
Bekannter Uni-Professor stirbt beim Schwimmen in Cala Blava — Was läuft an Mallorcas Küsten schief?
Ein 78-jähriger Professor stirbt in Cala Blava. Neben Trauer stellt sich eine zentrale Frage: Genügt unsere Küstensicherheit — besonders an ruhigen, felsigen Buchten — den Risiken älterer Badegäste?
Ein Mittagsunfall in Cala Blava — und viele offene Fragen
Es war einer dieser heißen, stillen Mittage, an denen das Meer wie Glas liegt und kaum eine Welle die Felsen küsst. Gegen 12:10 Uhr wurde die Ruhe an der Felsküste bei Cala Blava von einem lauten Rufen und dem Aufheulen eines Einsatzmobils durchbrochen: Rettungskräfte fanden einen Mann im Wasser, der nicht mehr reagierte. Trotz schneller Wiederbelebungsversuche und des Einsatzes eines Hubschraubers konnte sein Leben nicht gerettet werden. Die Spur führt zu Eugeni Aguiló Pérez, 78 Jahre, Professor an der Universität der Balearen. Die Insel trauert — und fragt sich: Warum enden Badeausflüge an Stellen wie dieser so oft tragisch?
Die unmittelbare Lage: Was bekannt ist
Laut Augenzeugen kamen die ersten Helfer von der Lokalpolizei Llucmajor und private Badegäste, ein kleines Boot brachte sie an die felsnahe Stelle am Cap Mollet. Sanitäter kämpften an einem Bootsanleger lange um Vitalfunktionen. Ein Hubschrauber war vor Ort, doch ein Transport ins Krankenhaus war nicht mehr möglich. Die Guardia Civil hat die Ermittlungen übernommen; ob gesundheitliche Probleme, ein Badeunfall oder andere Umstände die Ursache waren, bleibt offen.
Eine bekannte Persönlichkeit, die plötzlich fehlt
In Palma und an den Unigängen war Aguiló kein Unbekannter: Professor, Lehrender, Unterstützer vieler Masterstudierender. In den Cafés am Passeig sprach man an diesem Abend leise über seine Vorlesungen, über dicke Lehrbücher und seinen Ruf als strenger, aber fairer Dozent. Solche Nachrichten treffen hier persönlich: Die Barista nebenan kennt oft jemanden, der ihn kannte — und das verändert die Stimmung in einer Minute.
Die weniger beleuchtete Frage: Sicherheit in ruhigen, felsigen Buchten
Der Fall wirft eine Frage auf, die in der Diskussion zu oft fehlt: Wie gut sind unsere Rettungskonzepte für kleine, felsumrahmte Buchten wie Cala Blava? An sonnigen Mittagen, wenn die Promenaden voll sind und die Sirenen in der Ferne kaum zu hören, sind viele Stellen weit weniger überwacht als die großen Sandstrände. Das erzeugt eine gefährliche Trennung zwischen touristisch stark betreuten Zonen und den stillen Ecken, die Anwohner und ältere Besucher bevorzugen.
Altersaspekt, gesundheitliche Vorbelastung und Prävention
Ältere Menschen genießen das Meer anders: langsamere, bedachtere Schwimmzüge, kurze Tauchgänge, Spaziergänge am Ufer. Aber: Herz-Kreislauf-Ereignisse treten in dieser Altersgruppe häufiger auf. Wurden Gesundheitsrisiken ausreichend kommuniziert? Hatten Rettungskräfte und Anwesende Zugang zu einem Defibrillator (AED)? Wie gut ist die Erste-Hilfe-Ausbildung in der Bevölkerung, die hier oft zuerst am Ort des Geschehens hilft? Diese Fragen sind nicht makaber, sie sind praktisch — und zeigen, wo Prävention ansetzen müsste.
Organisation der Rettungskräfte: Schnelligkeit reicht nicht immer
Man hörte das Surren des Hubschraubers, das Klappern der Bootsleinen, das entfernte Stimmengewirr von Hilfesuchenden. Trotzdem: Selbst gute Reaktionszeiten sind kein Automatismus für Rettungserfolg. Es geht auch um die örtliche Verfügbarkeit von Ausrüstung, die Erreichbarkeit felsiger Abschnitte per Land und See sowie um standardisierte Abläufe bei kollidierenden Einsatzkräften (Lokalpolizei, Guardia Civil, Sanitäter). Eine unabhängige Auswertung der Abläufe an solchen Unglücksorten könnte Schwachstellen sichtbar machen.
Konkrete Chancen und Vorschläge
Aus dem Schock können langfristige Verbesserungen entstehen. Vorschläge, die sich schnell umsetzen lassen, sind zum Beispiel: bessere Beschilderung an felsigen Buchten mit klaren Warnhinweisen für ältere Badegäste; mehr öffentlich zugängliche AEDs entlang der Promenaden und im Hafenbereich; regelmäßige Erste-Hilfe- und Wiederbelebungskurse für Anwohner und lokale Gewerbetreibende; verstärkte Boots- und Fußpatrouillen in den Morgen- und Mittagsstunden; eine Analyse der Einsatzprotokolle durch unabhängige Gutachter, um Reaktionszeiten und Interventionskette zu optimieren. All das kostet Geld, aber es kostet deutlich weniger als ein Menschenleben.
Die Inselgemeinschaft braucht Antworten
In den nächsten Tagen werden Angehörige, Kolleginnen und Kollegen Abschied nehmen. Die Universität hat bereits Kondolenzbekundungen veröffentlicht; in der kleinen Bar am Passeig, wo ich selbst vorbeiging, sprach man gedämpft über Erinnerungen an den Professor. Die Guardia Civil verspricht Aufklärung — doch Aufklärung allein reicht nicht. Die Insel muss aus solchen Fällen lernen, damit nicht noch mehr stille Buchten voller Fragen bleiben.
Was jetzt wichtig ist
Warten auf Ergebnisse ist schwer, besonders wenn das Meer nach einem heißen Tag wieder ruhig daliegt und die Zikaden ihr abendliches Konzert beginnen. Wichtig ist jetzt: transparente Information seitens der Behörden, praktische Unterstützung für die Hinterbliebenen und eine ernsthafte Debatte über die Sicherheitslücken an Mallorcas Küsten. Nur so können wir vermeiden, dass ein weiterer lauer Sommertag zur Tragödie wird.
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