
Palma startet Es Carnatge: 2,2 Mio. für erste Phase – genügt das?
Palma investiert 2,2 Millionen Euro in die erste Bauphase von Es Carnatge. Schöne Wege und weniger Licht – aber reicht das Budget für nachhaltigen Küstenschutz und langfristige Pflege?
Palma legt los – aber reicht der Plan für Es Carnatge?
Am frühen Morgen, wenn der Salzwind noch die Duftspur von Orangenblüten mit sich trägt und die Schritte der Hundebesitzer am Ufer von Portixol durch den feuchten Sand hallen, sieht man die ersten Veränderungen in Es Carnatge schon mit bloßem Auge: Techniker verlegen Kabel, vereinzelte Laternen strahlen in neuer Optik. Die Stadt hat für die erste Phase des Küstenumbaus 2,2 Millionen Euro angekündigt, insgesamt sollen 4,4 Millionen folgen. Die zentrale Frage bleibt aber: Macht das Projekt Es Carnatge nachhaltiger – oder bleibt es eine hübsche Oberfläche?
Was geplant ist und was offenbleibt
Die Maßnahmen klingen sinnvoll: Wege sollen erneuert werden, Licht soll gezielter und energiesparender werden, invasive Pflanzen zurückgedrängt und heimische Arten gepflanzt. Auf dem Papier heißt das weniger Erosion, mehr Lebensraum für Vögel und Insekten und komfortablere Spaziergänge auch nach Regen. Doch die Details sind wichtig. Welche Wege werden auf welcher Breite und mit welchem Belag angelegt? Wieviel vom Budget ist für die langfristige Pflege reserviert? Und: Wer kontrolliert, ob die neuen Setzlinge tatsächlich anwachsen – in einer Gegend, in der der Wind salzig und die Sommer trocken sind?
Was oft zu kurz kommt: Pflege, Zeit und Monitoring
Ein übliches Problem kommunaler Grünprojekte ist die Unterfinanzierung der Folgejahre. Es sieht gut aus, wenn im Frühjahr die ersten Sträucher gesetzt werden und die neuen Laternen warmes Licht werfen. Ein bis zwei Jahre später, ohne regelmäßige Pflege, können jedoch junge Pflanzen vertrocknen oder wieder von invasiven Arten überwuchert werden. Deshalb wäre es wichtig, dass Palma schon jetzt transparent benennt: Welche Mittel sind für Bewässerung, Schnittmaßnahmen und Schädlingsschutz reserviert? Ein weiterer Punkt: Monitoring. Statt nach fünf Jahren ein Statusbericht zu liefern, könnte ein einfaches, öffentlich einsehbares Monitoring helfen – Zählungen von Vogelarten, ein Pflanzbestand-Protokoll, ein Messwert zur Bodenstabilität.
Konkrete Chancen – und praktische Vorschläge
Die Mittel aus Teilen der Tourismusabgabe sind eine Chance, den Alltag an der Küste zu verbessern. Damit das Projekt nicht nur schön, sondern resilient wird, schlagen lokale Fachleute und engagierte Bürger einige pragmatische Maßnahmen vor: Nutzung regional angepasster, trockenheitsresistenter Pflanzen; Pflanzzeiten außerhalb der Brutzeit der Vögel; niedrigere Farbtemperaturen (warmweiß bis bernsteinfarben, ca. 2200–2700 K) für die Beleuchtung, damit Zugvögel und nachtaktive Insekten weniger gestört werden; und permeable Beläge auf den Wegen, die Regenwasser versickern lassen.
Ebenso wichtig: ein klarer Pflegeplan mit jährlichem Budgetposten und eine kleine Bürgerplattform, auf der Freiwillige Pflanzaktionen koordinieren können. Das verbindet die Nachbarschaft mit dem Ort – und spart langfristig städtische Mittel. Warum nicht lokale Schulen für Monitoring-Aktionen gewinnen? Kinder zählen Vögel, lernen über Ökologie und fühlen sich mit ihrem Küstenstreifen verbunden.
Lärm, Umleitungen und Alltag
Für Anwohnende bedeutet die Baustelle in den kommenden Monaten: gelegentliche Umleitungen, Bohrgeräusche am Vormittag und Schotter auf provisorischen Wegen. Das sind bekannte Begleiterscheinungen, für die die Stadt kurze, klar kommunizierte Etappen ankündigt. Ein Spaziergänger aus Portixol brachte es trocken auf den Punkt: „Hauptsache, nach Regen wird’s keine Modderstrecke mehr.“ Das Bedürfnis nach Alltagstauglichkeit ist groß – und muss bei der Planung Vorrang haben.
Mehr als eine Verschönerung: Ein Test für Palmas Zukunftsfähigkeit
Es Carnatge ist kein prominenter Badeort, sondern ein Stück städtische Küste, das Mallorquiner täglich nutzen: für den Morgenlauf, den Weg nach dem Einkaufen, das kurze Abschalten nach der Arbeit. Genau das macht das Projekt politisch und ökologisch relevant. Wenn Palma aus den 2,2 Millionen eine nachhaltige, pflegbare Lösung macht, kann Es Carnatge Modellcharakter für andere Küstenabschnitte bekommen – besonders in Zeiten steigender Wetterextreme und Küstenerosion.
Kurzfassung: Die erste Phase ist ein guter Anfang, doch entscheidend wird die langfristige Pflege, ein transparentes Monitoring und die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Nur so wird aus einem städtischen Schickeria-Projekt ein echter Gewinn für Natur und Nachbarschaft.
Tipp für Spaziergänger: Achten Sie auf die Hinweistafeln vor Ort und nutzen Sie lokale Mitmach-Angebote – die Küste wird lebendiger, wenn wir sie gemeinsam pflegen.
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