Smoldered Mediterranean vegetation and charred trees on Mallorca coastline after a 2025 wildfire

Bilanz 2025: Weniger Waldbrände — Grund zur Sorge oder zur Selbstzufriedenheit?

Bilanz 2025: Weniger Waldbrände — Grund zur Sorge oder zur Selbstzufriedenheit?

82 Feuer, 17 Hektar verbrannt, 96 Prozent menschengemacht: Warum die Bilanz gut aussieht — und warum Mallorca trotzdem nicht entspannen darf.

Bilanz 2025: Weniger Waldbrände — Grund zur Sorge oder zur Selbstzufriedenheit?

Klare Leitfrage: Reicht ein Jahr mit wenigen Bränden, um die Brandschutzpolitik auf Mallorca für gut zu befinden, oder vernebelt die Zahl den Blick auf strukturelle Risiken?

Die nackten Zahlen sind verlockend: 82 Feuer auf den Balearen im Jahr 2025, lediglich 17 Hektar verbrannte Fläche — auf Mallorca wurden 39 Brände gezählt. Das liegt unter dem Zehn-Jahres-Schnitt von 88 Feuern und 148 verbrannten Hektar. Schneller Schluss: Entwarnung? Nicht so schnell.

Wenn man an einem kalten Januarmorgen durch die Serra de Tramuntana fährt, riecht man noch die Harze der Pinien, hört das Knarren alter Steinstufen in Dörfern wie Fornalutx und sieht Bauern an Olivenbäumen arbeiten. Diese Normalität ist trügerisch: 96 Prozent der registrierten Brände gingen 2025 auf menschliches Handeln zurück. Nur vier Prozent waren Naturereignisse wie Blitzeinschläge. Das heißt: Die Lösung liegt zwar nicht ausschließlich in den Händen von Technikern und Behörden, sie liegt aber zentral in unserem Alltag — im Verhalten von Bewohnern, Landwirten und Gästen.

Die gute Jahresbilanz täuscht über zwei Problemzonen hinweg. Erstens: Flächenstatistiken vernachlässigen die Dynamik. Kleine, schnell gelöschte Feuer summieren sich nicht linear mit dem Risiko für Großbrände. Ein paar Dutzend kleine Brandherde in windigen Lagen können in einem heißen Sommer zur Katastrophe werden, wenn Vegetation, Wind und Temperaturen zusammenkommen.

Zweitens: Die Verteilung des Risikos ist ungleich. Mallorca registrierte fast die Hälfte aller Insel-Brände. Die Insel ist dicht besiedelt, touristisch stark frequentiert und von einem Netz aus Spazierwegen, Zufahrten und Landstraßen durchzogen — ein Umfeld, in dem menschliche Fehler und Brandstiftung schnell Folgen haben. Die 17 Hektar sind aktuell überschaubar, doch das ist kein Schutzbrief für künftige Jahreszeiten.

Ministerialaussagen machen einen Punkt deutlich: Der Klimawandel verschiebt die Verhältnisse. Höhere Temperaturen, längere Trockenperioden, veränderte Vegetationsmuster erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Funke zur Stichflamme wird. Das Landwirtschaftsministerium setzt deshalb auf präventive Wintermaßnahmen, vor allem auf Brandschutzstreifen. 1,5 Millionen Euro wurden vorerst bereitgestellt. Gute Richtung, aber nicht die ganze Antwort.

Was in der öffentlichen Debatte fehlt, ist ein konkretes Bild davon, wie diese Mittel eingesetzt werden: Werden Brandschutzstreifen dort angelegt, wo Windverhältnisse und Hangneigungen ein Feuer schnell nach oben treiben? Gibt es Prioritäten für Schutz von Siedlungen, Wasserentnahmepunkten und Zufahrten für Löschfahrzeuge? Ohne solche Details bleibt die Maßnahme ein Versprechen, kein Plan.

Die Situation verlangt eine Kombination aus technischen, organisatorischen und sozialen Antworten. Technisch: Investitionen in permanente Wasserspeicher, Ausbau von Zufahrten für Einsatzfahrzeuge und modernere Detektion (Kameras an neuralgischen Punkten, gezielte Satellitenbeobachtung in der Trockenzeit). Organisatorisch: Bessere Koordination zwischen Gemeinden, Forstbehörden und Feuerwehr, klar definierte Verantwortlichkeiten für die Pflege von Randzonen entlang von Wegen und Straßen. Sozial: Aufklärungskampagnen für Bewohner und Gäste, klare Regeln zu offenem Feuer, Rauchern an Straßenrändern und kontrollierten Verbrennungen in der Landwirtschaft.

Ein Alltagsszene, die viel sagt: An einem Sonntagnachmittag am Strand von Port d'Andratx beobachtet eine Familie, wie ein Grill unbeaufsichtigt glimmt, während Wind Böen über die Küste schickt. Solche kleinen Nachlässigkeiten sind keine Bilder einer Katastrophe — heute. Sie sind aber die häufigsten Vorstufen zu Feuerabwehrroutinen, die später Spezialkräfte binden müssen. Prävention muss also in die Tourist-Info, den Mietwagen-Vertrag und auf die Parkplätze der Wanderwege.

Konkret umsetzbare Vorschläge: 1) Verteilung der 1,5 Millionen Euro nach Gefährdungsgrad, nicht nach Gemeindegröße; 2) Subventionen für kontrolliertes Beweiden und maschinelle Entbuschung in kritischen Randzonen; 3) verpflichtende Schulungen für Landwirte, die Brandrodungen durchführen; 4) mobile Wasserspeicher und Löschleitungen entlang von stark frequentierten Wanderwegen; 5) eine helle, leicht verständliche Kennzeichnung gefährdeter Gebiete und offizieller Ruhezeiten für Feuer und Grillen in der Trockenperiode.

Ein letztes Wort zur politischen Aufmerksamkeit: Ein gutes Jahr ist kein Freibrief. Die derzeitige Bilanz bietet eine Chance — nicht zum Ausruhen, sondern zum strategischen Aufrüsten. Es ist leichter und günstiger, Brandschutzstreifen sinnvoll zu planen und lokale Präventionsnetzwerke aufzubauen, wenn man nicht gerade einen Großbrand löscht. Würde man das Budget für kurzsichtige Maßnahmen verwenden, wäre das kurzsichtiger als jeder Funken nach einem heißen Sommer.

Fazit: Die Zahlen 2025 sind erfreulich, aber kein Beweis, dass das Risiko gebannt ist. Wer in Palma an der Plaça Major seinen Kaffee trinkt oder auf dem Camí de sa Figuera wandert, profitiert von guten Rahmenbedingungen — diese müssen jetzt nachhaltig gepflegt und verbessert werden. Ein ruhiges Jahr darf nicht zur Ausrede für fehlende Planung werden.

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