Mit 75 ans Steuer: Wie ein Ex-Korrespondent in Montréal neu durchstartete

Vom Auslandskorrespondenten zum Fahrgastbegleiter: Ein Neustart in Montréal mit Blick nach Palma

Vom Auslandskorrespondenten zum Fahrgastbegleiter: Ein Neustart in Montréal mit Blick nach Palma

Mit 75 wieder ans Steuer: Ein ehemaliger deutscher Auslandskorrespondent berichtet, wie Fahrten mit einem Fahrdienst in Montréal ihm neue Alltagstöne gaben – und warum das auch Mallorcas Mobilität berührt.

Vom Auslandskorrespondenten zum Fahrgastbegleiter: Ein Neustart in Montréal mit Blick nach Palma

Warum Autofahren mehr sein kann als ein Job – und was Mallorca davon lernen kann

Als ich vor ein paar Wochen durch die Straßen von Montréal fuhr, war da dieser eigene Rhythmus: der Sound der Straßenbahnen, das Kreischen einer Möwe am Saint-Laurent bei Sonnenuntergang, das Rascheln von Zeitungen in Caféfenstern. Hinter dem Lenkrad saß kein junger Pendler, sondern ein Mann, der früher als Auslandskorrespondent unterwegs war und mit 75 Jahren eine überraschende Entscheidung traf: noch einmal Fahrten übernehmen, aber diesmal mit einem Fahrdienst per App.

Der Grund war weder Geldgier noch Abenteuerlust pur. Es ging um Ablenkung, um Struktur an Tagen, die sonst lang und unruhig werden, wenn man auf einen wichtigen medizinischen Eingriff wartet. Schon in der Heimat kennen wir dieses Warten: das Telefon, das zweimal am Tag klingelt, die Blicke aus dem Fenster, das Wetter, das jede Stimmung verändert. Für ihn wurde die Fahrerei zum Gegenmittel gegen diese Unruhe. Er holte Menschen ab, brachte sie an ihr Ziel, hörte kurze Lebensgeschichten und bekam selbst neue Alltagstöne zurück.

Eine der ersten Fahrten: ein junges Paar, Stadtzentrum, gerade angekommen. Der Wagen stand sauber da, moderner Typ, die Frau machte sofort ein Selfie. Ihre Reaktion – Überraschung gepaart mit Freude, dass ein so erfahrener Mensch sie chauffierte – zeigte, wie sehr Begegnungen auch Generationen verbinden. Der Fahrer erzählte später, dass viele Passagiere kleine Gespräche suchten: über lokale Cafés, über das Wetter, über die Nachbarschaft. Für ihn war das mehr als ein Nebenverdienst; es war wieder Teilhabe.

Auf unserer Insel hat sich ein ähnlicher Fahrdienst in den vergangenen Jahren etabliert und zuletzt 20 Abholflächen am Flughafen Palma gesichert. Das verändert Wege, Wartezeiten und Erwartungen. Touristen, Einheimische, Pendler – alle profitieren, wenn Angebot und Service stimmen. Konkurrenz kann dafür sorgen, dass Fahrzeuge sauberer sind, Taxifahrer aufmerksamer und Preise transparenter. Vor allem aber öffnet sie Raum für neue Arbeitsformen: auch für Ältere, die weiter aktiv bleiben möchten.

Ich sehe morgens die Lieferanten am Passeig Mallorca, höre das Klicken von Radschläuchen an der Hafenpromenade und treffe die Rentner, die Pülverchen mischen und Zeitung lesen. Wir könnten auf der Insel öfter darüber nachdenken, wie man älteren Menschen eine würdige, flexible Beschäftigung ermöglicht: klare Regeln, kurze Schichten, ärztliche Betreuung und Schulungen für den Umgang mit digitalen Plattformen. Das wäre eine Win-win-Situation: Menschen bleiben eingebunden, die Mobilität verbessert sich, und die Stadt gewinnt an Leben.

Der Mann in Montréal betont eine Sache immer wieder: Fahrten bedeuten Begegnungen — manchmal nur drei Sätze, manchmal ein Lächeln, das den Tag rettet. Diese kleinen Momente sind es, die Stadtteile vertrauter machen. Auf Mallorca kann genau dieses Prinzip helfen, die touristische Hektik zu dämpfen und gleichzeitig Einheimischen neue Chancen zu bieten.

Ein konkreter Vorschlag: Kommunen könnten Pilotprojekte starten, die erfahrenen Menschen erleichterten Zugang zu Fahrdiensten anbieten, begleitet von Gesundheitschecks und kurzen Trainings. Betreiber und lokale Behörden könnten gemeinsame Standards entwickeln: Ruhezeiten, Versicherungsfragen, und Anlaufstellen bei Problemen. Kein Hexenwerk, aber eine zielgerichtete Unterstützung, die Menschen wie unseren Fahrer stärkt – ohne sie in riskante Jobs zu drängen.

