s'Estany d'en Mas: Traumcala unter Baulärm

Traumcala unter Baulärm: s'Estany d'en Mas zwischen Pinien und Beton

Zwischen türkis und Kiefernduft schütteln Betonmischer die Ruhe: An der Cala Romàntica und rund um s’Estany d’en Mas setzen neue Baupläne das Gleichgewicht der kleinen Bucht aufs Spiel. Wer profitiert – und wer bleibt zurück?

Wenn das Meer still ist, aber die Walze nicht

Die erste Frage, die hier viele stellen, ist einfach und drängt: Wollen wir den Ort, den wir lieben, gegen schnelle Rendite eintauschen? Wer an einem Dienstagmorgen an der MA-4020 aus dem Auto steigt, atmet noch den Duft von Pinien und frischem Salzwasser ein. Doch hinter dieser ersten Idylle liegt inzwischen ein anderes Geräusch: Betonmischer, Lkw, das rhythmische Dröhnen von Presslufthämmern. „Früher hörte man nur Möwen“, sagt Toni, ein alter Nachbar, den hier jeder kennt. „Jetzt hört man die Walze.“

Die Lage vor Ort

In den Hängen um s’Estany d’en Mas sprießen keine neuen Pinien, sondern Baupläne: 77 Einfamilienhäuser auf großzügigen Parzellen, die Fertigstellung von 159 halbfertigen Doppelhäusern unter neuem Namen und neuer Finanzierung. Für Strandgäste bleibt die Cala Romàntica ein Bildpostkartenmotiv — aber die Zufahrtsstraße ist voller Baustellenverkehr, die Liefer-Lkw kurven frühmorgens die schmale MA-4020 hoch und runter, und Baustellenzäune schneiden den Blick auf die Bucht.

Die Anwohner sind gespalten. Viele hoffen auf Jobs und Aufträge, andere sehen Mieten steigen, den Charme schwinden und die Natur unter Druck geraten. María aus der Bäckerei an der Durchgangsstraße meint trocken: „Die Trucks kommen oft schon um 6:30. Die Gäste am Strand merken das nicht, sie sind ja nur kurz da.“

Wer profitiert — wer verliert?

Eine große Frage bleibt im Raum: Für wen wird gebaut? Die aktuellen Projekte zielen deutlich auf Käufer mit hoher Kaufkraft — Ferienhäuser, Luxusdomizile, Renditeobjekte. Das treibt Immobilienpreise und den Druck auf den lokalen Wohnungsmarkt. Wer auf erschwingliche Mieten angewiesen ist, spürt das schnell. Die Umweltgruppe GOB spricht von einer „Frechheit“; auf der Straße hört man ähnliche Kritik. Die Behörden verweisen auf geltende Genehmigungen; Investoren locken mit Arbeitsplätzen und Fertigstellung bis 2026. Lokal klingt das oft hohl: Manolo, der Wirt, winkt ab: „Arbeitsplätze sind gut. Aber nicht, wenn die Strände unter Beton verschwinden.“

Was kaum jemand sagt

In all dem Lärm fallen einige Aspekte in der öffentlichen Debatte meist unter den Tisch:

1) Infrastrukturcapacitäten: Wasser- und Abwassersysteme in den Küstenzonen sind empfindlich. Mehr Häuser bedeuten mehr Belastung für die Grundwasservorräte in einer Region, die im Sommer ohnehin knapp ist.

2) Wald- und Brandschutz: Neue Zufahrten, zusätzliche Bauten in Pinienhängen und mehr Menschen in sensiblen Bereichen erhöhen das Risiko und erschweren Rettungswege, gerade in heißen, trockenen Sommern.

3) Unvollendete Projekte: Die Insel kennt die Geschichte halbfertiger Bauskelette aus der letzten Immobilienkrise. Die Verlockung, mit neuem Geld unfertige Projekte wieder aufzulegen, birgt die Gefahr, dass erneut Bausünden nur kaschiert werden.

Konkrete Schritte, die noch helfen könnten

Es gibt kein Patentrezept, aber konkrete, praktikable Maßnahmen, die lokale Entscheidungsträger und Bürger fordern könnten:

Moratorium auf Neubau in sensiblen Küstenzonen — bis umfassende Umwelt- und Infrastrukturgutachten vorliegen und konkrete Zusagen zu Wasser- und Brandschutz gemacht sind.

Bindende Quoten für bezahlbaren Wohnraum in jedem neuen Projekt, damit nicht ausschließlich Zweitwohnsitze den lokalen Markt dominieren.

Striktere Bauzeiten und Lärmschutzregeln — etwa kein Schwerlastverkehr in den frühen Morgenstunden und klare Limits für Arbeitstage mit erhöhter lärmintensiver Tätigkeit.

Wiederverwendung statt Neubau: Unfertige Bauten priorisiert fertigstellen und ökologisch nachrüsten statt Flächen neu zu versiegeln.

Das sind keine Zaubertricks, sondern politische Entscheidungen — sie brauchen Druck von unten und klare Vorgaben von oben.

Ein Ausblick

Die kleine Gemeinde rund um s’Estany d’en Mas steht an einem Scheideweg. Die Geräuschkulisse von Presslufthammern und Walzen ist mehr als eine vorübergehende Belästigung; sie ist ein Sinnbild für die Frage, welches Mallorca wir in den kommenden Jahrzehnten wollen. Wollen wir eine Insel der schnellen Renditen, oder eine mit lebendigen Quartieren, bezahlbaren Mieten und intakten Buchten?

Die Entscheidung wird hier nicht nur durch Pläne und Genehmigungen getroffen, sondern durch Menschen wie Toni, María und Manolo, die den Alltag spüren — und durch eine Politik, die endlich mehr als nur vertraute Versprechen liefern muss. Zwischen Pinien und Beton liegen noch ein paar Jahre, bevor man entschieden hat, was bleibt. Und das hört man schon jetzt.

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