Wie das Palma Aquarium Seepferdchen rettet und wieder aussetzt

Halb Fisch, halb Ross: Wie das Palma Aquarium Seepferdchen wieder ins Meer bringt

Halb Fisch, halb Ross: Wie das Palma Aquarium Seepferdchen wieder ins Meer bringt

Im verborgenen Aufzuchtbereich des Palma Aquarium kümmern sich Fachleute um die zerbrechlichen Seepferdchen der Insel. Einblick in Rituale, Technik und einen kleinen Freudentag am Meer.

Halb Fisch, halb Ross: Wie das Palma Aquarium Seepferdchen wieder ins Meer bringt

Wenn man am Paseo Marítim an der Playa de Palma entlangläuft, hört man Motoren, Möwenschreie und von Zeit zu Zeit das Klappern eines Eimers in einer Werkstatt. Ein paar Straßen weiter, hinter der freundlich-bunten Fassade des Palma Aquarium, herrscht ein anderes Geräusch: leises Plätschern, Filterrauschen und das gedämpfte Gespräch von Leuten, die wissen, wie zart manche Meerestiere sind. Dort, in den nicht für die Besuchermassen zugänglichen Räumen, werden Seepferdchen aufgepäppelt.

Seepferdchen sind im Mittelmeer keine Selbstverständlichkeit. Vor Mallorca leben zwei der heimischen Arten, das langschnäuzige Hippocampus guttulatus und das kurzschnäuzige Hippocampus hippocampus. Immer wieder bringen Fischer vereinzelte Tiere an Land; nicht aus Bosheit, sondern weil Netze und Reusen gelegentlich Tiere fangen, die dann ohne menschliche Hilfe kaum überlebten würden. Das Palma Aquarium übernimmt viele dieser Fundtiere.

Die Pflege ist eine präzise, geduldige Arbeit. Die Bassins sind höher als gewöhnliche Aquarienbecken, weil die Tiere für ihren Balztanz Raum in der Vertikalen brauchen: Paarungsrituale und Aufstieg zur Wasseroberfläche sind Teil des Ablaufs, damit es überhaupt zur Übertragung der befruchteten Eier kommt. Anders als bei den meisten Fischen trägt beim Seepferdchen das Männchen die Jungen aus; nach der Befruchtung entlässt es nach Wochen oft Hunderte winziger Jungtiere mit einer Länge von rund 1,6 Zentimetern.

Im Aquarium wird die Aufzucht von kleinen Schritten geprägt: passende Strömung, winzige Nahrung wie Artemia und planktonähnliche Futtermittel, ruhige Beleuchtung und sehr saubere Becken. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontrollieren Wasserwerte, reinigen Algen und beobachten das Verhalten. Wenn die Pflegenden davon sprechen, klingt das weniger wie Laborarbeit und mehr wie Sorge um Nachbarskinder.

Solche Maßnahmen zeigen Wirkung, wenn die Tiere wieder ins Meer dürfen. Im vergangenen Oktober etwa wurden rund 70 aufgezogene Seepferdchen in zwei Aktionen vor der Küste ausgesetzt, an Stellen nahe Calvià und nahe Colònia de Sant Jordi. Das ist kein Massenprogramm, sondern eine Serie kleiner, lokal begrenzter Einsätze, die zugleich symbolisch sind: jedes freigelassene Tier ist eine Chance mehr für Seegraswiesen und für die lokale Artenvielfalt.

Indikatoren: Sie reagieren empfindlich auf Veränderungen im Ökosystem. Gesunde Bestände deuten oft auf intakte Seegrasflächen hin, die wiederum wichtigen Küstenschutz, Nährstoffkreislauf und Kinderstube für andere Arten bieten. Deshalb sind die kleinen Pferdechen — ja, ein bisschen albern klingt das Wort — nützlich für den Erhalt der Küstenlandschaft Mallorcas.

Die Arbeit ist aber nicht nur naturwissenschaftlich. Wer die Räume des Aquariums betritt, spürt das Ritual: der Geruch von Meerwasser, das Klacken von Messgeräten, gelegentlich der Duft von frisch gebrühtem Café aus einer Teeküche, wenn eine Nachtschicht loslegt. Menschen wie Debora Morrison, die sich seit Jahren um diese Tiere kümmern, berichten von Stolz an Tagen der Aussetzung und von Frust, wenn Kontrollmöglichkeiten fehlen. Seit 2022 laufen verschiedene Schutzbemühungen in der Region March-Bank, doch ob die wild lebenden Bestände dadurch messbar steigen, bleibt offen.

Was bleibt, ist eine einfache, fast banale Hoffnung: Wer ein Tier findet, sollte die richtige Anlaufstelle kontaktieren, und wer an der Küste spaziert, kann auf Seegraswiesen achten und nicht achtlos mit Bootsankern darüber fahren. Kleine Schritte summieren sich. Und an einem milden Vormittag, wenn die Sonne flach über dem Meer steht und ein Boot in der Bucht leise summt, ist es ein schönes Bild, wenn junge Seepferdchen wieder ins offene Blau ziehen — halb Fisch, halb Ross, und immerhin eine Geschichte, die auf Mallorca noch nicht zu Ende ist.

Warum das gut für Mallorca ist

Jedes gerettete Seepferdchen ist ein Signal für funktionierende Küstenpflege: intakte Seegraswiesen schützen Strände, fördern Biodiversität und sind Teil der Identität der Insel. Die Arbeit des Aquariums verbindet Wissenschaft, Lokalwissen und die einfache Freude, etwas existenziell Kleines zu erhalten.

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