
Vom schlechten Anmachspruch zum gemeinsamen Leben: Eine Liebe aus Cala Rajada
Ein lauter Abend in einer Strandbar, ein ungeschickter Spruch — und nach Jahren von Pendeln, Hochzeit und Krankheit steht ein Paar wieder zusammen. Eine Mallorca-Geschichte über Zufälle und Durchhaltevermögen.
Wie ein dummer Spruch zur ganzen Lebensgeschichte wurde
Der Abend war typisch Mallorquin: Cicadas im Hintergrund, das Rauschen der Wellen, Sangría in kleinen Plastikbechern, Gelächter, das bis zur Mole trug. In einer Strandbar von Cala Rajada trafen sich zwei Menschen, die nichts suchten außer ein paar Tage Sonne und Meer. Kein romantisches Drehbuch, eher ein lauter, leicht peinlicher Moment — und doch der Anfang von etwas Größerem.
Ein Spruch, ein Tanz und ein Foto vom Morgen
„Du gehörst wohl schon zum älteren Semester“, prustete er, zu viel Selbstvertrauen, zu wenig Feingefühl. Kurz peinlich. Kurz ein Schmunzeln. Danach tanzten sie, redeten und gingen am nächsten Morgen den Hafen entlang, während Fischer ihre Netze flickten und Möwen über dem Wasser kreisten. Er war 35, sie 40 — ein Unterschied, den sie zuerst innerlich abwägten, dann aber schlicht ignorierten.
Am Ende des Urlaubs schickte sie ihm ein Foto vom Sonnenaufgang über dem Meer. Er antwortete. Er fuhr von Bergkamen 500 Kilometer nach Berlin, um sie wiederzusehen. Spaghetti mit Lachs-Sahne als Abendessen folgten — eine ungewöhnliche, fast liebevolle Wahl, die später zur kleinen Anekdote der Beziehung wurde. Aus Wochenend-Pendelns wurden gemeinschaftliche Wochen, und 2008 zog sie zu ihm.
Zwischen Palma, Cala Rajada und Alltag
Die Flitterwochen führten zurück nach Palma. Sie spürten die Stadt mit ihren engen Gassen, den Duft von gebratenem Fisch und die Glocken, die zur Mittagszeit läuten. Cala Rajada blieb ihr Anker: eine kleine Wohnung bei einer einheimischen Familie, der Hafen, an dem der Wind anders roch als in der Großstadt, und die kleinen Rituale, die aus Urlaub Zuhause machten.
Alltagschapters sammelten sich: Er lernte Snowboarden, sie probierte Golf. Sie bauten ein Leben aus Kompromissen und Neugier, nicht aus Perfektion. 2013 kam der Heiratsantrag — Rosen, Champagner, ein verschneites Hotelzimmer weit weg von der mallorquinischen Sonne. 2014 die Hochzeit, und das Gefühl, dass diese Geschichte trotz holprigem Start irgendwie richtig war.
Die schwere Strecke: Krankheit, Nähe, Mut
2024 traf eine Diagnose sie unerwartet: Brustkrebs. 15 Chemotherapien folgten. Bei 14 saß er an ihrer Seite. „Er hat mich gehalten, als ich nicht mehr konnte“, sagt sie heute leise und richtet das Kopftuch, das ihr nun oft den Kopf wärmt. Es ist eine einfache Aussage — und doch alles.
Es gab Reha, Unsicherheiten und eine kurze Trennung, die zeigte, wie brüchig manches werden kann, bevor es wieder stabil wird. Am Ende blieb die Gewissheit: Gemeinsamkeit ist Arbeit und Zuflucht zugleich. Sie hat die Krankheit überwunden. Er sagt, es war die beste Entscheidung seines Lebens, den vermeintlich schlechten Anmachspruch zu wagen.Die Geschichte ist kein romantisches Märchen. Sie ist lauter und ehrlicher: Abende, an denen Plastikbecher klirren; Morgengrauen am Hafen; der Geruch von Meer und Frittura auf der Promenade; die kleinen Dinge, die über Jahre verbinden. Und ja — Spaghetti mit Lachs-Sahnesoße sollte künftig auf jeder Liste mit Ehe-Tipps stehen.
Ort und Zeit: Cala Rajada, Playa de Palma; erste Begegnung Juni 2007, Umzug 2008, Heiratsantrag 2013, Hochzeit 2014, Krebsdiagnose 2024.
Manchmal sind es die unperfekten Momente, die das Leben zusammenfügen — laut, überraschend und am Ende sehr echt.
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