
MA-10 in der Kritik: Frontalzusammenstoß zwischen Überlandbus und Liefer-Lkw bei Esporles
Zwischen Esporles und Banyalbufar krachte ein Überlandbus frontal in einen Liefer-Lkw. Drei Leichtverletzte, lange Sperrung — und die Frage: Was muss sich auf der schmalen MA-10 ändern, damit so etwas seltener passiert?
Knall am Morgen: Wenn die MA-10 ihre schmale Seite zeigt
Gegen 10 Uhr morgens riss ein lauter Knall die Stille am Hang zwischen Esporles und Banyalbufar auf. Erst Schreie, dann das schrille Geräusch von Metall auf Metall — ein Überlandbus auf dem Weg nach Palma und ein Liefer-Lkw einer lokalen Metzgerei waren in einer engen Linkskurve frontal zusammengestoßen. Drei Menschen kamen mit leichten Verletzungen davon. Für alle anderen blieb die Frage: Wie konnte das hier überhaupt passieren?
Augenzeugen, Hitze und der schmale Straßenrand
Zeugen sprechen von einem abrupten Ausscheren des Lkw, der offenbar zu weit in die Kurve ging und dabei auf die Gegenfahrbahn geriet. Der Busfahrer hatte keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Anwohner berichten, dass an diesem Augusttag die Hitze die Nerven angespannter mache, dass wenige Passagiere im Bus saßen und dass der Stoß so heftig war, dass die Frontscheibe zersplitterte und Teile auf der Fahrbahn lagen. Ein Ortsbusfahrer fasste es später nüchtern zusammen: „Man muss hier sehr defensiv fahren.“
Die Szenen an der Unfallstelle wirken vertraut: Rettungswagen, Feuerwehr, die Guardia Civil, Menschen, die im Schatten unter Olivenbäumen warten, und Handys, die alles dokumentieren. Weil beide Fahrzeuge die komplette Fahrbahn blockierten, staute sich der Verkehr kilometerweit. Nur gegen späten Vormittag konnten Spezialkräne die Fahrzeuge bergen und die Straße freigeben. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel über den Unfall auf der MA-10.
Weniger betrachtet: Wirtschaftlicher Druck und technische Defizite
Die Ermittlungen prüfen Fahrverhalten, mögliche technische Mängel und ordnen Alkoholtests an. Was in der unmittelbaren Berichterstattung oft zu kurz kommt, sind die strukturellen Gründe: Lieferfahrer stehen unter Zeitdruck, Transporter wirken oft enger getaktet als früher. Im Hochsommer kommen Müdigkeit, Hitze und erhöhter Touristenverkehr dazu. Die MA-10 ist landschaftlich reizvoll, aber an vielen Stellen so schmal, dass schon kleine Fahrfehler große Folgen haben.
Auch die Fahrzeugtechnik spielt eine Rolle. Viele Liefer-Lkw und ältere Busse auf der Insel verfügen nicht über moderne Assistenzsysteme wie Spurhaltewarnung oder automatisches Notbremsen. Wenn zusätzlich die Sicht durch Sonne, Staub oder Spritzwasser beeinträchtigt ist, wächst das Risiko.
Die zentrale Frage: Wie machen wir die MA-10 sicherer?
Das ist die Leitfrage, die nach dem Unfall hängen bleibt. Es gibt keinen einfachen Hebel, denn die Küstenstraße ist geographisch anspruchsvoll. Trotzdem sind konkrete Maßnahmen denkbar und teilweise auch kurzfristig umsetzbar:
Fahrverhalten und Personal: Strengere Kontrollen von Lenk- und Ruhezeiten, gezielte Schulungen für Liefer- und Busfahrer über das Fahren auf engen Küstenstrecken und klare Vorgaben der Arbeitgeber, nicht jeden Zeitdruck auf die Fahrer abzuwälzen.
Technik: Fördern statt nur kontrollieren: Zuschüsse oder Anreize für Unternehmen, Assistenzsysteme in Lieferfahrzeugen nachzurüsten. Für Busse könnten verpflichtende Sicherheitschecks vor Saisonbeginn helfen. Es wird immer wichtiger, dass auch die technische Sicherheit der Fahrzeuge verbessert wird.
Technische Infrastruktur: Rumble-Strips vor gefährlichen Kurven, bessere Sichtmarkierungen, zusätzliche Spiegel an engen Abschnitten und definierte Ausweichstellen, wo es die Geologie erlaubt. Mobile oder temporäre Geschwindigkeitsanzeigen helfen, das Tempo zu drosseln.
Kontrolle und Präsenz: Mehr sichtbare Präsenz der Guardia Civil zu Stoßzeiten, gezielte Kontrollen von Überholmanövern und Geschwindigkeit sowie gelegentliche Geschwindigkeitsmessungen als sichtbares Signal.
Diese Maßnahmen kosten Geld und erfordern Abstimmung zwischen Gemeinden, Verkehrsbehörden und Unternehmen. Aber nach einem solchen Knall am Morgen zeigt sich, dass Untätigkeit teurer werden kann.
Was Fahrer und Urlauber jetzt tun können
Es sind keine neuen Ratschläge, aber sie retten Leben: Zeiten planen, um nicht in die heißesten Stunden und den stärksten Gegenverkehr zu geraten; Abstand halten und in Kurven langsamer fahren; bei Gegenverkehr lieber kurz anhalten als riskant zu überholen. Und: Wer beruflich unterwegs ist, sollte sich nicht zum schnellen Manöver drängen lassen — der Sekundenverlust ist es nicht wert.
Die MA-10 bleibt eine der schönsten, aber auch empfindlichsten Straßen Mallorcas. Nach dem Unfall zwischen Esporles und Banyalbufar stehen Ermittlungen noch aus. Für Anwohner und Pendler bleibt die Erinnerung an einen lauten Morgen, an schnelle Hilfsbereitschaft — und an die Frage, ob wir genug tun, damit der nächste Knall ausbleibt.
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