Porto Cristo im Winter: Ruhige Promenaden, lokale Läden und ein anderer Blick auf Mallorca

Rundgang im Winter: Porto Cristo — ein Dorf, das man fast für sich hat

Im Dezember zeigt Porto Cristo eine leise, fast vertrauliche Seite: Promenaden ohne Gedränge, ein Souvenirgeschäft aus 1945, Sirenenkunst von Pere Pujol und eine Schweizer Residentin, die das Dorf in ruhigen Momenten erklärt.

Rundgang im Winter: Porto Cristo — ein Dorf, das man fast für sich hat

Rundgang im Winter: Porto Cristo — ein Dorf, das man fast für sich hat

Warum ein Spaziergang in der Nebensaison mehr als nur ein Wettervorteil ist

Der Dezemberwind am Hafen riecht nach Seegras und einem Hauch von Grillrauch, aber nicht nach Menschenmengen. Wer jetzt durch Porto Cristo schlendert, hört das Wasser des kleinen Riuvet, das leise gegen die Steinkante plätschert, und das Knarren vereinzelter Boote. Es ist ein langsames Dorf, das viel von seiner Ruhe bewahrt hat — und genau das macht den Reiz in der kalten Jahreszeit aus.

Die Führung an diesem milden Wintertag übernahm Anna Hermann, eine Schweizer Residentin, die in Porto Cristo eine Agentur betreibt. Sie ist 64 Jahre alt und hat im Juni gemeinsam mit Sol Marban das Büro "Mallorca Living & More" eröffnet. Wer dort hereingeht, findet nicht nur Immobilien, sondern auch wechselnde Ausstellungen lokaler Künstler — ein Raum, der den Alltag des Ortes auf eine freundliche Art widerspiegelt.

Nur ein paar Schritte vom Riuvet entfernt steht das Souvenir-Geschäft Ca'n Llabrés. Seit 1945 eine feste Adresse, empfängt das Ladenlokal mit einer Mischung aus vertrauten Alltagsgegenständen: Geldbörsen, kleine Andenken, Regenschirme und, ja, Schneekugeln — als stumme Erinnerung daran, dass Mallorca für manche auch ein Sehnsuchtsort für kalte Winter ist. An diesem Nachmittag werden im Laden vor allem Weihnachtsgeschenke von Einheimischen gekauft; der Besitzer kennt seine Stammkundschaft und die Geschichten hinter den Gegenständen.

Die Sirenen-Promenade, die am Ortsstrand entlangführt, trägt ihren Namen nicht zufällig: Auf einem Sockel steht eine Figur von Pere Pujol aus Artà, geschaffen 1988. An Wochentagen im Winter ist die Promenade freier, am Donnerstag und Sonntag allerdings beleben Marktstände das Pflaster. Im Sommer verwandelt sich der Paseo zu einem Ort mit Musik und Feiern; im Dezember aber ist er bevorzugt Treffpunkt der Einheimischen, die hier Ruhe suchen.

Ein Szenenbild, das hängen bleibt: Zwischen den ersten Morgenstunden und dem späten Vormittag treffen sich regelmäßig eine Gruppe älterer Frauen zum Wassergymnastik-Training. Sie lachen, rufen einander zu und üben Runden im seichten Wasser — sogar bei kühleren Temperaturen. Solche Rituale geben dem Strand seine heimische Identität, weit entfernt vom lauten Tourismusbetrieb.

Vom Strand aus lässt sich die moderne Villa von Rafael Nadal erkennen, eingebettet in eine Grüninsel privater Grundstücke. Entworfen vom Architekten Tomeu Esteva und über Jahre gebaut, dominiert das Anwesen die Aussicht über die Bucht, ohne jedoch die Beschaulichkeit der Uferlinie zu zerstören. Die oft elegante Zurückhaltung der Villen hier steht in einem Kontrast zu den bunten Fassaden der kleinen Ateliers, die in der sogenannten "Künstlergasse" aufgereiht sind.

Die Kirche Mare de Déu del Carme mit ihrem einzigen Schiff und den seitlichen Kapellen wirkt im Winter noch besinnlicher. Der Bau, dessen Ursprünge bis in die Jahre um 1890 zurückreichen, erzählt von den Anfängen des Ortes: Eine Siedlung, die sich Ende des 19. Jahrhunderts formte und im 20. Jahrhundert langsam Gäste empfang.

Was Porto Cristo an kalten Tagen besonders liebenswert macht, ist die Balance: Handwerk und kleine Geschäfte wie Ca'n Llabrés, lokale Treffpunkte am Paseo, ein Markt, der zweimal pro Woche frische Produkte und Kunsthandwerk bringt, und Ateliers, die Farbe in die ruhigen Gassen bringen. Besucher, die im Winter kommen, erleben das Dorf nicht als Reiseziel, sondern fast als Nachbarschaft.

Mein Tipp für einen Winterspaziergang: Früh aufstehen, den Riuvet entlanggehen, im Büro von "Mallorca Living & More" die aktuelle Ausstellung anschauen, eine Runde über die Sirenen-Promenade drehen und zum Abschluss einen Kaffee in einem kleinen Café nehmen, während Möwen über die Bucht segeln. Wer so durch Porto Cristo geht, hilft den Läden und Initiativen, die das Dorfbild prägen — und erlebt Mallorca von einer Seite, die außerhalb der Saison oft unsichtbar bleibt.

Es ist eine Einladung: Nicht nur im Sommer vorbeizuschauen, sondern die Insel im Stillen zu entdecken. Porto Cristo zeigt, dass Orte reicher wirken, wenn man sie in Ruhe beobachtet. Und manchmal reicht ein einzelner Spaziergang im Dezember, um das Gefühl zu haben, ein kleines Mallorca für sich entdeckt zu haben.

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