
Costa de Canyamel: Reparaturen starten — und jetzt?
Capdepera kündigt Ausbesserungen in Costa de Canyamel an. Bewohner atmen auf — doch viele Fragen bleiben: Sind das nur Flickarbeiten oder der Anfang einer echten Infrastrukturwende?
Costa de Canyamel: Reparaturen starten — ein Anfang mit Fragezeichen
Wer abends durch Costa de Canyamel fährt, kennt das Bild: Scheinwerfer schneiden durch die Dämmerung, Staubwolken steigen auf und an einigen Ausfahrten knirscht der Reifen über losen Schotter. Nach Jahren des Wegsehens hat die Gemeinde Capdepera angekündigt, die schlimmsten Stellen zu reparieren. Für die rund 270 Eigentümer klingt das erst einmal wie Erleichterung. Die entscheidende Frage aber bleibt: Wird das nur Kosmetik — oder der Auftakt zu einer echten Infrastrukturwende?
Was geplant ist — und was im Dunkeln bleibt
Aus dem Rathaus heißt es nüchtern: punktuelle Ausbesserungen mit Heißasphalt, dort mit Grundierung und Haftschicht, an manchen Stellen Betonpflaster. Das Volumen: ein mittlerer sechsstelliger Betrag. Wichtig sei, es handle sich nicht um reine Flickschusterei, betont man. Dennoch bleibt: Es sind selektive Eingriffe, keine Komplettsanierung.
Paulino Faba, der für die Gemeindeplanung verantwortlich ist, beschreibt die Strategie als abgestuftes Vorgehen — akut sanieren, beobachten, nachbessern. Das hat Pragmatismus, aber auch Schwächen: Kürzungen im Haushalt oder bürokratische Verzögerungen können die Folgearbeiten gefährden. Und die großen Baustellen der Siedlung — Kanalisation, Beleuchtung, Trinkwasserversorgung und Brandschutz — bleiben ungelöst. Informationen dazu finden sich auch in unserem Artikel Costa Canyamel: 22 Jahre Behördenschlaf – wem gehört die Verantwortung?.
Die Anwohner haben längst gehandelt
Ein Detail, das sich leicht verlieren lässt: Die Bewohner haben nicht tatenlos gewartet. Unter der Leitung von Eva Jung‑Gohlke investierte die Nachbarschaft im Frühjahr eigeninitiativ einen mittleren fünfstelligen Betrag, beauftragte eine lokale Firma und ließ Teilstücke asphaltieren. Das ist keine bloße Geste, sondern ein Protest in Beton: Die Verwaltung bewegt sich, weil der Druck wächst.
Paradoxerweise liegt ein größeres Projekt zur Komplettversorgung brach — einst mit rund 19 Millionen Euro kalkuliert, scheiterte es an rechtlichen Hürden. Solche Zahlen wirken abstrakt; für die Menschen vor Ort zählt die tägliche Erschwernis: dunkle Straßen, fehlende Bürgersteige, überwucherte Fluchtwege im Brandfall.
Was in der Debatte zu kurz kommt
Vor Ort fallen zwei oft übersehene Punkte auf: Erstens die Rechtslage der Straßen und Leitungen. Vieles, das wie öffentlicher Raum wirkt, ist privat oder rechtlich ungeklärt. Das verkompliziert Förderanträge und Verzögerungen bei Genehmigungen sind vorprogrammiert. Zweitens die langfristigen Folgekosten. Punktuelle Ausbesserungen klingen günstig — auf Dauer können aber wiederkehrende Reparaturen und höhere Betriebskosten teurer kommen als eine durchdachte Sanierung.
Und dann ist da noch das Thema Licht. Abends ist es in Teilen Canyamels so dunkel, dass Grillenzirpen und das Rascheln der Kiefern lauter wirken als sonst. Dunkelheit ist nicht nur romantisch; sie schmälert Sicherheitsgefühl und erschwert im Ernstfall Evakuierungen. Temporäre LED‑Leuchten, besser positionierte Laternen oder provisorische Stromanschlüsse könnten hier schnell für mehr Sicherheit sorgen.
Vier Schritte, damit aus Ankündigung Realität wird
Die Ankündigung ist ein wichtiges Signal — damit es nicht beim Signal bleibt, schlage ich vier praktikable Maßnahmen vor:
1. Prioritätenkarte erstellen: Gemeinsam mit Anwohnern eine sichtbar einfache Karte der kritischsten Abschnitte anfertigen. So wird transparent, wo wirklich Fluchtwege, Zugänge zu Häusern und Notversorgungen liegen — kein wildes Reparieren nach Bauchgefühl.
2. Zeitlich gestaffelte Maßnahmen: Kurzfristig Hot‑Asphalt für Fluchtwege und Zugänge; mittelfristig Entwässerung und Grundbeleuchtung; langfristig die Prüfung einer kompletten Kanalisation und eines Brandschutzkonzepts — verbunden mit einem klaren Finanzierungsfahrplan. Diese Maßnahmen stehen beispielhaft für den Millionenplan für 2026 zur Aufwertung der Region.
3. Rechtliche Bestandsaufnahme: Die Eigentumsverhältnisse der Straßen und Versorgungsleitungen müssen offen gelegt werden. Nur so sind Fördermittel, Pachtverträge oder Übergaben zu regeln und Genehmigungen zu beschleunigen.
4. Beteiligung und Kontrolle: Ein kleines Komitee aus Gemeinderat, Technikern und Anwohnervertretung, das Ausschreibungen und Ausführungen begleitet. Transparente Begehungen vor Ort schaffen Vertrauen und verhindern, dass echte Bedürfnisse im Verwaltungskorridor versanden.
Ein nüchterner, lokaler Ausblick
Die Stimmung in Costa de Canyamel ist leicht aufgehellt. Wenn der Wind vom Meer herüberweht, riecht man Salz, die Kiefern rauschen und manchmal hört man das entfernte Klacken eines Fahrrads — Geräusche, die hier zum Alltag gehören. Was man weniger gern hört, ist das Knirschen der Reifen auf marodem Asphalt. Kleine Schritte können viel bewegen, wenn sie konsequent und transparent begleitet werden.
Die Gemeinde hat jetzt die Chance: aus einer punktuellen Maßnahme eine nachhaltige Perspektive zu machen. Die Bewohner wollen nicht dauernd an der Reparaturkette drehen — sie wünschen sich Straßen und Infrastruktur, die in zehn Jahren noch funktionieren. Das wäre kein Blick in Utopie, sondern schlicht eine vernünftige Haushaltspolitik mit lokalem Sinn für die Lebensqualität.
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