ROKA ersetzt Pachá: Robatayaki am Paseo Marítimo sorgt für Debatte

Von Disco zu Robata: ROKA verändert den Paseo Marítimo – Chance oder Abschied vom Nachtleben?

Aus dem ehemaligen Pachá wird ein ROKA-Restaurant mit Robatayaki-Grill. Auf dem Paseo Marítimo verändert sich die Kosmetik des Abends – mit Chancen für Jobs und Tagesgäste, aber auch Fragen zur Zukunft der Nachtskultur.

Von Disco zu Robata: ROKA zieht ins ehemalige Pachá am Paseo Marítimo

Am frühen Morgen liegt noch der Duft von Espresso über der Avinguda Gabriel Roca, gemischt mit dem typischen Geruch von Diesel und Baustelle. Kein Bass mehr, kein Neonlicht – dafür Bauzäune, Gerüste und ein Schild mit Planzeichnungen: Aus dem alten Pachá wird ein ROKA-Restaurant. Die offene Robatayaki-Küche, Holzkohle und ein Menü mit schwarzem Kabeljau, Wagyu-Sushi und gegrillten Auberginen ersetzen die Clubnächte an der Promenade.

Die Leitfrage: Verliert Palma ein Stück Nachtkultur – oder gewinnt die Stadt an Gastronomiequalität?

Die Nachricht ist mehr als ein Standortwechsel. Sie stellt eine einfache, aber wichtige Frage: Was bleibt von der nächtlichen Uferpromenade, wenn Discotheken schrittweise Platz machen für hochpreisige Gastronomie? Vieles spricht für ROKA: Ganzjahresbetrieb, qualifizierte Jobs, eine neue Zielgruppe für die Innenstadt. Andererseits verschwindet ein Ort, an dem Generationen von Feiernden Polaroids gemacht und Vinyl spürbar den Takt der Nacht vorgegeben haben.

Die Debatte bleibt selten nüchtern. Anwohner atmen auf, weil die Basswellen um drei Uhr früh bald ausbleiben könnten. Taxifahrer begrüßen eine stabilere Abendwirtschaft. Junge Menschen, die den Club als sozialen Treffpunkt nutzten, sehen ein Stück von ihrer Nachtkultur schwinden. Fakt ist: Die Promenade verändert sich – und diese Veränderung fordert Entscheidungen, nicht nur bei Investoren, sondern auch bei Stadt, Nachbarschaft und Gastronomie.

Was vor Ort passiert und was selten besprochen wird

Auf der Baustelle wird kräftig gearbeitet. Handwerker stemmen Wände um, Architekten planen offene Grillplätze — und ein lokaler Küchenchef, Blai Miquel Vallbona, bringt Erfahrung aus London mit. Das klingt nach kulinarischem Gewinn. Weniger sichtbar sind die Details, die hier oft untergehen: Wie wird mit Rauch und Gerüchen aus der Holzkohle umgegangen? Welche CO2- und Feinstaub-Emissionen kommen auf die Promenade zu? Werden die Baumaterialien und die Holzkohle nachhaltig beschafft?

Solche Umweltfragen werden in der öffentlichen Diskussion oft vernachlässigt. Ein Robata-Grill auf einer prominenten Uferlage kann Design und Atmosphäre bringen, aber auch neue Belastungen – wenn Planung und Genehmigungen nicht sorgfältig verlaufen. Außerdem: Öffnet ROKA seine Türen primär für Touristen und Abendgäste, oder schafft das Konzept auch tagsüber eine Anlaufstelle für Mallorquinerinnen und Mallorquiner?

Die Chance: Ausbildung, Ganzjahresjobs und eine diversere Promenade

Besonders bemerkenswert ist die geplante Kooperation mit einer lokalen Stiftung. Jugendliche aus der Einrichtung sollen Ausbildungschancen im neuen Restaurant erhalten. Das ist kein Lippenbekenntnis, sondern eine konkrete Chance für den Arbeitsmarkt der Insel. Saisonale Schwankungen plagen Palma seit Jahren; Restaurants, die stabilere Beschäftigung bieten, sind ein Gewinn.

Ebenso wichtig: ROKA könnte den Paseo Marítimo tagsüber beleben. Ein qualitativ hochwertiger Lunch zieht andere Besuchergruppen an, verlängert Geschäftszeiten und schafft Nachfrage für Lieferanten. Lokale Produzenten könnten profitieren, wenn das Haus auf regionales Gemüse, Fisch und nachhaltige Lieferketten setzt. Küchenkonzepte in der Gegend zeigen, wie wichtig das ist.

Konkrete Vorschläge, damit die Umwandlung ein Gewinn für alle wird

Die Stadt und der Betreiber stehen vor der Aufgabe, Interessen auszugleichen. Einige pragmatische Vorschläge, die bereits an unterschiedlichen Orten funktioniert haben:

1. Lärm- und Nutzungsmanagement: Klare Regeln für Öffnungszeiten, Lautstärke und Anlieferungszeiten können das Nachtleben respektieren und trotzdem neue Gastronomie ermöglichen. Flexible Nutzungskonzepte (z. B. Dinner‑Service statt Clubnächten) reduzieren Konflikte mit Anwohnern.

2. Umweltauflagen für Grilltechnik: Moderne Abzugssysteme, emissionsarme Holzkohle oder alternative Grills können Rauchbelastung minimieren. Ein Nachweis nachhaltiger Brennstoffe sollte Teil der Baugenehmigung sein.

3. Lokale Beschäftigung und Ausbildung: Die Kooperation mit der Stiftung ist ein guter Start. Ein verbindlicher Ausbildungsplan, Praktika und Übergangsmechanismen in feste Stellen sichern langfristigen Nutzen für die Inseljugend.

4. Beteiligung der Nachbarschaft: Informationsveranstaltungen, regelmäßige Baustellen-Updates und ein offenes Ohr für Beschwerden schaffen Vertrauen. Erinnerungen an das Pachá könnten auf kreative Weise erhalten werden — etwa in einer kleinen Ausstellung oder Fotowand im Restaurant.

Blick nach vorne

Es wird Monate dauern, bis der letzte Ziegel sitzt. Bis dahin bleibt Zeit, die Umwandlung sorgfältig zu begleiten. Palma kann beides: lebendige Nächte und hochwertige Gastronomie. Entscheidend ist, wie man die Balance hält. Wenn ROKA nicht nur Luxus, sondern auch lokal-gesellschaftliche Verantwortung mitbringt, könnte die Umwandlung ein Modellfall für eine sinnvolle Stadterneuerung sein. Mehr Informationen gibt es unter Konzession am Paseo Marítimo.

Ich werde in ein paar Wochen wieder vorbeigehen, mit dem üblichen Kaffee in der Hand, wenn die Meeresbrise die Baustelle kühlt. Dann wird sich zeigen, ob die Grillglut dem Promenadenleben guttun wird — oder ob noch ein Stück Nachtkultur vermisst wird.

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