
Crash auf der Ma‑10: Bus frontal mit Lkw — Was sagt das über unsere Straßen?
Zwischen Esporles und Banyalbufar kollidierten heute Vormittag ein Überlandbus und ein Lebensmittel-Lkw. Drei Leichtverletzte, stundenlange Sperrung — und die Frage: Sind die schmalen Westküstenstraßen Mallorcas noch zu sicher für gemischten Verkehr?
Crash auf der Ma‑10 am Vormittag: Bus prallt in enger Kurve gegen Lkw
Es war einer dieser heißen, vibrierenden Vormittage auf der Ma‑10: Zikadengesang, Kaffeegeruch aus der Bar am Ortsanfang von Esporles und dann plötzlich ein lauter Knall. Gegen 10 Uhr kollidierte ein regionaler Überlandbus frontal mit einem Lebensmittel‑Lastwagen in einer engen Kurve Richtung Banyalbufar. Augenzeugen berichten von fliegendem Glas, abgerissener Stoßstange und einer Frontscheibe, die zersplitterte wie ein zu dünnes Sardinenblech.
Mindestens drei Menschen erlitten leichte Verletzungen und wurden vor Ort behandelt. Laut Rettungskräften kam niemand schwerverletzt ins Krankenhaus, dennoch sitzt der Schock tief — bei Fahrgästen, beim Busfahrer und bei den Anwohnern, die kurz darauf mit Handys und nassen Stirnen an der Unfallstelle standen. Ein älterer Mann aus Esporles fasste es trocken zusammen: „So eine enge Stelle — da reicht ein kleiner Fehler.“
Leitfrage: Wie sicher sind die schmalen Küstenstraßen Mallorcas noch?
Der Zusammenstoß wirft eine einfache, aber unbequeme Frage auf: Sind Straßen wie die Ma‑10, die sich als Postkartenroute an der Westküste rühmen, noch geeignet für gemischten Schwer‑ und Personenverkehr? Die Antwort ist nicht nur juristisch, sie ist alltäglich und betrifft Pendler, Touristen, Lieferanten und die lokalen Dienstleister.
Die Guardia Civil sperrte die Straße, nahm den Unfall auf und führte routinemäßige Alkoholtests bei den Fahrern durch. Spezialfahrzeuge hievten Bus und Lkw auf Abschleppwagen; die Sperrung dauerte mehrere Stunden und führte zu langen Rückstaus, blockierten Zufahrten und hektischen Telefonaten in der Bar am Ortsanfang — Szenen, die man im Hochsommer auf dieser Strecke nur zu gut kennt.
Aspekte, die in der Diskussion oft zu kurz kommen
Erstens: die Straßenbreite und Sichtverhältnisse. Viele der alten Küstenabschnitte wurden nie für den heutigen Fahrzeugmix geplant. Enge Kurven, fehlende Ausweichbuchten und unübersichtliche Kuppen erhöhen das Risiko bei Begegnungen zwischen Bussen und Lkw deutlich.
Zweitens: Nutzungsregeln und Verkehrslenkung im Sommer. In der Hochsaison verdoppelt sich oft das Verkehrsaufkommen, hinzu kommen ungeübte Fahrer mit Navi‑Routen, die nicht für schmale Bergstraßen gedacht sind. Drittens: Ladungssicherung und Fahrzeugwartung. Ein vollbeladener Lieferwagen reagiert anders in einer Kurve als ein Leichttransport — das spielt bei einem Zusammenstoß eine große Rolle, wird aber kaum öffentlich debattiert.
Und viertens: die psychologische Komponente. Selbst leichte Kollisionen hinterlassen Spuren: Fahrgäste, die künftig Busfahrten meiden, lokale Taxifahrer mit verlorener Auftragslage, Wirte, die plötzlich weniger Mittagsgäste sehen — und die Dauerdiskussion um Sicherheit versus Erreichbarkeit.
Konkrete Lösungen — was jetzt sinnvoll wäre
Aus der Perspektive vor Ort lassen sich Maßnahmen nennen, die nicht Jahre dauern müssen: Temporeduktionen an besonders engen Stellen, sichtbare Saison‑Hinweisschilder, punktuelle Installation von konvexen Spiegeln in blinden Kurven und die Schaffung kleiner Ausweichbuchten an kritischen Abschnitten.
Auf längere Sicht braucht es ein abgestimmtes Konzept: Beschränkungen für schwere Lieferfahrzeuge zu bestimmten Tageszeiten, verpflichtende Tourenplanung für Lkw‑Transporte entlang der Küste, verstärkte Kontrollen durch die Guardia Civil und gezielte Investitionen in Infrastruktur — etwa Schutzplanken, bessere Fahrbahndecke und punktuelle Verbreiterungen.
Auch kleinster Hebel kann helfen: Informationskampagnen für Touristen beim Mietwagenanbieter, bessere Routenführung in Navigationssystemen und Schulungen für Bus‑ und Lkw‑Fahrer, die regelmäßig über die Ma‑10 fahren.
Chance aus dem Schock
Ein Unfall wie heute ist ein unangenehmer Weckruf, aber auch eine Chance. Wenn Gemeinden wie Esporles und Banyalbufar jetzt zusammen mit Verkehrsbehörden und der Inselregierung pragmatische Lösungen angehen, könnten kurzfristige Maßnahmen die Sicherheit merklich erhöhen — ohne den Charakter der Strecke zu vernichten.
Die Guardia Civil wird die Unfallursache weiter untersuchen. Bis dahin gilt die Mahnung: Auf der Ma‑10 helfen Rücksicht, geringere Geschwindigkeit und ein bisschen mehr Abstand — und vielleicht ein Espresso weniger auf der Abfahrt, wenn die Kurve scharf wird.
Wir beobachten die Ermittlungen und berichten, sollte es neue Erkenntnisse zu Ursache oder Verletzten geben.
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