Am Ende bleibt die Lehre einfach und schön: Arbeit ist nicht nur Einkommen. Arbeit kann sein, wieder Teil des täglichen Geräuschs einer Stadt zu werden, Gespräche zu führen und morgens mit einem Ziel aus dem Haus zu gehen. Ob Montréal oder Palma – die Freude an kleinen Begegnungen kennt keine Grenze. Und das ist eine Botschaft, die wir auf der Insel gut gebrauchen können.

Häufige Fragen

Warum kann Autofahren für ältere Menschen auf Mallorca mehr sein als nur Arbeit?

Für viele ältere Menschen kann Fahren Struktur in den Tag bringen und soziale Kontakte schaffen. Gerade auf Mallorca, wo Mobilität im Alltag und im Tourismus wichtig ist, kann eine flexible Tätigkeit helfen, aktiv zu bleiben und sich nützlich zu fühlen. Wichtig sind dabei klare Regeln, passende Schichten und eine gesundheitliche Absicherung.

Wie kann ein Fahrdienst auf Mallorca den Alltag für Einheimische und Touristen verbessern?

Ein guter Fahrdienst erleichtert Wege, verkürzt Wartezeiten und macht Mobilität verlässlicher. Auf Mallorca profitieren davon sowohl Einheimische als auch Urlauber, wenn Angebote transparent, sauber und gut organisiert sind. Gleichzeitig kann ein solcher Dienst neue Arbeitsmodelle ermöglichen.

Welche Rolle spielt der Flughafen Palma für Fahrdienste auf Mallorca?

Der Flughafen Palma ist ein wichtiger Knotenpunkt für Ankünfte und Weiterfahrten. Wenn dort gut geregelte Abholflächen vorhanden sind, wird der Ablauf für Fahrgäste und Fahrer deutlich entspannter. Das kann die Orientierung verbessern und Wartezeiten am Flughafen reduzieren.

Ist ein Fahrdienst per App auf Mallorca eine echte Alternative zum Taxi?

In vielen Fällen kann ein App-basierter Fahrdienst eine praktische Alternative sein, vor allem wenn Verfügbarkeit und Preisstruktur klar nachvollziehbar sind. Auf Mallorca sorgt Konkurrenz oft dafür, dass Service und Transparenz stärker in den Fokus rücken. Für Fahrgäste ist entscheidend, was vor Ort tatsächlich verfügbar ist und wie zuverlässig das Angebot arbeitet.

Was sollten ältere Menschen auf Mallorca beachten, wenn sie noch als Fahrer arbeiten wollen?

Wer im höheren Alter noch fahren möchte, sollte die eigene Belastbarkeit realistisch einschätzen und medizinische Fragen ernst nehmen. Sinnvoll sind kurze Schichten, klare Ruhezeiten und eine gute Einweisung in digitale Abläufe. Auf Mallorca kommt hinzu, dass der Umgang mit Gästen und Saisonverkehr anstrengend sein kann.

Wie wichtig sind Gespräche mit Fahrgästen im Alltag auf Mallorca?

Kurze Gespräche können den Unterschied machen, weil sie Fahrten persönlicher und weniger anonym wirken lassen. Auf Mallorca gehört das oft zum Stadtleben dazu, ob über das Wetter, die Nachbarschaft oder den Urlaub gesprochen wird. Gerade in einem Fahrdienst entstehen so kleine Begegnungen, die beiden Seiten gut tun können.

Welche Arbeitsmodelle können für Senioren auf Mallorca sinnvoll sein?

Für Senioren sind vor allem flexible Tätigkeiten sinnvoll, die wenig starre Belastung mit sich bringen und dennoch Struktur geben. Auf Mallorca kommen dafür etwa kurze Fahrdienste, Begleitfahrten oder andere klare Teilzeitmodelle infrage. Wichtig ist, dass sie sich gut mit Gesundheit und Alltag vereinbaren lassen.

Wie kann Mallorca von mehr Teilhabe älterer Menschen im Berufsleben profitieren?

Wenn ältere Menschen weiter am Arbeitsleben teilhaben, bleibt Erfahrung im Alltag sichtbar und nutzbar. Für Mallorca kann das mehr soziale Nähe, verlässlichere Dienste und ein lebendigeres Stadtleben bedeuten. Wichtig ist allerdings, dass solche Tätigkeiten freiwillig, sicher und gut begleitet sind.

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