UIB‑Studierende protestieren: Fast 10 Euro für Mensa sorgt für Unmut in Palma

Unmut auf dem Campus: Warum ein fast 10‑Euro‑Mensa‑Menü die UIB‑Studierenden auf die Straße bringt

Dutzende Studierende der UIB protestieren in Palma gegen fast 10 Euro für ein Mittagsmenü. Hinter der Preisdebatte stecken Wohnkosten, prekäre Jobs und strukturelle Fragen zur Versorgung auf dem Campus.

Unmut auf dem Campus: Warum ein fast 10‑Euro‑Mensa‑Menü die UIB‑Studierenden auf die Straße bringt

Am Montagmittag, kurz nach 12:30 Uhr, war der Platz vor der Mensa der Universitat de les Illes Balears (UIB) kein ruhiger Ort. Zwischen olivgrünen Bäumen und den Fahrradbügeln standen Transparentreste, Thermoskannen und jene Studenten, die sonst eher leise bleiben. Kein Auftritt mit Rednerpult, eher improvisierte Sprechchöre und Gespräche, die zeigen: Es geht längst um mehr als nur ein Gericht. Die Leitfrage heißt jetzt: Kann sich ein Studium auf Mallorca noch leisten, wer nicht auf zusätzliche Einkommen oder Unterstützung zählen kann?

Worum genau geht es?

Der Stein des Anstoßes ist simpel und profan: Ein Mittagsmenü kostet an der Mensa knapp 10 Euro. Für viele junge Menschen auf der Insel sind das nicht ein paar Euro, die man mal ausgibt — das ist Teil des Monatsbudgets. Eine Studentin rechnet vor: "Wenn du fünf Tage in der Woche die Mensa nutzt, sind das fast 200 Euro im Monat." Andere packen Brote oder Reste in die Tupperdose, nicht aus Prinzip, sondern weil es nötig ist. Die offizielle Rechtfertigung der Uni: gestiegene Kosten für Energie, Personal und Lieferketten. Doch das beantwortet nicht die Frage, ob diese Last allein auf den Studierenden abgewälzt werden darf. Warum das Menú del Día auf den Balearen so teuer bleibt – was fehlt im Gespräch?

Was bisher in der Debatte fehlt

Es wird oft nur über den Preis geredet. Weniger sichtbar sind die strukturellen Ursachen: Wer den Mensapreis erhöht, reagiert auf steigende Betriebskosten — aber wer überprüft die Caterer‑Verträge? Wie wirken sich saisonale Schwankungen durch Tourismus auf Lieferpreise aus? Und: Welche Rolle spielen Verwaltungshaushalte und Prioritätensetzung der Universität? Auf dem Campus sprechen Menschen nicht nur über Curricula, sondern auch über unbezahlte Praktika, hohe Mieten in Palma und die Kosten fürs Pendeln. Diese Faktoren multiplizieren sich. Warum Lebensmittel auf den Balearen so viel teurer sind – ein Reality-Check

Ein weiterer, oft übersehener Punkt: Die soziale Durchmischung. Studierende, die nebenbei in Cafés oder im Tourismus arbeiten, haben andere Belastungen als jene mit familiärer Unterstützung. Ein einheitlicher Mensapreis trifft aber alle gleich — und das ist ungerecht.

Vergleich und Forderungen: Was möglich wäre

Die Studierendenvertretung verweist auf Modelle, die es anders regeln: staatlich subventionierte Menüs, gestaffelte Preise oder rabattierte Mensakarten für Bedarfsgruppen. Vor Ort kursiert eine Online‑Petiton mit mehreren hundert Unterschriften, an der Mensa hangen Vorschläge: Tage mit günstigeren Menüs, ein Einkommenstest für Rabattkarten, oder Kooperationen mit lokalen Produzent*innen, die saisonal und preiswert liefern könnten. Mallorca führt erneut: Tagesmenü hier am teuersten in Spanien

Konkrete Schritte, die sofort helfen könnten, wären: ein temporärer Preisstopp für drei Monate, Notgutscheine für besonders Bedürftige, und eine transparente Kostenaufstellung der Mensabewirtschaftung. Mittelfristig wären Gespräche über kommunale oder regionale Zuschüsse, ein Modell für subventionierte Plätze und prüfen, ob eine teilweise Rückholung der Bewirtschaftung in öffentliche Hand möglich ist. UIB baut aus: Sechs neue Bachelor sollen Studierende und Fachkräfte auf Mallorca halten

Wie reagieren die Betroffenen und was bleibt zu tun?

Der Protest war entschlossen, nicht hysterisch. Zwischen Kakofonie der Mensakasse und dem gelegentlichen Dröhnen von Mopeds in der Straße sammelten Studierende Unterschriften und planten regelmäßige Treffen. "Es geht nicht nur ums Essen", sagt ein Vertreter, "sondern um den Alltag, den wir uns hier aufbauen wollen." Manche Lehrende zeigen Verständnis; andere warnen vor unrealistischen Forderungen. In jedem Fall ist klar: Wer studieren will, darf nicht auch noch ständig überlegen müssen, womit das Mittagessen bezahlt wird.

Die Uni‑Verwaltung räumt Kostensteigerungen ein, konkrete Maßnahmen sind aber noch offen. Das ist die Gelegenheit für mehr Transparenz und einen öffentlichen Dialog. Die Mensa könnte zum Testfeld werden: ein Pilot mit subventionierten Menüs, begleitet von einer Kostenprüfung und klaren Zielvorgaben.

Bis eine Lösung greifbar ist, bleibt vielen Studierenden die Thermoskanne als kleines Statussymbol — und ein wachsendes Gefühl, dass Bildung auch eine soziale Komponente hat, die nicht allein dem Markt überlassen werden darf. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die UIB den Druck nutzt, um Strukturen zu ändern, oder ob die Diskussion im Campus-Alltag versandet. Für die Protestierenden ist das nicht nur ein Hungerstreik gegen Preise, sondern ein Anstoß, die Universität als Teil der sozialen Infrastruktur wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.

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