
Saisonstart für den Schermesserfisch: Regeln, Chancen und was Angler wissen müssen
Ab 1. September beginnt die Schermesserfisch-Saison auf den Balearen. Wir erklären Regeln, Strafen, lokale Eigenheiten und wie verantwortungsvolles Angeln die Bestände schützt.
Die Saison ist zurück: Schermesserfisch ("raor") ab 1. September
Ab dem 1. September startet wieder offiziell die Fangzeit für den Schermesserfisch auf den Balearen – auf Mallorquin oft raor genannt. Für viele Fischer und Hobbyangler bedeutet das: früh raus, wenn der Wind noch schläft und die Bucht wie ein Spiegel liegt. In Häfen wie Port de Pollença oder Cala Rajada hört man dann das leise Klappern der Leinen, den Duft von Diesel und Kaffee, und die Stimmen der Männer, die schon seit Jahrzehnten wissen, wo die Fische stehen. Weitere Informationen zur Saison findet man unter Früher an die Leine: Schermesserfisch-Saison auf Mallorca und Menorca.
Leitfrage: Tradition bewahren – aber wie nachhaltig?
Die zentrale Frage ist nicht nur, ob die Saison startet, sondern wie wir sie gestalten. Können traditionelle Küstengemeinden von regelmäßigen Landungen leben, ohne die Bestände zu übernutzen? Oder enden solche Zeiten in stärkerer Überwachung und harten Strafen? Die Antwort liegt zwischen beiden Extremen: mit klaren Regeln, Kontrolle und lokalem Engagement lassen sich Fang und Zukunft verbinden.
Wer darf wie viel fangen?
Das Amt macht es deutlich: Pro Angelerlaubnis sind maximal 50 Fische pro Tag erlaubt, für ein Schiff liegt die Obergrenze bei 300 Fischen. Keine Empfehlung, sondern Gesetz. Diese Limits sollen verhindern, dass gerade in ruhigen Herbst- und Wintermonaten zu viel aus dem Wasser gezogen wird.
Erlaubnis ist Pflicht — und wird kontrolliert
Ohne gültige Genehmigung darf niemand in den Gewässern der Balearen fischen. Die Behörden gehen zunehmend konsequent vor: Bußgelder können bis zu 300.000 Euro betragen. Dazu kommen mögliche Beschlagnahmungen von Fang und Ausrüstung. Für Touristen heißt das: Papiere prüfen oder besser eine Tour mit einem lizenzierten Bootsbetreiber buchen. Viele Betreiber übernehmen die Formalitäten – und sparen so unangenehme Überraschungen am Pier. Informationen zu weiteren Vorschriften bietet der Artikel über den Inselrat und seine Regelungen.
Was macht den Schermesserfisch besonders — und beliebt?
Der Schermesserfisch fällt auf: schmal, mit schimmernden Schuppen, die je nach Licht rosa, orange oder bläulich wirken. Auf den Speisekarten der Insel hat er sich etabliert. Ob gegrillt, gebraten oder mit Knoblauch und Petersilie – frisch vom Rost schmeckt er am besten. Für Restaurants in kleinen Orten sind diese Landungen ein willkommenes Angebot an die Gäste. Ausführliche Informationen zur Fangperiode und Beliebtheit finden sich in den aktuellen News zur Goldmakrelen-Saison.
Weniger beleuchtete Aspekte
Öffentliche Debatten drehen sich oft um Fangmengen und Strafen. Doch selten diskutiert wird, wie kleinteilige Fischerei und Tourismus zusammenwirken: Hobbyangler aus dem Ausland, Charterboote und lokale Fischer teilen dieselben Küsten. Ohne klare Kennzeichnung von Fangmengen und Herkunft landen Produkte manchmal gemischt auf dem Markt. Das erschwert nachhaltige Vermarktung und faire Preise für kleine Fischer.
Konkrete Chancen und Lösungsansätze
Es gibt praktikable Schritte, die Schutz und Wirtschaft verbinden. Erstens: bessere Informationen am Kai. Ein gut sichtbares Infoblatt mit Limits, Schonzeiten und Kontaktdaten der Behörde kostet wenig und schafft Klarheit. Zweitens: Anreize für selektive Fangmethoden – kleinere Haken, gezieltere Netze, um Beifänge zu reduzieren. Drittens: lokale Kooperationen zwischen Fischern und Restaurants für eine transparente Vermarktung. Gäste schätzen es, wenn auf der Karte steht, woher der Fisch kommt. Viertens: digitale Fangmeldungen. Einfache Apps könnten Landungen melden und helfen, Bestände zeitnah zu überwachen.
Tipps für verantwortungsvolles Angeln
Ein paar praktische Ratschläge: Fang nur die erlaubte Menge. Nutze passende Hakengrößen, um Jungfische zu schonen. Setze kleine Fische sorgfältig zurück — ein sanfter Umgang erhöht ihre Überlebenschance. Und hör den alten Hafenbeizen zu: Die Erfahrungsberichte der Fischer sind oft lehrreicher als jede Broschüre.
Was passiert bei Verstößen?
Bei Kontrollen drohen harte Konsequenzen: Geldstrafen, Beschlagnahmungen und im schlimmsten Fall der Entzug von Lizenzen. Die Behörden haben in den letzten Jahren ihre Präsenz verstärkt; Kontrollen gehören, besonders in belebten Monaten, zur Routine. Wer sich an Regeln hält, fängt nicht nur legal — er sichert auch die Zukunft der Fischerei vor Ort.
Und ja: Es bleibt ein schönes Bild. An einem klaren Morgen mit einer Tasse heißem Kaffee am Kai zu stehen und die ersten Boote beim Einlaufen zu beobachten, ist ein Stück Alltag auf Mallorca. Wenn wir diesen Alltag schützen wollen, hilft Verantwortung mehr als nostalgische Sehnsucht. Dann hat der raor auch in Jahren noch Platz auf unseren Tellern.
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