Chinese tourist bookings up, but Palma lacks direct flights

Mehr Gäste aus China, aber keine Direktflüge: Was Palma wirklich braucht

Mehr Gäste aus China, aber keine Direktflüge: Was Palma wirklich braucht

Die Zahl der China-Buchungen für die Balearen steigt – doch Palmas Flughafen bleibt ohne direkte Verbindung. Welche Folgen hat das für Insel, Wirtschaft und Anbieter?

Mehr Gäste aus China, aber keine Direktflüge: Was Palma wirklich braucht

Steigende Nachfrage, wackelige Anbindung – und die Frage: Wer zieht die Notbremse?

Leitfrage: Wie sehr bremst das Fehlen direkter Flüge das Potenzial der Balearen für chinesische Gäste – und welche Hebel fehlen, damit sich das ändert?

Die Zahlen sind klar: Laut dem Trendbericht von Turespaña für Herbst/Winter 2025/26 stiegen die Buchungen aus China für die Balearen gegenüber dem Vorjahr um 16,3 Prozent. Spanien insgesamt begrüßte 2024 knapp 648.000 chinesische Touristinnen und Touristen, ein Plus von 66,7 Prozent im Vergleich zu 2023. Trotzdem fehlt eine direkte Luftbrücke zwischen China und Palma: Gespräche über eine Verbindung wurden geführt, ein konkreter Plan aber aufgegeben.

Das zieht wichtige Fragen nach sich. Offenkundig buchen mehr Chinesinnen und Chinesen Mallorca auf dem Papier – in der Praxis aber landen sie über Umsteigeverbindungen in Madrid, Barcelona oder anderen Hubs. Für Reisende bedeutet das längere Reisezeiten, höhere Kosten und gelegentlich Verwirrung beim Umsteigen: Koffer, Anschlusszeiten, Stress. Für Hoteliers und Ausflugsanbieter sind solche Hürden spürbar, weil der typische Reiseverlauf kürzer und konzentrierter wird.

Kritische Analyse: Die Diskussion um mehr Gäste bleibt oft an der Oberfläche. Zahlen werden gefeiert, aber die Infrastrukturfrage – sprich Flugverbindungen – wird zu selten konkret adressiert. Warum hat sich die Direktverbindung zerschlagen? Airlines kalkulieren Risiko, Auslastung und Slot-Kosten. Palma ist beliebt, ja, doch saisonale Schwankungen und die Frage, ob eine Verbindung ganzjährig rentabel ist, bremsen Investitionsentscheidungen. Dazu kommen operative Details wie Bodenabfertigung, Zielmarkt-Marketing und Vertriebspartnerschaften mit chinesischen Reiseagenturen.

Was im öffentlichen Diskurs fehlt: Es wird kaum über langfristige Route-Entwicklung gesprochen. Stattdessen dominieren Jahreszahlen und Beifall. Es fehlt ein verbindlicher Plan zwischen Flughafen, Inselverwaltung, Hotelerie und regionalen Fluggesellschaften: Wer bietet Start-up-Anreize? Welche Zielgruppen werden konkret angesprochen – Luxusreisende, Kulturreisende, Wanderer? Und: Welche Rolle spielen Hubs wie Madrid als Brücke – sind sie Fluch oder Chance?

Eine Alltagsszene in Palma: Am Taxistand vor dem Flughafen Palma reiht sich ein Mercedes hinter dem anderen, spanische Radiomoderatoren sprechen über den nächsten Ballermann-Sommer, und ein Hotel-Portier an der Paseo Marítimo übt Englisch und einige Brocken Chinesisch, weil die Gäste kommen – nur oft nicht direkt. Auf den Märkten in Palma und an der Playa de Palma sieht man Übersetzungszettel und QR-Codes, aber selten ein durchgängiges chinesischsprachiges Serviceangebot.

Konkrete Lösungsansätze: Erstens: mehr Fördermodelle für Erstflüge. Temporäre Gebührenreduktionen für Airlines, Marketingkostenzuschüsse und eine Zusammenarbeit mit chinesischen Reiseveranstaltern könnten die Anfangszeiten absichern. Zweitens: gezielte Förderung von Charter-Verbindungen in der Nebensaison, um Nachfrageprofile zu testen. Drittens: bessere Verzahnung mit Verkehrsknotenpunkten – klarere Umsteigemöglichkeiten in Madrid/Barcelona, verlässliche Gepäcktransfers und koordinierte Anschlussangebote. Viertens: Destination-Management auf Chinesisch – mehr Mandarin-Webseiten, Buchungsprozesse, Social-Media-Kampagnen auf relevanten Plattformen und Schulungen für Hotelpersonal. Fünftens: regional abgestimmte Saisonplanung, damit Hotels, Restaurants und Ausflugsanbieter flexibler auf neue Verteilungsströme reagieren können.

Keine dieser Maßnahmen ist eine Wundermedizin. Aber kombiniert schaffen sie eine realistische Chance, dass direkte Verbindungen irgendwann wirtschaftlich tragfähig werden. Die Aufgabe ist nicht nur, mehr Reisende zu zählen, sondern sie annehmbar anzureisen und zu bedienen.

Pointiertes Fazit: Die steigenden Buchungen aus China sind ein Signal, kein Selbstläufer. Mallorca profitiert bereits von größerer Nachfrage, doch ohne eine koordinierte Strategie für Fluganbindung, Partnerschaften und kundennahe Angebote bleibt viel Potenzial auf der Strecke. Wer in Palma ankommt, soll nicht erst beim Umsteigen merken, dass die Insel doch weiter weg ist als gedacht.

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