30 Jahre SOS Animal Calvià – Feier mit Fragen: Kann das Tierheim die Zukunft stemmen?

30 Jahre SOS Animal in Calvià: Zwischen Geburtstagskuchen und Systemfrage

SOS Animal wird 30: Ein Tag mit Kuchen, Flohmarkt und Führungen — und eine drängende Frage: Kann ein kleines Tierheim die wachsenden Probleme auf Mallorca allein stemmen?

30 Jahre SOS Animal in Calvià: Zwischen Feier und Systemfrage

Am Samstag, 18. Oktober 2025, wird das Tierheim von SOS Animal in Calvià seine Türen öffnen: Kuchen, Kaffee und die bekannte Geräuschkulisse aus Hundeknurren, Katzenmiau und den entfernten Stimmen von Urlaubern. Fünf Minuten nach Beginn riecht man den Kaffee — ein kleines Ritual, das Ehrenamtliche und Besucher verbindet und an langen Tagen Kraft gibt.

Feiern mit Sinn: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?

Auf dem Gelände am Camino Sa Canera 11 gibt es Flohmarktstände, eine Tombola mit Preisen bis zu Hotelübernachtungen, deutsche Würstchen, Kalender und handgefertigte Mitbringsel. Alle Einnahmen fließen in die Pflege der Tiere. Wichtiger Hinweis für Anreisende: Zufahrt nur über Palmanova, die Strecke über Santa Ponça ist gesperrt. Parkplätze sind knapp, pünktliches Erscheinen lohnt sich.

Die Leitfrage: Kann ein kleines Tierheim die wachsenden Probleme allein stemmen?

30 Jahre sind ein beeindruckender Meilenstein. Doch hinter der Geburtstagstorte steckt eine drängende Frage: Wie nachhaltig ist das Modell, wenn Abgaben und Notfälle zunehmen, die Gemeinde nur einen Teil der Kosten trägt und Ehrenamtliche am Limit arbeiten? Diese Frage zieht sich durch Gespräche mit Mitarbeiterinnen, Helfern und Besucherinnen und sollte an diesem Tag lauter gestellt werden.

Blick hinter die Kulissen: Improvisation als Alltag

SOS Animal wurde 1995 gegründet. Gründerin Maxi Lange ist noch aktiv. Heute arbeiten fünf feste Mitarbeiterinnen im Tierheim, dazu eine bunte Schar Ehrenamtlicher. Der Alltag besteht aus Fangaktionen für Freigänger-Katzen, der Pflege verletzter Hunde und der Organisation von Transporten. Eine lokale Anekdote zeigt das Können: Mit einem Büschel Sardinen gelang es neulich, einen scheuen Kater zu locken — ein Bild, das gleichzeitig Humor und Improvisationskunst widerspiegelt.

Zahlen, die den Raum füllen

Aktuell leben rund 100 Katzen und etwa 16 Hunde im Tierheim. Pro Jahr versorgt SOS Animal schätzungsweise 500–600 Katzen und etwa 100 Hunde. Viele Tiere wurden ausgesetzt oder von Menschen abgegeben, die sich aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen Wohnproblemen trennen mussten. Helfer berichten, dass solche Abgaben in den letzten Jahren zugenommen haben — ein Phänomen, das in Fincas und Stadtvierteln gleichermaßen zu spüren ist.

Finanzierung: Gemeinde hilft, aber reicht das?

Die Gemeinde Calvià stellt das Grundstück und trägt etwa ein Viertel der laufenden Kosten. Den Rest decken Spenden, Flohmärkte, Testamentsspenden und gelegentliche Hilfsaktionen. Auf der einen Seite ist das berührend: Solidarität zeigt sich in Kuchenstücken und gefüllten Spendendosen. Auf der anderen Seite ist das Modell fragil — besonders wenn teure Operationen anstehen oder mehrere Notfälle gleichzeitig eintreffen.

Das unsichtbare Problem: Prioritäten nach Kontostand

Oft entscheidet nicht allein die medizinische Dringlichkeit, sondern die Kassenlage, welche Behandlung möglich ist. Das ist eine unangenehme, aber wichtige Beobachtung: Wenn finanzielle Zwänge medizinische Prioritäten verschieben, verschiebt sich auch die Verantwortung von der Gesellschaft auf Ehrenamtliche. Diese Dynamik wird in öffentlichen Debatten zu selten beleuchtet.

Konkrete Vorschläge statt guter Wünsche

Es gibt viele Ansätze, die Entlastung schaffen könnten. Einige konkrete Vorschläge, die SOS Animal und ähnliche Einrichtungen stärken würden:

- Ausbau kommunaler Unterstützung: Regelmäßige Zuschüsse statt einmaliger Hilfen würden Planbarkeit schaffen. Ein fester Posten für Kastrationsprogramme könnte präventiv wirken.

- Kooperationen mit der Tourismusbranche: Hotels, Vermieter und lokale Agenturen könnten Kastrations- und Informationsprogramme fördern. Faire Haustierregelungen in Ferienwohnungen reduzieren spätere Abgaben.

- Lokale Sozialfonds: Kleine Soforthilfen für Futter, Medikamente oder Impfungen verhindern Abgaben aus wirtschaftlicher Not.

- Professionalisierung von Freiwilligenprogrammen: Strukturierte Schulungen, verlässliche Schichten und eine bessere Koordination reduzieren Burn-out-Risiken und erhöhen die Effizienz.

Was können Besucherinnen und Besucher am 18. Oktober tun?

Wer am Samstag vorbeischaut, sollte Bargeld mitbringen, ein offenes Ohr und etwas Zeit. Nehmen Sie an einer Führung teil, stellen Sie Fragen zur Finanzierung und den Adoptivbedingungen. Überlegen Sie, ob Sie dauerhaft unterstützen können — als Sponsor, Pate oder Ehrenamtliche. Und wenn Sie ein Haustier möchten: Informieren Sie sich über Chip- und Impfpflicht und prüfen Sie ehrlich, ob Ihr Alltag zu einem Tier passt.

Ein abschließender Gedanke

SOS Animal darf an diesem Tag feiern — das ist wichtig und richtig. Doch die Feier ist auch eine Erinnerung: Kuchen und Würstchen allein sind keine langfristige Strategie. Die nächste Kerze auf der Torte sollte von strukturellen Antworten begleitet werden, damit in 30 Jahren nicht wieder dieselben Fragen gestellt werden müssen. Für Mallorca heißt das: Tierschutz, Wohnpolitik und soziale Verantwortung gehören zusammen.

Weitere Infos: www.sos-animal-mallorca.org

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