
26 Millionen für neues Krankenhaus im Osten: Hoffnung und Fragen in der Levante
Die Balearen investieren 26 Millionen Euro in ein Krankenhaus bei Felanitx. Ein Gewinn für die Levante — aber Verkehr, Personal und Integration ins System bleiben offen.
Mehr Nähe, aber nicht ohne Fragezeichen: Neues Krankenhaus für die Levante
Am Ortseingang von Felanitx, wo morgens die Kirchenglocken über den Mandelbäumen klingen und der Duft von frisch gebrühtem Café aus der Via weht, könnte bald ein neues Gebäude stehen, das vielen hier Sicherheit gibt. Der balearische Gesundheitsdienst hat die Ausschreibung für ein Krankenhaus in der Levante gestartet — mit einem Volumen von 26 Millionen Euro. Das ist viel Geld für eine dünn besiedelte Ecke der Insel. Und es ist eine Gelegenheit, die Versorgung grundlegend zu ändern, wenn man es richtig anpackt.
Die Pläne: mehr Reha und Langzeitpflege statt reiner Notfallmedizin
Geplant sind vier einzelne Gebäudeblöcke mit jeweils rund 25 Zimmern; insgesamt sollen etwa 100 Doppelzimmer als Einzelzimmer genutzt werden. Auffällig ist der Fokus auf chronisch kranke und ältere Menschen: Eine angeschlossene Reha-Tagesklinik ist vorgesehen, weniger ein großer Notfallturm. Das ist kein kosmetischer Unterschied. Die Levante altert, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zusammengenommen leben in den fünf versorgten Gemeinden — Manacor, Sant Llorenç des Cardassar, Son Servera, Capdepera und Artà — heute etwa 140.000 Menschen; bis 2029 könnten es 150.000 sein, darunter rund 30.000 über 65 Jahre.
Zentrale Frage: Wie verbindet man Nähe, Personal und Verkehr ohne neue Probleme zu schaffen?
Geld allein beantwortet diese Frage nicht. Die Ausschreibung ist der erste formale Schritt, doch die kritischen Punkte liegen bereits auf dem Tisch: Wer arbeitet dort? Wie kommen die Menschen hin — besonders in Dörfern ohne Taktverkehr? Und wie fügt sich die neue Klinik in das bestehende Versorgungsnetz ein, ohne Kapazitäten zu verdünnen oder teuer zu doppeln?
Im Markt von Felanitx, zwischen dem Klappern von Obstkisten und dem Gespräch der Händler, hört man zwei Stimmen: die Erleichterung über kürzere Fahrten zu Reha- oder Routineterminen, und die Skepsis gegenüber Verkehrsbelastung und Parkplatznot. Die Frage nach Personal wird öfter geflüstert als öffentlich diskutiert — weil sie kompliziert ist und nicht mit einem Bauzaun zu lösen.
Was in der öffentlichen Debatte zu kurz kommt
Erstens: Flexibilität der Räume. 100 Einzelzimmer sind sinnvoll — nur helfen starre Strukturen wenig, wenn sich Bedarf schneller ändert als Baupläne. Multifunktionale Räume, die für Kurzzeitpflege, Tagesklinik und ambulante Physiotherapie umgerüstet werden können, sind wirtschaftlicher und resilienter.
Zweitens: Personalgewinnung muss Teil der Ausschreibung sein. Geld für den Bau ohne verbindliche Konzepte für Rekrutierung, Weiterbildung und Bindung von Pflegekräften ist kurzsichtig. Praktische Vorschläge wären etwa feste Ausbildungsplätze in Kooperation mit den Pflegeschulen Mallorcas, finanzierte Weiterbildungen vor Ort und Wohnungs-Zuschüsse für angestelltes Personal — denn viele junge Fachkräfte können oder wollen nicht täglich aus Palma pendeln.
Drittens: Mobilität und Erreichbarkeit. Ein Krankenhaus bei Felanitx nützt wenig, wenn Patienten lange Wege vom Rand der Region haben. Lösungen können sein: abgestimmte Shuttle-Verkehre aus den kleineren Orten, bessere Abstimmung mit den Buslinien, Taxi-Kooperationen mit subventionierten Fahrten für Senioren sowie gezielte Parkzonen, die den Durchgangsverkehr nicht ersticken.
Konkrete Vorschläge — was jetzt passieren sollte
1) In der Vergabe sollten verbindliche Klauseln zur Personalplanung aufgenommen werden: Anzahl an Fachkräften, Fortbildungsprogramme, Wohnraumförderung. Ohne Personal bleibt ein modernes Gebäude nur ein teurer Rohbau.
2) Die Bauplanung sollte modulare Räume vorsehen: schnelle Umnutzung von Reha- zu Akutbetten, telemedizinische Ausstattung in jedem Zimmer, flexible Therapieflächen.
3) Verkehrs- und Parkplatzkonzept mit Beteiligung der betroffenen Gemeinden. Eine lokale Verkehrslösung — Shuttlebusse, Park-and-Ride für Besucher, klar ausgewiesene Lieferzonen — kann den Druck auf Felanitx' Ortskern mindern.
4) Kooperation mit dem Klinikum Palma: klare Routings für komplizierte Fälle, Telekonsile und abgestimmte Überweisungswege, damit die neue Einrichtung eher entlastet als konkurriert.
Ein Baustein in einem größeren Puzzle
Das Projekt gehört zum balearischen Investitionsplan 2024–2027 (rund 435 Millionen Euro insgesamt) — ein finanzieller Rahmen, der Chancen bietet, regional ausgewogen zu investieren. Für die Levante wäre es ein pragmatischer Gewinn: weniger lange Fahrten, mehr Reha-Angebote vor Ort, eine Versorgung, die der demografischen Realität Rechnung trägt. Doch der Gewinn ist nicht automatisch, er muss organisiert werden.
Politiker, Gesundheitsplaner, Bürgermeister und vor allem die Menschen vor Ort — von der jungen Pflegerin aus Manacor bis zur älteren Frau, die regelmäßig zur Physiotherapie nach Palma fährt — sollten jetzt an einen Tisch. Sonst droht das Projekt, ein schönes Gebäude zu werden, das seine größte Aufgabe nicht erfüllt: spürbar bessere Versorgung für die Levante.
Leserinnen und Leser: Wie sehen Sie die Prioritäten? Braucht die Levante vor allem Betten, Personal oder bessere Busverbindungen? Schreiben Sie uns — wir sammeln Stimmen aus der Region und leiten Vorschläge an Entscheidungsträger weiter.
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