
Achtung, stille Hände im Königsgarten: Händler fordern mehr Schutz in s’Hort del Rei
Zwischen Palmen, Blumenständen und dem Glockenspiel der Kathedrale warnen Händler in s’Hort del Rei vor wiederkehrenden Taschendiebstählen – besonders morgens, wenn Kreuzfahrtgruppen eintreffen. Was fehlt, sind sichtbare Kontrollen, einfache Hinweise an den Anlegestellen und konkrete Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können.
Achtung Taschendiebe im Königsgarten: Händler schlagen Alarm
Der Vormittag im Königsgarten klingt normalerweise nach Glockengeläut, entfernten Reisegruppen und dem Rascheln der Palmenblätter. In diesem Frühjahr mischt sich in die vertrauten Klänge eine neue, nervöse Note: Händler berichten von einer Serie von Taschendiebstählen entlang der Wege Richtung Catedral. Die betroffenen Stände – handbemalte Keramik, kleine Drucke und frisch gebundenes Lavendel – sind nicht nur Geschäftsflächen, sie sind für viele Verkäuferinnen und Verkäufer auch Arbeitsplatz und Leben. Ihre Frage ist klar: Wie schützt man diesen Raum, ohne ihn in eine Sperrzone zu verwandeln?
Die Masche: pünktlich, routiniert, unscheinbar
Das Muster klingt fast banal und ist gerade deswegen gefährlich. Zwischen etwa 09:30 und 11:30, wenn Scharen von Kreuzfahrtgästen in kurzen Zeitfenstern die Altstadt überschwemmen, tauchen laut Händlern immer wieder kleine Gruppen auf, die scheinbar genau wissen, wo sie hinmüssen. Eine Ablenkung, eine nahe stehende Person, ein über die Schulter gelegtes Kleidungsstück – und schon ist ein Portemonnaie oder ein Smartphone verschwunden. "Sie sind pünktlicher als mancher Espresso", sagt eine Standbetreiberin mit halb ironischem Ton. Opfer merken es oft erst später, wenn die Reise weitergeht oder das Telefon nicht mehr klingelt.
Warum gerade Kreuzfahrttouristen?
Die Antwort liegt in Tempo und Orientierungslosigkeit. Kreuzfahrtreisende haben wenig Zeit, viele Eindrücke und oft sichtbare Kameras, Stadtpläne und offene Taschen. Die Diebe scheinen das zu wissen und richten ihre Zeitfenster danach. Besonders anfällig sind ältere Besucher, junge Reisende mit Rucksäcken und Menschen, die mit Ganggruppen unterwegs sind – sie bleiben selten lange an einem Ort. Händler beschreiben die Täter außerdem als organisiert: nicht einzelne Taschendiebe, sondern Teams mit klaren Rollen. Ein Vergleich zu einem Vorfall, bei dem aufmerksame Passanten am Mercat de l’Olivar einen mutmaßlichen Taschendiebstahl zuliessen, ist illustrativ für die Problematik.
Aspekte, die kaum auf dem Radar sind
Weniger diskutiert wird, wie stark die Arbeitsbedingungen der Marktleute die Situation verschärfen: Stände öffnen früh, Verkäuferinnen stehen mit den Händen beim Warenaufbau, der Blick ist auf die Präsentation gerichtet – ein natürlicher Nachteil gegenüber flinken Tätern. Ebenfalls übersehen wird die Lücke zwischen Hafen-Management, Stadtmarketing und Polizeiressourcen: Informationen über Stoßzeiten und erwartete Passagierzahlen werden nicht immer zeitnah geteilt. Und ein dritter Punkt: Präventionskommunikation in mehreren Sprachen fehlt oft genau dort, wo sie am meisten helfen würde. Eine ähnliche Problematik wurde bereits in einem Artikel über Kunsthandwerker thematisiert.
Konkrete, praktikable Lösungen
Die Händler haben klare Vorstellungen – und viele davon wären schnell umsetzbar. Kurzfristig würden sichtbare Fuß- und Fahrradstreifen der Polizei zwischen Hafen und Catedral helfen, besonders in den erwähnten Morgenstunden. Infoblätter in mehreren Sprachen oder kurze Lautsprecherdurchsagen an den Anlegestellen könnten Reisende sensibilisieren, bevor sie die Altstadt betreten. Ein Aushang an den Eingängen zum Garten mit einfachen Regeln (Tasche geschlossen, Rucksack vorne tragen, Wertgegenstände am Körper) ist kostengünstig und effektiv. Ein Beispiel für mutiges Einschreiten gibt es am Mercat de l’Olivar, wo ein Passant einen Taschendiebstahl verhinderte.
Mittelfristig sind bessere Daten- und Informationsflüsse nötig: ein Austausch zwischen Hafenbetreibern und Stadtpolizei über erwartete Passagierströme würde gezielte Präsenz erlauben. Händler schlagen außerdem vor, eine kleine Koordinationsgruppe zu bilden – ein digitaler Meldekanal, über den Zwischenfälle schnell erfasst und geteilt werden können. Technische Maßnahmen wie intelligente Kameras werden diskutiert, müssen aber datenschutzrechtlich sauber begleitet werden, damit der Garten nicht zum Überwachungspark wird. Zudem gibt es Berichte über polizeiliche Eingriffe wie den Handtaschenraub in Palma, die auf eine verstärkte Polizei-Präsenz hinweisen.
Was jetzt schon jeder tun kann
Ein paar einfache Verhaltensregeln helfen sofort: Crossbody-Taschen mit Reißverschluss, das Handy in der vorderen Hosentasche, Geld getrennt aufbewahren oder ein Dummy-Portemonnaie – Tipps, die viele Händler bereitwillig weitergeben. Besucher sollten sich auch morgens, wenn die Gruppen ankommen, bewusst etwas langsamer bewegen und kurz innehalten, um Taschen zu schließen. "Wir wollen nicht Alarm machen", sagt ein älterer Verkäufer, während er Lavendelsträuße zurechtrückt, "sondern aufmerksam bleiben und die Leute sicher durch unseren Garten schicken."
Ausblick: Schutz ohne Abschottung
Der Königsgarten ist ein Ort, an dem das Stimmengewirr vieler Sprachen, der Duft von Blumenständen und das Klappern von Marktständen zusammenkommen. Er soll kein kontrollierter Ort werden, aber er braucht mehr Schutz. Eine Kombination aus kurzfristiger sichtbarer Präsenz, besserer Information an den Anlegestellen und einer stärkeren Vernetzung zwischen Händlern, Hafen und Polizei könnte das Gleichgewicht wiederherstellen. Wenn die Stadt und die Verantwortlichen jetzt handeln, bleibt der Garten genau das: ein offener, lebendiger Ort – nur mit etwas weniger Platz für die stillen Hände.
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