Abriss in Bendinat: Rückbau allein reicht nicht

Abriss in Bendinat: Wer räumt die Altlasten an Mallorcas Küste wirklich weg?

Die Balearen-Regierung hat den Abriss einer mehrstöckigen Anlage in Cala Oli/Bendinat genehmigt. Wer trägt Verantwortung für jahrelanges Zulassen illegaler Küstenbebauung – und reicht ein Rückbau allein?

Abriss in Bendinat: Wer räumt die Altlasten an Mallorcas Küste wirklich weg?

Leitfrage: Reicht der beabsichtigte Rückbau eines Hauses an der Cala Oli, oder bleibt danach dieselbe Baustelle – nur ohne Mauern?

Das Nötige vorneweg: Die Regierung der Balearen hat die Entfernung eines mehrstöckigen Wohnhauses in der Cala Oli (Ortsteil Bendinat, Gemeinde Calvià) genehmigt. Das Gebäude stammt aus den 1960er-Jahren, eine ursprüngliche Genehmigung datiert aus dem Jahr 1963 und ist nach Behördenangaben nicht mehr gültig. Ungefähr 195 Quadratmeter Bebaute Fläche werden zurückgebaut, mit Treppen und Terrassen – Neubau an der Stelle soll ausdrücklich nicht erlaubt sein. Technische Gutachten nennen Sicherheitsmängel und eine drohende weitere Schädigung des Küstenstreifens als Gründe.

Die Entscheidung klingt auf dem Papier einfach: Gesetz durchsetzen, Mauer weg, Küste zurückgeben. In der Realität aber hängt an solchen Fällen eine Menge: Eigentumsverhältnisse, Erbfolgen, oft jahrzehntelange Gewohnheiten der Anwohner, Kosten für die öffentliche Hand und die Frage, wie die Küste danach tatsächlich wieder hergestellt wird.

Kritische Analyse

Erstens: Verantwortlichkeiten sind verstrickt. Dass eine Baugenehmigung aus den Sechzigern bestand, sagt nichts über spätere Eingriffe, Umbauten oder Nutzungsänderungen. Wurde über Jahrzehnte zu wenig kontrolliert? Wahrscheinlich. Behörden haben in der touristischen Hochphase des 20. Jahrhunderts vieles toleriert, was heutige Schutzvorgaben nicht mehr dulden würden. Zweitens: Abriss bedeutet nicht automatisch Wiederherstellung. Wenn Treppen, Terrassen und Stützmauern weggeschnitten werden, bleiben oft schlecht gesicherte Hänge zurück, die nach Starkregen wegrutschen können. Drittens: Sozialer Widerstand lässt sich nicht wegplanen. Anwohner, die dort seit Generationen kommen oder gar wohnen, sehen einen Teil ihres Alltags verschwinden – selbst wenn die Lage rechtlich klar ist. In anderen Küstenorten haben solche Konflikte bereits Verwaltungsprozesse und gerichtliche Verzögerungen ausgelöst, etwa im Fall Medusa Beach: Wer trägt die Verantwortung nach dem Einsturz?.

Was im öffentlichen Diskurs fehlt

Debatten konzentrieren sich auf ein Schlagwort: Abriss. Selten wird aber klar diskutiert, wer die Kosten für den Rückbau trägt und wie der Bereich danach gesichert und renaturiert werden soll. Es fehlt ein offener Plan zum Umgang mit Abraum, zum Schutz sensibler Vegetation und zur erneuten Zugänglichkeit für die Bevölkerung; wie die Debatte um Wer räumt das Meer auf? Fast acht Tonnen Müll vor den Balearen und die unbequemen Antworten zeigt, sind solche Fragen oft komplexer als erwartet. Ebenfalls wenig Thema: eine systematische Bestandsaufnahme ähnlicher Altbauten entlang der Küste, wie im Fall Manacor und die Topaz-Apartments: Wem gehört die Verantwortung?. Ohne Inventar wiederholt sich das Spiel: eine Genehmigung verblasst, die Bausubstanz verkommt, Jahre vergehen, dann muss die Verwaltung handeln – zum Ärger vieler.

Eine Szene aus Bendinat

Wer morgens die kleine Küstenstraße zwischen Portals Nous und Bendinat entlangfährt, hört Möwen, das entfernte Brummen von Motorbooten und das Klappern von Kaffeetassen auf der Terrasse einer Bar am Kreisverkehr. Rentner sitzen auf Bänken, Hunde werden ausgeführt, Segelschüler ziehen ihre Schiffe ins Wasser. Genau dort, wo in den 1960ern gebaut wurde, ist die Nähe zum Meer heute ein Reiz – und ein Problem. Die Menschen, die hier ihren Spaziergang machen, wollen Ausblicke, Zugang und Sicherheit, nicht bröckelnde Stufen, die ins Nichts führen.

Konkrete Lösungsansätze

1) Transparenter Zeitplan: Die Gemeinde muss zusammen mit dem zuständigen Ministerium einen klaren Ablauf vorlegen – Abbruch, Entsorgung, Stabilisierung, Renaturierung – mit Fristen und Kostenaufstellung. 2) Öffentliche Einsichtnahme: Vor den Arbeiten sollten Anwohner-Informationstage stattfinden, damit Unsicherheiten und soziale Folgen offen besprochen werden. 3) Ökologische Nachsorge: Nach dem Rückbau braucht die Küste technischen Schutz (z. B. Stabilisierungsarbeiten), gefolgt von Pflanzungen mit heimischen Arten und einem Monitoring für Erosion. 4) Präventivstrategie: Ein inselweites Inventar aller fragilen Küstenbauten würde helfen, ähnliche Fälle geordnet anzugehen statt einzeln zu zündeln. 5) Finanzierung klären: Es muss transparent werden, wer für Abriss- und Renaturierungskosten aufkommt – Eigentümer, Gemeinde oder regionale Mittel – und wie das rechtlich abgesichert ist.

Punktiertes Fazit

Der Abriss in Bendinat ist kein bloßer Akt der Ästhetik; er ist Teil einer größeren Frage: Wie schützt Mallorca seine Küste, ohne den Menschen vor Ort das Gefühl zu nehmen, mitgenommen zu werden? Recht muss gelten. Aber Recht muss auch begleitet werden von praktischen Plänen und klarer Kommunikation. Sonst endet ein weggeräumtes Haus als bloßer Lückenschluss, während die Ursachen der wilden Küstenbebauung unangetastet bleiben.

Wenn die Behörden jetzt anders handeln als in den Jahrzehnten zuvor, könnte aus dem Rückbau ein Neuanfang für diesen Küstenabschnitt werden. Wenn nicht, wird bald die nächste Ruine auf der Liste stehen – und das gleiche Ringen von vorn beginnen; die Diskussion um Verantwortung und Reinigung, wie in Wer räumt das Meer auf? Fast acht Tonnen Müll vor den Balearen und die unbequemen Antworten, bleibt dann aktuell.

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