Ok Mobility auf Mallorca: Stellenabbau, Unsicherheit, Forderung nach Transparenz

Ok Mobility streicht Stellen auf Mallorca – Wer zahlt den Preis der Neuausrichtung?

Ok Mobility streicht Stellen auf Mallorca – Wer zahlt den Preis der Neuausrichtung?

Der Mietwagenanbieter Ok Mobility plant einen Abbau von rund 60 Stellen. Auf Mallorca arbeiten etwa 270 der insgesamt 800 Beschäftigten. Was fehlt in der Debatte: klare Zahlen, Soforthilfen und Wege für betroffene Beschäftigte.

Ok Mobility streicht Stellen auf Mallorca – Wer zahlt den Preis der Neuausrichtung?

Rund 60 Jobs betroffen, die neue Saison steht vor der Tür

In Palma spricht man derzeit leise, manchmal auch laut: Am Schalter in Son Sant Joan läuft der Alltag weiter, Rollkoffer klacken über den Boden, Taxifahrer verhandeln mit Gästen – und hinter den Kulissen plant ein großer Mietwagenkonzern, Personal abzubauen. Ok Mobility, mit Zentrale auf der Insel, hat ein Verfahren zum Stellenabbau eingeleitet; nach vorliegenden Informationen sind etwa sieben Prozent der weltweiten Belegschaft betroffen, rund 60 von circa 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auf Mallorca sind ungefähr 270 Beschäftigte für das Unternehmen tätig.

Leitfrage: Wie gerechtfertigt ist der Abbau, und wer schützt Beschäftigte, wenn Unternehmen ihr Betriebsmodell kurzfristig umstellen? Das ist die entscheidende Frage für viele Familien in Palma, Cala Major oder Inca, die von solchen Entscheidungen unmittelbar betroffen sind.

Aus den vorhandenen Informationen geht hervor, dass Ok Mobility seine Ausrichtung ändern will: mehr Fokus auf touristische Ziele in Südeuropa, stärkeres Franchising in Ländern wie Deutschland, Kroatien, Griechenland und Polen sowie eine beschleunigte digitale Transformation. Auch die interne Organisation soll angepasst werden, um die Erträge wieder zu stabilisieren. Namentlich genannt wird der Unternehmensgründer und CEO Othman Ktiri als verantwortliche Führungskraft.

Kritische Analyse: Ein Personalabbau dieser Größenordnung wenige Wochen vor Saisonbeginn wirkt widersprüchlich. Die hohe Saisonalität auf Mallorca sorgt jedes Jahr für zusätzlichen Bedarf an Personal in Flughafenzonen, an Schaltern und in der Flotte. Wenn zentrale Stellen gestrichen werden, entsteht ein Vakuum: Wer übernimmt Kundenbetreuung an den Airports, Wartung der Fahrzeuge, oder das Management von Flotten während des Sommers? Die Ankündigung bleibt vage darüber, ob die Kürzungen lokal stattfinden oder verteilt werden. Das schafft Unsicherheit – bei Beschäftigten, bei Zulieferern und bei Partnern vor Ort.

Was im öffentlichen Diskurs fehlt: Konkrete Zahlen zur Verteilung der Maßnahmen, Informationen zu sozialverträglichen Lösungen und ein Plan für die Übergangsphase. Es fehlt außerdem eine Perspektive für kurzfristig Freigestellte: Welche Abfindungen gelten, welche Wiedereinstellungs- oder Vermittlungsangebote gibt es? Bei Konzernen, die gleichzeitig von digitaler Transformation sprechen, darf nicht aus dem Blick geraten werden, dass digitale Projekte Zeit brauchen und nicht automatisch die frei werdenden Arbeitsplätze kompensieren.

Eine Alltagsszene aus Palma: Am frühen Morgen sitzt eine Frau am Paseo Marítimo mit einer Thermoskanne Kaffee, blickt auf die Bucht und scrollt durch ihr Handy. Auf ihrem Bildschirm eine Nachricht: Eine Kollegin wurde informiert, ihr Vertrag laufe in wenigen Wochen aus. Solche Bilder sind hier nicht abstrakt, sie passieren in Bunyola, in Sant Jordi, auf dem Mercat de l'Olivar – Menschen, die zur Arbeit pendeln, für die ein plötzlicher Einkommensverlust existenzbedrohend ist.

Konkrete Lösungsansätze, die jetzt angepackt werden sollten:

1) Transparenzpflicht: Die Unternehmensführung muss offenlegen, wie viele Stellen in welchem Land wegfallen und welche Kriterien angewandt werden. Kurzfristige Gespräche mit Betriebsräten und lokalen Behörden sind nötig.

2) Sozialplan und Vermittlung: Auf Mallorca müssen Betriebsrat, Sozialversicherungsträger und Arbeitsvermittlungen sofort kooperieren, um Übergangsleistungen, Fortbildungen und schnelle Stellenvermittlung sicherzustellen. Besonders wichtig sind Kurse für digitale Kompetenzen und Fahrzeugflotten-Management.

3) Saisonale Überbrückung: Angesichts der beginnenden Saison könnten flexible Beschäftigungsmodelle helfen: befristete Einsätze in anderen lokalen Firmen, Zusammenarbeit mit Werkstätten und Logistikbetrieben, so dass Fachkräfte nicht unnötig verloren gehen.

4) Regionale Vernetzung: Stadt Palma, Gemeinden und Tourismusverbände sollten Gespräche mit dem Unternehmen führen, um lokale Lösungen für Service- und Wartungsaufgaben zu entwickeln – gegebenenfalls mit finanzieller Kurzfristunterstützung, bis neue Strukturen greifen.

5) Neue Geschäftsmodelle sozial gestalten: Wenn Franchising und Digitalisierung kommen, muss es Vorgaben geben, Beschäftigte vor Ort zu halten oder ihnen den Zugang zu Franchise-Partnerschaften zu erleichtern.

Pointiertes Fazit: Eine strategische Neuausrichtung ist das gute Recht eines Unternehmens. Aber wenn sie über Nacht Menschen in Unsicherheit stürzt und die Inselwirtschaft in fragilen Wochen vor der Saison schwächt, dann braucht es Regeln und Verantwortung. Mehr Details zur Verteilung der Kürzungen, verbindliche Sozialpläne und ein schneller Fahrplan für Umschulung wären jetzt das Mindeste. Die Stadtverwaltung und die Arbeitsagenturen sollten nicht nur warten, bis Klagen und Abfindungsrunden den Weg pflastern – besser wäre ein koordiniertes Angebot, das Menschen schützt und gleichzeitig erlaubt, dass ein Unternehmen sich anpasst, ohne die soziale Substanz vor Ort zu opfern.

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