Sant Antoni on Mallorca: Fire, Devils and Neighbourhood Rituals

Feuer, Musik und Nachbarschaft: Sant Antoni lebt in Mallorcas Dörfern

Feuer, Musik und Nachbarschaft: Sant Antoni lebt in Mallorcas Dörfern

Wenn die Teufel in Sa Pobla und Manacor losziehen, riecht die Insel nach Rauch und gegrilltem Fleisch. Sant Antoni ist mehr als Lärm und Funken: Ein Abend, an dem Nachbarn wieder zusammenrücken.

Feuer, Musik und Nachbarschaft: Sant Antoni lebt in Mallorcas Dörfern

Die schönsten Szenen aus Sa Pobla, Manacor, Pollença und Capdepera

Heute Abend leuchten kleine Ortschaften über Mallorca wie Knotenpunkte alter Gemeinschaften. Auf der Plaza Mayor in Sa Pobla füllen sich die Stufen, Menschen drücken sich die Hände, Kinder klettern auf die niedrigen Mauern — ab 21:15 Uhr beginnen dort die Teufel ihren Tanz. Die Luft ist eine Mischung aus Rauch, Holzkohle und dem Duft von gegrilltem Fleisch; irgendwo klirren Glasflaschen, weiter hinten zupft jemand an einer Gitarre eine vertraute Melodie.

In Manacor startet das Spektakel früher: Ab 19:00 Uhr rollen geschmückte Wagen mit Teufelsgestalten durch die Straßen, dann wird vor der Kirche das erste Lagerfeuer entzündet. Das Programm wurde kurzfristig angepasst, nachdem gestern früh ein Dacheinsturz einen 18-Jährigen das Leben kostete. Die Atmosphäre dort ist gedrückter; trotzdem versammeln sich viele Menschen, um gemeinsam an die Tradition zu erinnern und den Familien nahe zu sein.

Auch in Pollença brennen heute zahlreiche "foguerons" — kleine Nachbarschaftsfeuer, an denen man ins Gespräch kommt. Auf den Plätzen sitzen Alte mit Jacken gegen die abendliche Kälte, Jüngere bringen Holz und Brot. Capdepera wiederum füllt die Gassen mit lärmenden Figuren: Teufel und Dämonen ziehen durch die Straßen, manche Haushalte hängen Lichterketten auf, andere stellen Tische mit Hot Dogs und Sobrasada bereit.

Wer einmal an Sant Antoni teilgenommen hat, kennt die kleinen Rituale: das gegenseitige Anzünden von Holzstapeln, das Vorbeirascheln von Funken an einer Lederjacke, das kollektive Lachen nach einem überraschenden Knall. Es sind keine perfekt inszenierten Shows, sondern lebendige, leicht ungestüme Abende, in denen Nachbarn zusammenrücken — sei es um das Feuer herum, beim gemeinsamen Grillen oder beim Wegsperren der letzten Hühner vor den Flammen.

Die Feste tun der Insel gut. Sie sind ein Stück gelebter Zusammenhalt und ein Fenster in die jahrhundertealten Bräuche der Dörfer. Junge Leute, die sonst in Palma oder im Tourismus arbeiten, kommen zurück, bringen Geschichten aus dem Jahr mit und helfen, Holz aufzuschichten. Lokale Bars merken das: Ein voller Tresen, eine zusätzliche Schicht für die Köche, ein paar Extra-Reservierungen. Kein Touristentrommelfeuer, sondern die vertraute Betriebsamkeit, die eine Gemeinde warmhält.

Für Besucher: Abstand halten, wenn die Teufel mit Feuerwerk arbeiten; auf Kinder achten; feste Schuhe anziehen (in den Gassen fliegen Funken). Ein warmes Jäckchen ist abends ratsam — Mallorcas Januarnächte können scharf sein. Wer etwas Gutes tun will, kauft eine Portion Grillgut bei einem der Stände oder ein Getränk in der Dorfbar. Das bleibt, wo es gebraucht wird.

Abschließend ein kleiner Anblick aus dem Alltag: Auf dem Rückweg von Sa Pobla nach Campanet blinkt noch das letzte Feuer auf einer Dorfkuppe, der Duft von Zigarren mischt sich mit Orangenblüten. Jemand pfeift eine Melodie, die man aus der Kindheit kennt. Es sind solche Bilder, die bleiben — kein großes Monument, aber ein Gefühl von Vertrautheit.

Sant Antoni ist kein Museum, es ist ein Abend, der die Insel näher zusammenrückt. Die Flammen zeigen nicht nur, wie man Feuer beherrscht, sondern auch, wie man gemeinsam feiert, trauert und weitermacht. Und das, mitten im Januar, ist eine schöne Sache für Mallorca.

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