Römisches Wrack vor Can Pastilla wird gehoben – Amphorenfund bei Platja de Palma

Aus dem Sand an die Oberfläche: Römisches Handelsschiff vor Can Pastilla wird geborgen

Aus dem Sand an die Oberfläche: Römisches Handelsschiff vor Can Pastilla wird geborgen

Ein etwa 1.700 Jahre altes Handelsschiff mit rund 300 Amphoren wurde 2019 vor Can Pastilla freigelegt. Ab dem 9. März beginnt die mehrmonatige Bergung – ein Moment für Mallorcas Kultur und Forschung.

Aus dem Sand an die Oberfläche: Römisches Handelsschiff vor Can Pastilla wird geborgen

Amphoren, ein Ritualmünzchen und ein Stück Alltag aus dem 4. Jahrhundert – dicht bei der Platja de Palma

Wer in diesen Tagen den Passeig entlang schlendert, hört die Möwen über den Sonnenschirmen kreischen, riecht Kaffee aus den Cafés an der Playa und sieht Fischerboote im schimmernden Wasser schaukeln. Nur ein paar hundert Schritte weiter, kaum zwei Handbreit über dem Meeresboden, begann vor vielen Jahrhunderten eine andere Geschichte: Ein römisches Handelsschiff lag dort, verborgen unter Sand, bis ein Sturm 2019 seine Last zum Vorschein brachte.

Die Fundstelle, als Pecio de Ses Fontanelles bekannt, liegt sehr nah an der Küste von Can Pastilla – grob 65 Meter von der Strandlinie entfernt. Archäologische Teams fanden ein ungewöhnlich gut erhaltenes Wrack aus der Zeit, die durch Herrscher wie Konstantin und Licinius I. datiert werden kann. An Bord: rund 300 Amphoren, viele noch verschlossen, mit bemalten Inschriften, die helfen, Herkunft und Waren nachzuzeichnen. Außerdem tauchten ungewöhnliche Alltagsgegenstände auf: zwei Schuhe, ein Bogenbohrer – bislang der erste dieser Art, der in Spanien geborgen wurde – und eine Münze, die vermutlich als kleines Ritual vor dem Stapellauf niedergelegt worden war.

Ab dem 9. März beginnt die geplante Bergung. Die Arbeit vor der Küste wird mehrere Monate dauern; die Teams rechnen mit etwa vier Monaten, abhängig vom Wetter und den maritimen Bedingungen. Anders als bei einigen spektakulären Hebungen bleibt das Wrack nicht als Ganzes erhalten: Das Schiff hat keinen intakten Kiel mehr, darum werden die Hölzer vorsichtig segmentiert und in Teilen an die Oberfläche gebracht. Unter Wasser arbeiten Archäologen, Taucher und Historiker Hand in Hand, an Land gibt es ein temporäres Feldlager für Konservierungs- und Dokumentationsaufgaben.

Ein Zusammenschluss verschiedener Forschungseinrichtungen begleitet das Projekt: die Universität der Balearen, die Universität von Cádiz und die Universität von Barcelona sowie das Nationale Museum für Unterwasserarchäologie sind beteiligt. Der Inselrat hat im Vorfeld Behörden, Verbände und Nachbarschaftsgruppen informiert, damit die Anrainer wissen, was am Meer stattfindet und sinnvolle Beobachtungsbereiche eingehalten werden können.

Was mit dem geborgenen Material passiert, ist bereits vorbereitet: Die Hölzer und Fundstücke werden in ein speziell eingerichtetes Entsalzungsbecken im Castillo de San Carlos überführt. Dort beginnt ein mehrmonatiger Prozess, in dem Salz aus dem Holz gezogen und das Material stabilisiert wird. Erst danach sind Ausstellungspläne realistisch – Besucherinnen und Besucher sollen dann das Ergebnis der Arbeit sehen können.

Für den Alltag an der Platja de Palma bedeutet das Projekt etwas Greifbares: Die Menschen hier können live miterleben, wie Archäologie funktioniert. Vor der Küste sind Schilder mit QR-Codes geplant, die zu Film- und Informationsmaterial führen. Kinder aus Schulen an der Küste werden das Wrack zur Anschauung bekommen können; Tauchschulen und Fachleute werden eng eingebunden, damit der Zugang kontrolliert und der Schutz der Fundstelle gewährleistet bleibt.

Solch ein Schatz macht die Insel nicht nur historisch reicher. Für Mallorca kann das Vorhaben neue Impulse in der Forschung bringen und Besucher in ruhigeren Monaten anziehen. Wer heute an der Strandpromenade sitzt, kann sich vorstellen, wie Händler vor 1.700 Jahren hier ihre Waren verluden – eine kleine Brücke zwischen dem Stimmengewirr am Meer und den leisen, geduldigen Arbeiten der Konservatoren.

Vielleicht ist die größte Aussicht dieses Projekts nicht nur das Ausstellen eines Wracks: Sondern die Möglichkeit, das Publikum näher an Archäologie heranzuführen, Schulen zu gewinnen und der Insel eine Geschichte zu geben, die man anfassen, sehen und lernen kann. Für Leute, die gerne am Wasser sitzen und dem Treiben zuschauen, wird die nächste Zeit deshalb besonders spannend.

Ausblick: Ab Mitte bis Ende des Bergungszeitraums wird es Gelegenheit geben, die konservierten Objekte im Castillo de San Carlos zu besichtigen. Wer lieber das lebendige Geschehen am Strand beobachtet, findet ab dem 9. März vor Can Pastilla ein ruhiges, gut organisiertes Feldlager – und die Chance, ein Stück römischen Alltag aus dem Meer ans Licht zu sehen.

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