
Wenn die Speicher schrumpfen: Wie Mallorcas Wasserknappheit Palma und die Dörfer trifft
Gorg Blau und Cúber liegen bei rund 29,5 Prozent – das hat konkrete Folgen für Städte, Gemeinden und Landwirtschaft. Warum die Lage ernster ist als sie klingt und welche Schritte jetzt nötig sind.
Wenn die Speicher schrumpfen: Wie Mallorcas Wasserknappheit Palma und die Dörfer trifft
Die Zahlen klingen abstrakt, bis der Wasserhahn nur noch mit halber Kraft träufelt. Aktuell füllen die beiden großen Stauseen Gorg Blau und Cúber zusammen nur rund 29,45 Prozent ihrer Kapazität. Gorg Blau zeigt etwa 30,51 Prozent, Cúber knapp 27,81 Prozent. Die Stimme an der Hotline von Emaya klingt nicht sorglos — und das spürt man auf der Straße: in Palma, in Sóller, in den kleinen Bergdörfern.
Leitfrage: Reichen die Reserven bis zum Herbst – oder droht knapperes Wasser im Alltag?
Diese Frage ist nicht nur rhetorisch. Die Insel braucht die Seen als Puffer für heiße Wochen, für Gärten, für die Landwirtschaft und für die Tourismus-Hochsaison, die hier nie ganz pausiert. Meteorolog:innen sprechen von einem leicht trockenen August und messen im Schnitt nur etwa 13,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – rund 38 Prozent unter dem Langzeitmittel. Einzelne Schauer reichen nicht aus, um das Defizit auszugleichen.
Mehr als Zahlen: wo es bereits weh tut
Man sieht es an kleinen, alltäglichen Dingen: verkrustete Rasenflächen, Gärtner, die Bewässerungspläne ausdünnen, Landwirte, die Trinkwasser in Tanks kippen oder auf schlecht planbares Wetter hoffen. In manchen Gemeinden gibt es schon Einschränkungen bei großen Bewässerungsprojekten. Und ja, die alten Quellen aus der Serra de Tramuntana füllen weiter Wasserleitungen mit Jahrhunderte-altem Kalkstein-Werk — doch wenn Stauseen fallen, wird dieses Zusatzeinkommen plötzlich extrem wichtig.
Was oft zu kurz kommt
Die öffentliche Debatte dreht sich meist um Regen und Stauseen. Weniger beachtet werden drei Punkte: Erstens der Zustand des Rohrnetzes. Leckagen können in Summe enorme Mengen verschlingen. Zweitens die ungleiche Verteilung: Palma hat Versorgungssysteme und Reserven, kleine Dörfer sind oft angreifbarer. Drittens die Nachfrage des Tourismus: Pools, Hotels, Golfplätze beanspruchen große Mengen, oft zu Zeiten, wenn es am trockensten ist.
Konkrete Chancen und Maßnahmen
Kurzfristig hilft vor allem gemeinsames Sparen: tropfende Hähne reparieren, Dusche statt Bad, Nachtbewässerung für Gärten, effiziente Tropfbewässerung in der Landwirtschaft. Emaya empfiehlt solche Schritte, doch sie sind nur ein erster Baustein.
Mittelfristig müssen technische und regulatorische Lösungen an Fahrt gewinnen: Lecksuche im Versorgungsnetz, intelligente Zähler, Anreize für Regenwassertanks bei Privathäusern und Hotels, Ausbau von Grauwasser-Recycling für Bewässerung und Reinigung. Für die Landwirtschaft lohnen sich vermehrt wassersparende Bewässerungsmethoden und eine gerechtere Zuteilung in Trockenzeiten.
Langfristig bleibt die Frage: Wollen wir massiv in Entsalzungsanlagen investieren – mit hohem Energiebedarf – oder lieber stärker auf Speicher, Effizienz und Erneuerbare setzen? Kleine, solarbetriebene Entsalzungsanlagen für Gemeinden und Landwirtschaft sind heute eine Option; ebenso wichtig ist die Investition in größere Stau- und Retentionssysteme in Tälern, wo Regen gezielt gehalten werden kann.
Politik, Tarifgestaltung und soziale Fragen
Wasserpolitik ist immer auch Verteilungspolitik. Höhere Preise können Verbrauch bremsen, treffen aber sozial schwächere Haushalte härter. Eine Kombination aus Blocktarifen, Subventionen für wassersparende Technik und gezielten Zuschüssen für Gemeinden wäre sinnvoller als pauschale Preiserhöhungen. Und: Wer Landwirtschaft und Tourismus priorisiert, sollte dafür klare Regeln und Kompensation anbieten.
Ein lokales Fazit
Die Insel steht an einem Punkt, an dem kleine Maßnahmen schnell viel bringen können – und wo langfristige Planung jetzt beginnen muss. Wenn die Zikaden im Juli lauter werden und der Staub auf den Steinmauern dicker, merken die Menschen hier instinktiv, dass Wasser ein knapperes Gut wird. Das Gespräch über Speichertechniken, gerechte Verteilung und moderne Bewässerung darf nicht erst beginnen, wenn der Hahn versiegt.
Also: kurzsichtiges Wegsehen hilft nicht. Es braucht Pragmatismus, Geld und ein bisschen mallorquinische Erfindungsgabe — und zwar bevor wir lernen, wie trocken der Sommer ohne Puffer wirklich sein kann.
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