Cabrera: knapp 60.000 Hektar ohne Fischerei – was das für Mallorca bedeutet

Cabrera: Fast 60.000 Hektar ohne Fischerei – was das für Mallorca bedeutet

👁 2387✍️ Autor: Adriàn Montalbán🎨 Karikatur: Esteban Nic

Im Nationalpark Cabrera soll eine großflächige No‑Take‑Zone entstehen. Für die Gewässer rund um Mallorcas Inselnationalpark bedeutet das Schutz für Ökosysteme – und für lokale Fischer kaum Einschränkungen.

Cabrera wird größte Fischerei‑freie Meereszone im westlichen Mittelmeer

Am Anleger von Colònia de Sant Jordi sitzt der eine oder andere Fischer mit der Thermoskanne in der Hand, blickt hinaus zur blauen Linie am Horizont und schnippt eine Zigarette ins Meer (natürlich nicht wirklich, aber man kennt die Gesten). In diesen Häfen, zwischen Kutter und Ruderbooten, hört man jetzt von einem Plan, der die Meereslandschaft vor unserer Südspitze schützen soll: Im Nationalpark Cabrera ist vorgesehen, eine streng geschützte Meereszone ohne Fischerei einzurichten, knapp 60.000 Hektar groß.

Diese Fläche, die in den Entwürfen des neuen Nutzungsplans auftaucht, wäre nach den vorliegenden Angaben die größte Schutzzone dieser Art im westlichen Mittelmeer. Kernidee: empfindliche Lebensräume und bedrohte Arten in einem weiten Meeresareal besser vor Störungen zu bewahren. In den kleinen Häfen ringsum hört man die Zustimmung, aber auch die Fragen: Wer ist betroffen, und wer bleibt außen vor?

Wichtig zu wissen für die Bootsfischer von Mallorca: Der Bereich, der als No‑Take‑Zone vorgesehen ist, ist laut Planungen kein traditionelles Fanggebiet der balearischen Fischergemeinschaften. Vielmehr handelt es sich um ein Areal, das überwiegend von Booten aus weiter entfernten Regionen genutzt wird. Für viele Inselbewohner heißt das: Die täglichen Fanggründe vor Portocolom oder Pollença bleiben unangetastet.

Was bringt so eine große Schutzzone konkret? Aus der Sicht von Tauchern, Strandaufenthalten und der Wissenschaft sind gut geschützte Meeresbereiche Orte, an denen sich Lebensgemeinschaften erholen können: Seegraswiesen können dichter wachsen, Fische älter und größer werden, seltene Arten bekommen Ruhepunkte. Das ist kein leerer Idealismus, sondern eine langfristige Investition in die Qualität unserer Küsten: sauberes Wasser, stabilere Bestände, attraktivere Unterwasserlandschaften.

Auf dem Weg zur Entscheidung steht der neue Nutzungsplan, der noch vor Weihnachten veröffentlicht werden soll. Der Plan soll regeln, wo Boote ankern dürfen, welche Aktivitäten erlaubt sind und eben wo das Fischen verboten wird. Dass Details noch offen sind, ist normal; Behörden, Naturschutz und Nautiker müssen die Karten abgleichen, damit die Regeln in der Praxis funktionieren – nicht nur auf dem Papier.

Als Inselbewohner sehe ich das persönlich so: In den Sommern, wenn die Fähren nach Cabrera ablegen, sitzen Touristen mit Kameras und Fischer mit Netzreparatur nebeneinander. Wenn die Meereswelt gesünder ist, profitieren beide. Die Geräusche am Hafen — Motoren, Möwen, das Klirren von Leinen — sind die gleichen. Aber das Ziel, die Natur etwas mehr atmen zu lassen, verändert die Stimmung: ein bisschen mehr Respekt, weniger Gier.

Es bleibt für die Umsetzung entscheidend, wie Kontrolle und Wissenschaft zusammenarbeiten. Gute Überwachung, klare Karten für Nautiker und Information vor Ort — zum Beispiel am Hafen von Colònia — helfen, Konflikte zu vermeiden. Wer als Urlauber ein Boot chartern möchte, sollte künftig genau prüfen, welche Gebiete tabu sind. Wer beruflich auf dem Meer arbeitet, braucht verlässliche Übergangsfristen und Beteiligung an der Planung.

Für Mallorca ist das Signal aber ermutigend: Ein großflächiges, streng geschütztes Areal südlich der Insel kann die biologische Vielfalt stärken und die Küstenqualität heben. Das ist kein Selbstzweck, sondern etwas, von dem sich auch Strandbesitzer, Gastronomie und Ausflugsanbieter langfristig Vorteile erwarten dürfen. Und wer weiß — vielleicht hat die nächste Generation Einheimischer wieder mehr große Fische zu erzählen, wenn sie abends auf dem Kai sitzen.

Kurz gesagt: Die geplante No‑Take‑Zone um Cabrera ist eine Chance für die Meere vor Mallorca. Jetzt kommt es auf die Details im Nutzungsplan an, auf transparente Karten und auf gemeinsames Handeln vor Ort, damit aus einer guten Idee eine funktionierende Realität wird.

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