Rettung am Puig Major: Nächtlicher Irrweg und was wir daraus lernen

Nächtlicher Irrweg am Puig Major: Warum ein harmloser Spaziergang schnell gefährlich wird

Ein 66‑jähriger Wanderer verbrachte die Nacht in der Nähe des Torrent de s'Al·lot Mort – morgens holte ein Hubschrauber ihn per Seilwinde. Der Vorfall sollte Anlass sein, die Sicherheitslücken auf Mallorcas Bergwegen offen zu benennen.

Nächtliche Wanderung endet mit Hubschrauberrettung

Es war einer dieser stillen Abende in Fornalutx: die Kirchenglocken hatten aufgehört zu läuten, aus den Gassen stieg der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, und in der Ferne zirpten Zikaden noch leise – bis ein 66‑jähriger Wanderer den Rückweg verlor. In der Gegend des Torrent de s'Al·lot Mort reicht oft eine falsche Abbiegung: enge Pfade, Kiefern, plötzliche Stufen. Er landete auf einem schmalen Stück Gebirge und verbrachte die Nacht dort, bis Rettungskräfte ihn am Morgen fanden.

Rettung bei Morgengrauen

Gegen 6:30 Uhr ertönten die Funkgeräte: eine Bodenmannschaft hatte eine ungefähre Position und alarmierte den Hubschrauber Milana. Das Dröhnen der Rotorblätter schnitt durch den kühlen Morgen, Krähen kreischten über den Kiefern, und nach kurzer Koordination wurde der Mann per Seilwinde geborgen. Er war erschöpft und durchgefroren, aber insgesamt wohlauf. Eine Behandlung vor Ort reichte, und kurze Zeit später konnte er zu seinen Angehörigen zurückkehren.

Die Leitfrage: Wie sicher sind Mallorcas Bergwege wirklich?

Der Vorfall beantwortet keine Schuldfrage, stellt aber eine einfache, drängende Frage: Wie schützen wir Menschen, die unsere Berge lieben, vor solchen Situationen? Der Puig Major ist mit 1.436 Metern der höchste Punkt Mallorcas; die umliegenden Routen führen durch die Serra de Tramuntana – UNESCO‑Welterbe seit 2011 – und sind landschaftlich spektakulär, aber tückisch. Das Gelände kann in kurzer Zeit unübersichtlich werden, besonders bei Dämmerung oder schlechtem Wetter.

Aspekte, die oft zu kurz kommen

Wenn man über Wander­sicherheit spricht, fallen oft die üblichen Tipps: Stirnlampe, Wasser, feste Schuhe. Das ist richtig, reicht aber nicht aus. Weniger diskutiert werden:

1) Mobilfunk‑ und Akku‑Grenzen: Auf vielen Routen gibt es Funklöcher. Ein leerer Akku macht aus einem Navigationsgerät oder einem Smartphone schnell nur noch ein leeres Glas. Kleine Powerbanks sind oft lebensrettender als ein zweites Paar Socken.

2) Mehrsprachige Beschilderung und Orientierungspunkte: Parkplatz‑Infotafeln sind häufig auf Spanisch oder Katalanisch; viele Wanderer sind aber internationale Gäste. Klare, symptomatische Wegmarken und nummerierte Notpunkte entlang der Route würden die Suche für Rettungsteams erleichtern.

3) Alternde Wandergemeinschaft: Die Insel hat viele aktive ältere Wanderer. Kondition und Orientierungssinn verändern sich – das sollte in Informationskampagnen klarer adressiert werden.

Konkrete Chancen und Lösungsansätze

Die gute Nachricht: Viele Lösungen sind pragmatisch und vergleichsweise günstig. Einige Vorschläge, die lokal schnell helfen würden:

- Nummerierte Not‑Marker: Kleine, wetterfeste Schilder mit eindeutiger Kennung und GPS‑Koordinate an kritischen Punkten. Einfach für Wanderer und enorm hilfreich für Rettungskräfte.

- Multilinguale Infopoints an Parkplätzen: Übersichtskarten, geschätzte Gehzeiten, Schwierigkeitsgrade und Hinweise zur Mobilfunklage – kurz und präzise.

- Leihgeräte und Akkustationen: In beliebten Ausgangsorten wie Fornalutx oder Sóller könnten Touristenbüros kleine Powerbanks verleihen oder preiswerte Ladepunkte anbieten.

- Aufklärung und präventive Checks: Lokale Wandergruppen und Hüttenwirte könnten Checklisten verteilen: Uhrzeit‑Grenzen (nicht nach Einbruch der Dämmerung starten), Stundenreserve im Akku, jemandem die Route sagen.

Koordination vor Ort funktioniert – aber sie kann besser werden

Der Einsatz zeigte, dass die Koordination zwischen Bodenmannschaft und Luftrettung gut funktioniert. Das ist erfreulich und verdient Anerkennung. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass Prävention oft effektiver wäre. In einer Inselgemeinschaft wie unserer, wo Einheimische und Gäste die gleichen Pfade nutzen, zahlt sich jeder kleine Vorsprung in Organisation und Information aus.

Am Ende stand ein glückliches Ende: kein Verletzter, kein medizinischer Notfall, nur eine kalte Nacht und eine Geschichte, die in Fornalutx bald bei einem Café con leche erzählt wird. Dennoch bleibt die Erinnerung: Respekt vor der Serra – und ein vollgeladener Akku im Rucksack. Der Kaffee danach schmeckt übrigens wirklich besser, versprochen.

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