Puigpunyent will Immobilienpreise deckeln – reicht das gegen Wohnungsnot?

Wohnungsnot auf dem Prüfstand: Kann Puigpunyent die Preisspirale brechen?

Puigpunyent will als erste Gemeinde Mallorcas einen „angespannten Wohnimmobilienmarkt“ erklären — ein Versuch, Preisdruck zu bremsen, der an der politischen Realität auf Landesebene scheitern könnte. Eine Bestandsaufnahme mit konkreten Vorschlägen.

Wohnungsnot auf dem Prüfstand: Kann Puigpunyent die Preisspirale brechen?

Wohnungsnot auf dem Prüfstand: Kann Puigpunyent die Preisspirale brechen?

Leitfrage: Reicht kommunaler Mut allein, wenn die Landespolitik bremst?

Auf dem kleinen Dorfplatz von Puigpunyent, wo die Kirchturmuhr mittags schlägt und Olivenbäume den Wind dämpfen, sitzen Rentner mit Zeitung und Teenager mit Kopfhörern. Beides könnte bald seltener werden. Die Gemeinde im Westen der Insel hat jetzt formal den Weg eingeschlagen, als «angespannter Wohnimmobilienmarkt» erklärt zu werden – ein Werkzeug aus dem neuen Wohnungsgesetz von Madrid, mit dem Gemeinden Maßnahmen gegen steigende Kauf- und Mietpreise ergreifen können.

Die Idee ist simpel: Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, sollen lokale Regeln Preissteigerungen abfedern. In Puigpunyent ist der öffentliche Wohnungsbestand winzig – laut Antrag nur sechs Sozialwohnungen für 16 Menschen – und die Verzweiflung spürbar: Junge Familien finden keine bezahlbare Wohnung, und wer an einer Anzahlung arbeitet, verliert im Dorf schnell den Anschluss. Gleichzeitig parken am Wochenende in der Nähe ausgestellte Luxusautos; die Kluft ist sichtbar.

Kritische Analyse: Kommunaler Schritt, nationale Realität. Auf dem Papier erlaubt das Gesetz Gemeinden, Marktzonen zu definieren und etwa Miet- oder Kaufpreisbremse anzuwenden. In der Praxis hängt all das von der Genehmigung durch die balearische Landesregierung ab. Die konservative Führung in Palma hat bereits Skepsis gezeigt. Ohne dieses „Go“ bleibt Puigpunyents Antrag ein guter Wille, aber ohne Zähne.

Ökonomisch ist ein simpler Preisdeckel kein Allheilmittel. Preise drücken sich nicht nur in Euro pro Quadratmeter aus; sie spiegeln Knappheit an Baugrund, Urlaubervermarktung, steuerliche Rahmenbedingungen und Infrastrukturmängel. Ein Deckel, der isoliert gesetzt wird, kann Investoren abschrecken, Sanierungen blockieren oder zu Black‑Market-Mechanismen führen. Das darf nicht passieren.

Was in der öffentlichen Diskussion oft fehlt: die Frage nach regionaler Koordination. Viele Gemeinden leiden, nicht nur einzelne Dörfer. Wenn jede Kommune eigene Regeln ohne Abstimmung erlässt, entsteht ein Flickenteppich, der kaum planbar ist. Stattdessen bräuchte es abgestimmte Zonen, klare Kriterien für Eingriffe und verbindliche Finanzierungswege für sozialen Wohnungsbau.

Alltagsszene: Am Café an der Hauptstraße hört man, wie eine Kellnerin davon erzählt, dass ihre Tochter nach Palma gezogen ist, weil die Mieten im Dorf «unbezahlbar» wurden. Neben ihr ein britischer Zweitwohnungsbesitzer, der für Ruhe und Blick hergekommen ist. Diese Nebeneinander‑Realität macht deutlich, worum es geht: Wohnraum ist Lebensraum, nicht nur Kapitalanlage.

Konkrete Lösungsansätze, die Puigpunyent mit Nachdruck verfolgen sollte:

1) Kommunaler Wohnungsfonds: Die Gemeinde könnte Rücklagen bilden oder gemeinsame Fonds mit Nachbargemeinden schaffen, um gezielt Objekte aufzukaufen und als bezahlbaren Bestand zu verwalten.

2) Bindungsregelungen für Neubauten: Bei Genehmigungen kann die Kommune verbindliche Anteile für dauerhaft lokale Nutzung festschreiben statt kurzfristiger Ferienvermietung zu erlauben.

3) Leerstandsabgaben und Umwandlungsverbote: Leerstehende Wohnungen steuerlich stärker belasten und Umwandlung von Wohn- in Ferienobjekte erschweren.

4) Förderung gemeinschaftlicher Wohnmodelle: Genossenschaften, Mietkauf und Co‑Housing könnten mit Beratungsangeboten und Startförderungen unterstützt werden.

5) Regionale Abstimmung: Puigpunyent sollte mit anderen Gemeinden und der Inselregierung eine gemeinsame Karte «angespannter Zonen» erarbeiten, damit Maßnahmen planbar und wirksam werden.

Politisch ist klar: Ohne die Zustimmung der Landesregierung bleiben viele Hebel unbenutzbar. Das macht den lokalen Vorstoß aber nicht unnötig. Ein Antrag erzeugt Druck und schafft Rechtfertigungsgründe, Fördermittel zu beantragen oder über Ausnahmen von Bebauungsregeln zu verhandeln. Kommunaler Mut kann Fenster öffnen, aber nicht alle Türen alleine aufstoßen.

Was fehlt deutlich in der Debatte ist eine realistische Perspektive für jene, die hier täglich leben: berufstätige Haushalte, junge Familien, Handwerker. Maßnahmen, die nur auf Zahlen in Gutachten reagieren, erreichen diese Menschen nicht automatisch. Echte Zugänge zu Baugrund, Kreditberatung für Einheimische und eine Reform der Besteuerung von Zweitwohnsitzen wären wichtige Ergänzungen.

Fazit: Puigpunyent macht einen notwendigen, mutigen Schritt. Ob er wirkt, hängt an zwei Dingen: erstens an klugen, vernetzten Maßnahmen statt kurzfristiger Preislimits, zweitens an der Bereitschaft der Landesregierung, lokale Initiativen zu ermöglichen. Wenn in den Bars des Dorfes weiter Leute über hohe Preise klagen, braucht es mehr als Symbolpolitik. Eine praktikable Lösung verlangt Mut zur Kooperation – auf Gemeinde-, Insel- und Landesebene.

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