
Calvià führt Gebühren an kommunalen E-Ladesäulen ein: Was Autofahrende jetzt wissen müssen
Calvià führt Gebühren an kommunalen E-Ladesäulen ein: Was Autofahrende jetzt wissen müssen
Ab 2. Februar verlangt Calvià 0,25 € pro kWh an kommunalen Ladesäulen; Parkzeit vier Stunden gratis, danach 3 € pro Stunde. Ein Reality-Check: Wer profitiert, wer zahlt?
Calvià führt Gebühren an kommunalen E-Ladesäulen ein: Was Autofahrende jetzt wissen müssen
Ab 2. Februar 2026: 0,25 €/kWh, vier Stunden Gratisparken, Freischaltung über die App
In Calvià dreht sich ab Februar eine neue Schraube im Alltag der E-Auto-Fahrer. Die Gemeinde erhebt ab dem 2. Februar 2026 eine Nutzungsgebühr von 0,25 Euro pro Kilowattstunde an ihren kommunalen Ladesäulen. Parken an den Ladepunkten bleibt bis zu vier Stunden kostenlos; danach verlangt die Kommune drei Euro pro angefangener Stunde. Bezahlen und Freischalten läuft über die App MELIB 2025. Die Einnahmen sollen in Wartung und Ausbau der Infrastruktur fließen – Standorte genannt sind unter anderem Paguera, Santa Ponça und Costa d’en Blanes.
Die Fakten sind einfach. Die Hintergründe sind es nicht. Auf Mallorca, wo viele Autos mit Insel-Nummern und Mietwagen unterwegs sind, treffen kommunale Entscheidungen schnell auf touristische Realität: Morgens auf der Strandpromenade in Paguera, wenn Jogger, Hundebesitzer und Lieferautos aneinander vorbeiziehen, wird die Frage bald sein, wer die Parkplätze an den Säulen beansprucht – und für wie lange.
Klare Leitfrage: Steuert die Gebühr die Nutzung und sichert Ausbau – oder schafft sie neue Probleme für Einheimische und Besucher?
Kritische Analyse: Eine Pauschalgebühr von 0,25 €/kWh ist kein Ausreißer in Europa, liegt aber in einem Bereich, der Gelegenheitslader wie auch Pendler spürbar trifft. Vier Stunden freies Parken klingt freundlich, doch die Praxis zeigt: Wer sein Auto für Kurzstrecken zwischen Supermarkt, Strand und Tapas-Bar anschließt, blockiert Ladepunkte länger als nötig. Andererseits fehlen Details: Werden Spitzenladungen teurer? Gibt es Sonderkonditionen für Anwohner, für Gewerbe oder für langsames „Zwangs-Laden“ über Nacht? Und wie schnell sind die Säulen – 3,7 kW, 11 kW, 22 kW oder Schnelllader? Ohne diese Angaben bleibt unklar, ob 0,25 €/kWh attraktiv oder abschreckend wirkt.
Was im öffentlichen Diskurs oft fehlt: die Touristensicht und die technische Realität. Viele Urlauber kommen ohne MELIB-App an, haben Mietwagenpapiere in der Hand und erwarten eine simple Bezahlmöglichkeit. Wenn die Freischaltung nur per App klappt, brauchen die Verleiher klare Vorgaben – oder eine Alternative wie NFC/Kartenzahlung. Technisch ist wichtig zu wissen, ob die Ladesäulen öffentlich sichtbar in Landkarten und Open-Data-Portalen auftauchen und ob Ladeleistungen klar angegeben sind. Sonst entsteht Frust: Auto angeschlossen, Ladesäule belegt, und niemand weiß, ob der Akku in einer Stunde schon weiterhilft.
Alltagsszene aus Calvià: Ein Taxifahrer in Santa Ponça, der früh seine Schicht beginnt, setzt sich an die Promenade, schaltet das Auto an die Säule und merkt, dass die App sich nur auf Spanisch öffnen lässt. Ein älterer Inselbewohner in Costa d’en Blanes befürchtet, die neuen Gebühren würden die Kosten für den täglichen Einkauf erhöhen. An einem windigen Nachmittag in Magaluf steht eine wartende Schlange vor einer Schnellstation – Mallorca ist zwar Urlaub, aber kein Parkplatzparadies.
Konkrete Lösungsansätze:
- Transparente Information: Auf jeder Station deutlich sichtbare Angaben zur Ladeleistung, zu Preisen und zur maximal empfohlenen Standzeit. Mehrsprachige Infos (Spanisch, Katalanisch, Englisch, Deutsch) erleichtern Touristen das Laden.
- Flexible Tarife: Nacht- oder Bewohnerpreise, Kurzzeit-Zuschläge für Schnelllader und günstigere Tarife für langsames Laden über längere Parkzeiten. Eine markierte „Kurzlade“-Zone könnte Blockieren reduzieren.
- Mehr Zahlungsmethoden: App, NFC-Karte, Kreditkartenterminals und Partnerschaften mit Mietwagenfirmen, damit Besucher nicht erst eine App installieren müssen.
- Earmarking und Transparenz bei den Einnahmen: Öffentliche Berichte, wie viel in Wartung und neue Säulen fließt, schaffen Vertrauen. Solar-Dächer auf Parkplätzen und Batteriespeicher könnten langfristig die Betriebskosten dämpfen.
Pointiertes Fazit: Calviàs Schritt ist nachvollziehbar – Infrastruktur kostet Geld. Trotzdem wirkt die Einführung als Testlauf ohne alle notwendigen Begleitmaßnahmen. Wenn die Gemeinde nicht jetzt klare Regeln und praktikable Bezahlwege liefert, droht ein Flickenteppich aus blockierten Säulen, verärgerten Anwohnern und verwirrten Touristen. Positiv wäre: Wer gut organisiert ist, kann die Einnahmen nutzen, um tatsächlich mehr und bessere Ladepunkte dorthin zu bringen, wo morgens die Fischerboote anlegen und abends das Leben pulsiert.
Für die kommenden Wochen heißt es: Augen auf beim Parken an den Stationen in Paguera, Santa Ponça und Costa d’en Blanes – und: App installieren, bevor das Navi einen dort hinschickt.
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