Port de Sóller: Todesfall am Strand – was fehlt bei Ersthilfe?

Port de Sóller: Familienessen endet tödlich – was fehlt an unseren Stränden?

Ein 82‑Jähriger stirbt nach einem Verschlucken beim Mittagessen an der Strandpromenade von Port de Sóller. Warum reichen schnelle Hilfe und geübte Rettungskräfte manchmal nicht – und was kann die Insel daraus lernen?

Als die Mittagspause zum Albtraum wurde

Es war ein typisches Sommerbild an der Uferpromenade von Port de Sóller: Wind, der die Olivenbäume rascheln ließ, das leise Rauschen der Wellen und Gäste, die in der Mittagshitze auf den Terrassen Schutz suchten. Gegen 13:55 Uhr verwandelte sich diese ruhige Szene in Panik. Ein 82‑jähriger Gast, der mit seiner Frau, der Enkelin und dem Schwiegersohn an einem Tisch am Wasser aß, verschluckte sich so schwer an einem Stück Fleisch, dass die Atemwege blockiert wurden.

Sofortmaßnahmen und lange Reanimationsversuche

Umstehende griffen sofort ein: Rettungsschwimmer der Küstenwache Marsave, die nur wenige Meter entfernt Dienst hatten, stürmten herbei. Angehörige versuchten die Heimlich‑Methode, doch das Fremdkörperstück ließ sich nicht lösen. Kurz darauf traf der Sanitätsdienst SAMU 061 mit Einheiten aus Sóller und Palma ein – inklusive Spezialfahrzeugen für Führung und Logistik. Lokalpolizei und Guardia Civil sicherten die Szene.

Als der Mann bewusstlos wurde, begannen professionelle Teams mit Basis- und erweiterter Wiederbelebung, setzten einen Defibrillator ein und verabreichten Sauerstoff. Erst der Einsatz eines speziellen Absauggeräts machte es möglich, das sehr große Fleischstück aus den Atemwegen zu entfernen. Trotz aller Anstrengungen starb der Mann rund drei Stunden nach dem Unglück; gegen 17:00 Uhr wurde sein Tod bestätigt.

Die Leitfrage: Hätten mehr Vorbereitung oder andere Vorkehrungen Leben retten können?

Die Fakten allein sind tragisch; wichtiger ist die Frage, ob dieses Drama vermeidbar gewesen wäre. Inzwischen sind viele Worte auf der Promenade gefallen: Lob für die schnelle Reaktion der Rettungskräfte, aber auch Nachfragen nach mehr Ausstattung in Lokalen am Strand, verpflichtenden Erste‑Hilfe‑Schulungen für Beschäftigte und sichtbaren Automatisierten externen Defibrillatoren (AEDs) in touristischen Zentren.

Aspekte, die selten besprochen werden

1) Zeitspanne bis zur definitiven Atemwegssicherung: Selbst mit schnellen Ersthelfern vor Ort ist die Zeit bei kompletter Verlegung der Atemwege kritisch. Ein Absauggerät war nötig – solche Geräte sind aber in normalen Restaurants kaum vorhanden. 2) Kommunikation in mehrsprachigen Touristenzentren: Notrufe, Anleitungen für Ersthelfer und Beschilderung müssen oft auf mehreren Sprachen klar sein, weil Schaulustige und Helfer aus unterschiedlichen Ländern kommen. 3) Psychische Nachwirkungen: Augenzeugen, Bedienungen und die Familie tragen den Schock lange mit sich. Es fehlt häufig ein Konzept für Betreuung und Nachsorge.

Praktische und realistische Vorschläge für Mallorca

- Pflichtangebote und finanzielle Anreize: Gemeinde und Inselregierung könnten verpflichtende Basis‑Erste‑Hilfe‑Kurse für Mitarbeiter in Gastronomie und Strandbetrieben prüfen oder finanzielle Zuschüsse für freiwillige Teilnahme anbieten. Ein kurzer, jedes Jahr wiederholter Auffrischungskurs würde enorme Vorteile bringen.

- AED‑Netz und Absauggeräte an zentralen Orten: Öffentliche Defibrillatoren sind zunehmend üblich, Absauggeräte noch nicht. Vor allem an stark frequentierten Strandabschnitten und großen Terrassen könnten solche Geräte Leben retten. Gemeinden könnten ein Förderprogramm auflegen, das kleine Betriebe unterstützt.

- Sichtbare Nothinformationspunkte: Klare, mehrsprachige Hinweise, was im Notfall zu tun ist, wo die Rettungsschwimmer stationiert sind und wie man als Ersthelfer handeln kann. Das reduziert Zeitverlust und vermeidet Chaos.

- Regelmäßige Übungen: Kleine, realistische Notfallübungen mit Restaurants, Rettungsschwimmern und Polizei schaffen Routine und verbessern die Zusammenarbeit – und kosten weniger als man denkt.

Was die Menschen in Port de Sóller jetzt beschäftigt

Am Abend saßen die Leute weiterhin auf den Bänken der Promenade, manche mit dem Blick aufs Meer, andere flüsterten. Ein Kellner in einem Café nebenan sagte, er habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt – die Geräusche der Rettung, das piependen der Geräte, das Flüstern von Gebeten. Für die Familie ist es ein unersetzlicher Verlust; Behörden sprechen von einem tragischen Unglücksfall ohne Verdacht auf Fremdverschulden.

Fazit: Die schnelle und professionelle Reaktion der Rettungskräfte verhinderte vielleicht Schlimmeres – aber dieser Fall zeigt auch die Grenzen: fehlende Ausstattung in gastronomischen Betrieben, die Notwendigkeit regelmäßiger Schulungen und besserer Vernetzung vor Ort. Es sind kleine, konkrete Schritte nötig, damit ein solcher Nachmittag für andere nicht zum Albtraum wird. Lokale Hilfsorganisationen bieten Kurse an – ein Auffrischungskurs kann genauso Leben retten wie ein beherzter Griff im entscheidenden Moment.

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