
Aggressiver Fahrer in Bendinat: Warum die Straßen nicht mehr nur ruhig sein dürfen
In Bendinat rammt ein Auto am Abend mehrfach einen Wagen, ein Mädchen entkommt nur knapp. Die Guardia Civil ermittelt — und die Nachbarschaft fragt: Was muss passieren, damit so etwas nicht wieder vorkommt?
Aggressiver Fahrer in Bendinat erschüttert Nachbarn: Drei Aufpralle, offenbar absichtlicher Anlauf
Es begann wie so viele Abende hier: Die Laternen klicken an, eine warme Brise trägt den Duft von Pinienharz und Meer heran, und irgendwo in der Nähe zirpen die letzten Zikaden. Kurz nach 20:15 Uhr verwandelte sich die ruhige Einmündung beim kleinen Eroski-Markt und der Repsol-Tankstelle in Bendinat jedoch in einen Ort, an dem Sicherheit und Gewohnheit plötzlich zerbrachen.
Zwei Frauen, Mutter und Tochter, halten ordnungsgemäß an der Einmündung Richtung Portals Nous. Ein grau lackierter Seat León rast heran, stößt mehrfach gegen ihr Heck. Der Streit eskaliert, der Fahrer wird verbal aggressiv. Als die Tochter versucht, das Kennzeichen zu fotografieren, setzt der Mann zurück — beschleunigt dann offenbar absichtlich so, dass das Mädchen nur durch einen beherzten Sprung unverletzt bleibt. Die Tochter kommt mit Nackenbeschwerden und Schock ins Krankenhaus, die Mutter wird ambulant wegen Schleudertrauma behandelt. Die Guardia Civil in Calvià ermittelt wegen Körperverletzung und gefährlicher Fahrweise.
Die Leitfrage
Wie kann jemand in einem Ort wie Bendinat so weit gehen — und was fehlt, damit solche Szenen nicht wieder vorkommen? Diese Frage zieht sich durch die Gespräche in den Straßencafés und WhatsApp-Gruppen. Es ist nicht nur eine juristische Frage, sondern eine städtebauliche, soziale und sicherheitsrelevante.
Mehr als ein Vorfall: Drei Aspekte, die oft zu kurz kommen
Erstens: Die Identifikation von Tätern scheitert häufig an der fehlenden Überwachung. In vielen Wohnvierteln Mallorcas begrenzen Datenschutzängste die Kameraausstattung — das macht Aufklärung schwerer. Zweitens: Die psychische Nachwirkung. In einer Urbanisation, in der man ansonsten die Nachbarshunde kennt, sitzen Angst und Misstrauen tief. Das Gefühl, auf einmal verwundbar zu sein, bleibt oft länger als körperliche Beschwerden. Drittens: Stadtplanung als Prävention. Einfache Eingriffe an Einmündungen, Sichtachsen und Fahrbahnführung werden selten mit Sicherheit als Priorität behandelt — obwohl gerade sie aggressive Begegnungen entschärfen können.
Konkrete Vorschläge statt Ohnmachtsgefühls
Die Antwort darf kein allgemeines „mehr Polizei“ bleiben. Effektiver wären kombinierte Maßnahmen: Tempo-30-Zonen, erhöhte Fahrbahnteile (erhabene Querungen) an neuralgischen Punkten und zusätzliche Beleuchtung, die nicht blendet, aber Sicht schafft. Wo es rechtlich möglich ist, gezielt überwachte Kreuzungen installieren — mit klarer Regelkommunikation zur Datenverarbeitung. Ein kommunales Dashcam-Register, das von der Gemeinde moderiert wird und ausschließlich für Ermittlungen genutzt werden kann, würde die Anonymitätsbarriere senken und Ermittlern schnellere Hinweise liefern.
Praktisch vor Ort helfen auch Verhaltensregeln: Abstand halten, keine Provokation, Fahrzeugnummer, Richtung und Fluchtroute merken, aus sicherer Distanz Fotos/Videos machen und sofort bei der Guardia Civil melden. Solche Verhaltenshinweise sollten sichtbar an Tankstellen, Supermärkten und Gemeindehäusern hängen — kurze, klare Anleitungen, die niemanden zu einem Helden machen, sondern schützen.
Die Rolle der Nachbarschaft
Bendinat lebt von seinem dichten Netz an Nachbarn, Bäckereibesitzern und Gärtnern. Dieses soziale Kapital kann in so einem Fall entscheidend sein: Wer greift in seine Dashcam, wer erinnert sich an ein ungewöhnliches Nummernfragment, wer hat Alarmgeräusche oder eine aggressive Fahrweise beobachtet? Die Guardia Civil bittet ausdrücklich um Hinweise — auch kleine Beobachtungen können den Ermittlern helfen.
Was die Ermittlungen bringen können
Die Polizei führt das Verfahren wegen Körperverletzung und gefährlicher Fahrweise. Kommt der Fahrer vor Gericht, drohen Geldstrafen, Führerscheinentzug und mögliche Haftstrafen bei vorsätzlicher Gefährdung. Aber Rechtsfolge allein beruhigt selten die Nerven der Gemeinschaft; nachhaltige Prävention und sichtbare Maßnahmen geben Vertrauen zurück.
Ein Appell an alle
Wenn Sie am Abend des 21. September in der Nähe der Repsol-Tankstelle, des Eroski oder in Richtung Portals Nous etwas gesehen oder aufgenommen haben, melden Sie sich bitte bei der Guardia Civil in Calvià. Sichern Sie Ihre Aufnahmen, notieren Sie Uhrzeit und Richtung der Flucht — jede Kleinigkeit zählt.
Und noch ein praktischer Hinweis: Helfen Sie, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. In Bendinat hören wir normalerweise eher das Meer und die Zikaden, nicht Motorengeheul. Das sollte so bleiben — dafür müssen wir jetzt gemeinsam sorgen.
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