Sa Torre: Prozess um 200.000 € – Finca im Regen

Sa Torre bei Llucmajor: Finca‑Besitzer im Regen – Prozess um 200.000 Euro

In Sa Torre bei Llucmajor beginnt ein Prozess: Ein deutscher Bauunternehmer soll für Sanierungsarbeiten rund 200.000 Euro verlangt, aber Pflichten verletzt haben. Was bleibt, ist der Ärger — und die Frage, wie man sich besser schützt.

Als die Baustelle stillstand, stand die Finca unter Wasser

Der Geruch von nassem Stein hing noch lange in der Luft, nachdem ein heftiger Herbstregen die aufgelegte Plane auf dem halbfertigen Dach zum Wasserbecken gemacht hatte. Sa Torre bei Llucmajor, sonst geprägt von Feierabenden auf den Terrassen und dem entfernten Läuten der Dorfkirche, wurde 2017 Zeuge einer Baustelle, die plötzlich zum juristischen Stolperstein wurde.

Worum es geht

Die Anklage gegen einen deutschen Bauunternehmer dreht sich um ein Sanierungsprojekt an Terrasse, Dach und Wärmedämmung einer Finca: Gefordert wurden laut Anklageschrift rund 200.000 Euro. Im schriftlichen Vertrag war außerdem die Einbindung eines Architekten und die Regelung festgehalten, dass erst nach Fertigstellung gezahlt wird. Doch das Projekt kam nicht zum Abschluss, manches wurde offenbar gar nicht beantragt – etwa die nötigen Formalitäten beim Rathaus. Laut einem Artikel über Zahlungen verschwunden wird in ähnlichen Fällen häufig von Problemen berichtet.

Die zentrale Frage

Die Leitfrage, die dem Prozess vor dem Landgericht zugrunde liegt, ist simpel und unbequem: Wie kann ein Auftrag, der auf dem Papier geregelt wirkt, so aus dem Ruder laufen, dass Eigentümer am Ende nicht nur mit feuchtem Mauerwerk, sondern auch mit hohen Kosten dastehen? Und wer trägt die Verantwortung, wenn Formales und Praxis auseinanderdriften? Diese Fragen sind angesichts des Immobilienbetrugs in Palma besonders relevant.

Was oft übersehen wird

Der Fall offenbart mehr als ein Einzelfall. In Gesprächen mit Nachbarn hört man von fehlenden Genehmigungen, halbvollen Gerüsten und Arbeitern, die kommen und verschwinden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, das Dach zwar abgenommen, aber keine Abdichtung angebracht zu haben. Ergebnis: eindringendes Wasser, ein beschädigter Innenraum und knapp 7.914 Euro an unmittelbaren Reparaturkosten. Insgesamt fordert die Anklage neben einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren auch eine Geldbuße von mindestens 5.400 Euro sowie Entschädigungen in Höhe von rund 16.000 Euro. In ähnlichen Situationen, wie sie in Finca-Buchungen vorkommen, sind die Eigentümer oft genauso im Nachteil.

Weniger beachtet wird dabei die Rolle der Institutionen und der Professionen: Wurde das Bauvorhaben vom zuständigen Architekten ausreichend überwacht? Hätte das Rathaus früher eingreifen können? Und welche Informationsdefizite haben Eigentümer – oft ausländische Käufer –, die auf Vertrauen statt behördlicher Kontrolle setzen?

Konkrete Schutzmaßnahmen für Finca‑Besitzer

Der Fall lässt sich nicht allein mit Empörung lösen, wohl aber mit Prävention. Einige einfache, aber wirksame Schritte, die jeder Immobilieneigentümer auf Mallorca beachten sollte:

Vereinbarungen schriftlich und präzise: Festhalten, dass Zahlungen an Baufortschritte gebunden sind; Meilenstein‑Zahlungen an Nachweise knüpfen.

Architekt und Genehmigungen prüfen: Vor Vertragsunterzeichnung die Praxis des Architekten prüfen (bei der zuständigen Berufsvereinigung) und Kopien der licencia de obras beim Ayuntamiento einsehen.

Sicherung der Vorauszahlungen: Bankgarantie oder Verwahrung auf Treuhandkonto fordern; Vorschüsse begrenzen.

Versicherungen und Nachweise: Nachweisen lassen, dass der Unternehmer eine gültige Betriebs- und Haftpflichtversicherung hat (seguro de responsabilidad civil).

Dokumentation vor Ort: Fotos, Zeugen, schriftliche Mängelrügen und – falls nötig – Gutachten eines unabhängigen Bausachverständigen.

Kommunale Anlaufstellen: Die Oficina Municipal de Información al Consumidor des Ayuntamiento und die Berufsverbände können im Streitfall Hilfestellung geben.

Welche Rolle spielt die Gemeinschaft?

Auf den kleinen Plätzen von Llucmajor und in Straßencafés hört man inzwischen häufiger die Frage nach verlässlichen Firmen. Hier liegt auch eine Chance: lokales Netzwerk, Empfehlungssysteme und transparente Listen geprüfter Unternehmer könnten das Risiko für Eigentümer deutlich senken. Ein murrendes Gespräch auf einer Barreta kann zur Grundlage für ein seriöses Netzwerk werden — wenn die Nachbarn bereit sind, Erfahrungen zu teilen. Das zeigt sich auch in Diskussionen um Handwerker-Betrug, die die Gemeinschaft zusätzlich belasten.

Was der Prozess bringen kann

Nächste Woche beginnt die Verhandlung am Landgericht. Dort wird geklärt, ob Absprachen gebrochen wurden, ob Formalitäten bewusst ignoriert wurden und ob der Bauunternehmer haftbar ist. Für die Betroffenen geht es um Aufklärung, Rückerstattung und um ein Signal: Wird handwerkliches Fehlverhalten straf‑ und zivilrechtlich geahndet, oder bleibt am Ende nur der bittere Geschmack von Vertrauensverlust?

Am Ende bleibt ein praktischer Rat, den man hier oben zwischen Zitrusbäumen und Pinien oft hört: Lieber zweimal nachfragen als einmal zu viel vertrauen. Der Klang der Baustellenbohrmaschine und das Klirren einer Kaffeetasse in einer Calle sind alltäglich — der Geruch von nassem Gips nach einem Regen sollte es nicht sein.

Hinweis: Alle genannten Zahlen stammen aus der Anklageschrift; das Gericht wird nun endgültig entscheiden, wie sich die Dinge rechtlich darstellen.

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