
Fàbrica Nova in Sóller: Erste Sicherungsarbeiten gestartet – ein Hoffnungsschimmer für das Textil-Erbe
Fàbrica Nova in Sóller: Erste Sicherungsarbeiten gestartet – ein Hoffnungsschimmer für das Textil-Erbe
In Sóller sind die Notfallarbeiten an der alten Textilfabrik Fàbrica Nova angelaufen. Techniker stopfen Löcher, sichern Mauern – das Ringen um ein Stück Industriegeschichte hat begonnen.
Fàbrica Nova in Sóller: Erste Sicherungsarbeiten gestartet – ein Hoffnungsschimmer für das Textil-Erbe
Am späten Vormittag, wenn die Sonne die Fassaden in Sóller leicht wärmt und aus den Cafés an der Plaça die ersten Espressotassen klingen, ist an der Carrer de la Fàbrica Leben zurückgekehrt. Kein Fest, aber die entschlossene Betriebsamkeit von Baukolonnen und Technikern: sie räumen Trümmer, errichten Stützgerüste und legen provisorische Abdeckungen über offene Dächer. Die Arbeiten dienen einem klaren Zweck – das Gebäude, das lange dem Verfall preisgegeben war, soll vor dem Einsturz bewahrt werden.
Die alte Textilfabrik, die seit 2018 unter Schutz steht, war in den vergangenen Jahren stark angegriffen worden. Experten hatten zuletzt akute Gefährdungen an Decken und Tragwerken festgestellt; deshalb hat der Inselsrat jetzt mit sofortigen Sicherungsmaßnahmen begonnen. Wer morgens am Eingang vorbeigeht, sieht gezogene Absperrbänder, Maschinen, und Handwerker in Schutzhelmen. Der Klang von Schaufeln mischt sich mit dem entfernten Rauschen der Serra de Tramuntana – ein ungewohnter, aber beruhigender Sound für Anwohner, die das monumentale Backsteingebäude als Teil ihres Ortsbildes empfinden.
Die Immobilie ging im Dezember 2025 in den Besitz der öffentlichen Hand über. Das langfristige Vorhaben ist klar: die Wiederherstellung soll Platz machen für ein Museum, das sich dem Textilgewerbe Mallorcas widmet. Dafür sind im Zuge der Restaurierung und des Museumsaufbaus Mittel in Höhe von 9,2 Millionen Euro eingeplant. Diese Summe deckt nicht allein Bauarbeiten, sondern auch die museale Aufbereitung, konservatorische Maßnahmen und erste Ausstellungsplanungen.
Für Sóller bedeutet die Rettung der Fàbrica Nova mehr als ein Bauprojekt. In den Gassen der Altstadt, wo Dachrinnen klappern und Händler am Markt ihre Stände öffnen, sprechen Menschen davon, wie wichtig solche Orte für das kollektive Gedächtnis sind. Alte Arbeiterfamilien, die noch Geschichten über Webstühle und Garnspulen kennen, hoffen, dass Ausstellungstafeln und Maschinen nicht nur Touristen, sondern auch der jungen Generation zeigen, wie industrielles Leben hier aussah.
Auf kurze Sicht sind die Sicherungsarbeiten technisch: Abstützungen stabilisieren Decken, durchfeuchtete Wände werden getrocknet, lose Mauerteile entfernt. Es geht darum, Zeit zu gewinnen, damit eine umfassende Restaurierung fachgerecht vorbereitet werden kann. Gleichzeitig schaffen die Maßnahmen Raum für Planer, Denkmalpfleger und Restauratoren, um die nächsten Projektphasen zu strukturieren.
Das Vorhaben bringt auch praktische Vorzüge: Handwerker, Bau- und Restaurierungsfirmen aus der Region erhalten Aufträge, temporäre Arbeitsplätze entstehen – gerade in einer Jahreszeit, in der sonst Ruhe herrscht. Besucher, die zufällig vorbeikommen, bleiben stehen, fotografieren die Gerüste und tauschen Erinnerungen mit älteren Bewohnern aus. Solche Szenen sind alltäglich, aber wichtig; sie zeigen, dass Kulturerhalt auf Mallorca nicht abstrakt bleibt, sondern mitten im Leben passiert.
Ein Blick nach vorn: Die Sicherung ist der erste Akt einer längeren Geschichte. Nun beginnen die Planungen für die vollständige Sanierung und die Gestaltung des Museumsraums. Wenn alles nach Plan läuft, kann die Fàbrica Nova später mehr sein als ein Denkmal – ein Ort des Lernens, ein Treffpunkt für Kurse, Vorträge und Ausstellungen über Textiltechniken, lokale Arbeitsgeschichte und nachhaltige Produktionsweisen.
In Sóller klingt das positiv: Der Straßenlärm wird wieder von Bohrern begleitet, aber auch von Gesprächen über Zukunftspläne. Für die Menschen hier ist das Geräusch nicht störend, sondern tröstlich. Es bedeutet, dass ein Stück Mallorca seinen Platz in der Gegenwart zurückerobert. Das ist eine Nachricht, die man an der Plaça de la Constitució zwischen einem Bissen Ensaimada und einer Tasse Café con leche gerne weitergibt.
Warum das wichtig ist
Die Rettung historischer Industriegebäude verbindet Erinnerung mit Nutzen. Ein restauriertes Textilmuseum kann lokale Identität stärken, Bildungsangebote bringen und den Kulturtourismus beleben — ohne die Straße in eine reine Attraktion zu verwandeln. Wenn Technik, Planung und Gemeinde aufeinander abgestimmt bleiben, hat Sóller die Chance, ein lebendiges Kapitel seiner Geschichte wiederzuschreiben.
Für den Moment zählt, dass das alte Gemäuer nicht mehr alleine dem Verfall überlassen ist. Die Sicherungsarbeiten sind das erste sichtbare Zeichen: Die Fàbrica Nova bekommt Zeit und Aufmerksamkeit — und mit ihr eine echte Chance, künftig wieder Teil des Alltags auf Mallorca zu sein.
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