Vereinbarungen zwischen Inselrat, DGT und Gemeinde.

2. Interimslösungen für die nächste Saison: temporäre Gehwegabsicherungen, klare Markierungen für Fußgängerführungen, temporäre modular aufgebaute Kreisverkehre, wo nötig. Kleine Maßnahmen, die schnell Wirkung zeigen und Gefahren reduzieren.

3. Verstärkte Kontrollen und flexible Parkregelungen: mobile Teams, gezielte Einsätze in den Stoßzeiten und eine klare Kommunikation an Touristengruppen — auf Deutsch, Englisch und Spanisch — damit niemand aus Unwissenheit auf der Fahrbahn läuft.

4. Ein Mediator oder Projektleiter, der die Koordination übernimmt und den Prozess messbar vorantreibt. Oft fehlt nicht das Geld, sondern die Person, die den Knoten löst.

5. Beteiligung der Anwohner: Ein Bürgerforum könnte Monate des Wartens verkürzen, weil Betroffene konkrete Probleme benennen können — vom Schulweg bis zur täglichen Buslinie.

Was passieren kann, wenn die Blockade gelöst wird

Wenn die Kreisverkehre kommen und der Radweg durchgezogen wird, verändert sich die tägliche Geräuschkulisse. Weniger Hupen, weniger hektisches Rangieren, mehr Platz für Caféstühle an kühleren Nachmittagen. Busse halten pünktlicher, Lieferungen laufen reibungsloser, und Fußgänger fühlen sich sicherer. Das ist kein ferner Traum, sondern ein realistisches Ziel — sofern die Verantwortlichen endlich das Nötige unterschreiben und die ersten sichtbaren Maßnahmen vor der nächsten Saison umsetzen.

Bis es so weit ist, bleibt Sóller in den Stoßzeiten ein Nadelöhr. Die Bäckereien am Morgen werden weiter Zeuge gestresster Autofahrer sein, die mit Kaffee in der Hand auf eine Lösung hoffen. Skepsis ist berechtigt. Doch ein verbindlicher Plan, kurzfristige Schutzmaßnahmen und mehr Kommunikation könnten aus dem Dauerstau eine echte Chance für eine lebenswertere Ortsdurchfahrt machen.

Die Hupen mögen noch ein paar Monate weiterklingen — aber sie könnten auch das Startsignal für endlich entschlossenes Handeln werden.

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