Mit Tattoos, Harley und Kind: Wie Yvonne auf Mallorca ihr Leben baut

Mit Tattoos, Harley und Kind: Yvonne baut ihr Leben auf Mallorca

Sie kommt mit Öl an den Händen, parkt die Harley vor dem Büro im Hafen und bringt ihr Kind morgens in die Kita: Yvonne ist Maklerin, Bauleiterin und Mutter auf Mallorca — eine Frau, die zeigt, wie Leben hier klappen kann, wenn man anpackt und sich nicht verstellt.

Mit Tattoos, Harley und Kind: Yvonne baut ihr Leben auf Mallorca

Wenn man am Morgen am Hafen von Puerto Portals entlangläuft, mischen sich Kaffeeduft, Möwengeschrei und das leise Klappern der Leinen — und manchmal das tiefe Brummen einer Harley. Dann sieht man Yvonne, wie sie ihre Maschine vor dem kleinen Büro abstellt, noch ein bisschen Öl an den Händen, der Blazer schon etwas abgewetzt. Sie grüßt die Frühstücksgäste, nickt dem Fischer, der gerade anlegt, und tritt in ihr Reich zwischen Exposés und Bauplänen. "Ich bin keine Marke, ich bin ich", sagt sie, und man glaubt ihr sofort.

Vom Baustellenhof ins Hafenbüro

Aufgewachsen südlich von Stuttgart, wo Bagger und Kies halbe Spielkameraden waren, lernte sie früh: Anpacken muss man selbst. Später Events in Dubai, Profi-Tennis in Deutschland — und dann die Entscheidung, allein, schwanger und mit dem Wunsch nach Sonne: Mallorca. Statt grauem Himmel wollte sie Sonnenaufgänge sehen. Heute verkauft sie Villen, koordiniert Neubauprojekte und steht auf Rohbauten mit Helm und Kaffeebecher in der Hand. "Ohne Dreck kein Zuhause," sagt sie, lacht und wischt sich die Hände am Blazer. Für ihre Kunden ist Yvonne eine Macherin.

Ihr Alltag ist ein Tetris aus Kita-Bringdienst, Besichtigungen und Baustellenabnahmen. Um acht die kleine Tochter zur Kita, vierzig Minuten später schon die erste Besichtigung mit einem internationalen Käufer. Zwischendurch ein Telefonat mit dem Elektriker, danach die Abnahme eines Rohbaus in Cala Vinyes. Geräusche, die für andere chaotisch klingen, ergeben für sie einen Plan: klare Notizen auf einer Karte, Handschrift ungeschönt, präzise.

Mutter, Macherin, Motorradfahrerin

Es passt nicht ins Rollenklischee von Maklern mit Maßanzügen: Tattoos blitzen hervor, wenn sie die Ärmel hochkrempelt, und die Harley steht oft vor der Tür. Ihre Tochter ist mehrsprachig, tobt über die Promenade und wartet manchmal mit anderen Kindern auf dem Spielplatz. "Wir sind ein Team", sagt Yvonne, und die Stimme wird weich. Ihre Härte ist nicht laut, sie ist effizient — Kunden vertrauen ihr, weil sie ehrlich ist. Kein Showroom-Lächeln, dafür klare Ansagen und Ergebnisse. Das spricht sich herum und führt zu immer mehr Kundenanfragen.

Manche Kunden wirken überrascht: Eine Frau auf einer Harley verkauft Luxusimmobilien? Yvonne zuckt mit den Schultern. "Ich passe mich nicht an, ich liefere Ergebnisse." Und genau das verschafft ihr Respekt in einem Markt, der oft von Oberflächlichkeit lebt. Sie arbeitet genauso gerne mit Bauträgern wie mit Familien, die ihr erstes Haus suchen.

Warum Mallorca ein Ort für Macherinnen ist

Was Yvonne an der Insel stört, benennt sie unverblümt: respektloses Verhalten, vor allem von Gästen, für die Regeln oft optional scheinen. Trotzdem sieht sie mehr Chancen als Probleme. Mallorca biete alles — Natur, Schick, Möglichkeiten. Wer bereit ist, anzupacken, kann hier etwas aufbauen. Das ist die Botschaft, die sie anderen mitgibt, wenn sie abends die Küstenstraße entlangfährt und das rote Licht der untergehenden Sonne ihre Harley streift.

Ihr Erfolgsrezept ist simpel: Verlässlichkeit, Hands-on-Mentalität und Authentizität. Die Insel braucht Menschen, die nicht nur reden, sondern machen — und genau das macht Yvonne. In einem Büro mit Blick auf Yachten, mit Werkzeugkoffer in der Ecke und einer kleinen Karte voller Notizen wirkt sie wie ein Bindeglied zwischen zwei Welten: dem glamourösen Hafenleben und der schmutzigen, ehrlichen Arbeit auf der Baustelle.

Wer ihr begegnet, erlebt keine Show, sondern Alltag — mit all seinen Geräuschen: das Hämmern auf einer Baustelle, das Lachen von Kindern, das Rauschen des Meeres. Und am Ende eines langen Tages steigt sie auf die Harley und verschwindet in den letzten Sonnenstrahlen. Echte Geschichten wie ihre zeigen: Mallorca ist nicht nur Ferienidylle, sondern ein Ort, an dem man sich sein Leben bauen kann, wenn man den Mut hat, ungewöhnlich zu sein.

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