Matinee in der Bodega Macià Batle: Frühling, Wein und Kammermusik

Duft des Frühlings: Matinee in der Bodega Macià Batle

Duft des Frühlings: Matinee in der Bodega Macià Batle

Bei milden 16°C füllte sich die Bodega Macià Batle zu einer Frühlingsmatinee: Wein, Tapas und ein Kammertrio, das zwischen Schumann‑Romantik und Haydn‑Heiterkeit pendelte.

Duft des Frühlings: Matinee in der Bodega Macià Batle

Wein, Tapas und Kammermusik — ein sonniger Vormittag nördlich von Palma

Am Sonntag wirkte die Zufahrt zur Bodega Macià Batle wie eine Einladung: Autos zwischen Olivenbäumen, kleine Gruppen, die noch Mäntel über den Arm geschlagen hatten, und die leise Erwartung, die entsteht, wenn ein Raum nach Musik und geöffneten Weinflaschen duftet. In Palma waren es laut Anzeige rund 16°C — genau das Wetter, bei dem man gerne eine Matinee besucht.

Die Besetzung: Violine, Cello, Klavier. Nina Heidenreich an der Violine, Alexey Stadler am Cello und der Mallorquiner Xavier Ricarte am Klavier. Kein großes Orchester, kein Pomp — sondern direkte, intime Kammermusik, die man fast schon aus nächster Nähe atmen konnte. Vor dem ersten Ton gab es eine kurze, launige Begrüßung durch den Besitzer der Bodega und die Musikerin; dann mischten sich Klang und Gespräch mit dem Tosen eines nahen Traktors und dem Klirren von Gläsern bei der Weinverkostung.

Der Vormittag begann mit Werken, die eher auf Farben als auf Virtuosität setzten. Schumanns Adagio und Allegro wurde hier nicht überfrachtet, sondern fein ausgeleuchtet: Stadlers Cello trug einen warmen, vollen Kern, die Violine zeichnete die Linien mit behutsamer Kantenzeichnung, und Ricarte sorgte für jene luftige Transparenz am Klavier, die Kammermusik atmen lässt. Die Musik setzte sich fort mit Stücken von Fauré und einer Sicilienne, die zwischen Zärtlichkeit und leichtem Tanz schwankte. Solche Momente fühlten sich an wie ein Spaziergang durch blühende Sträucher — nah, aber nicht aufdringlich.

Besonders überraschend waren die russischen Färbungen in der Auswahl: Glazunovs «Sérénade espagnole» brachte eine eigenwillige Mischung aus mediterranen Motiven und osteuropäischer Klangmalerei; die Musiker fanden für diese Mischung den richtigen Ton, manchmal schmunzelnd, manchmal sehr ernst. Ein kürzeres, frisches Stück mit dem Titel «At the Fountain» ließ kleine, perlende Figurationen aufblitzen — eine musikalische Quelle, die das Publikum lächelnd zur Kenntnis nahm.

Nach der Pause wechselte die Stimmung in Richtung Heiterkeit und Rhythmus. Das bekannte Beethoven-Trio mit dem Gassenhauer-Motiv wurde mit einer Leichtigkeit gespielt, die anlockte: präzise Einsätze, federnder Schwung und genug Raum für kleine, fast improvisatorische Einsprengsel. Haydns «Gipsy Trio» zog ebenfalls mit Energie und einem fast folkloristischen Witz durch den Raum; der Komponist schien geradezu ein Frühjahrsbild zu malen, lebendig und ein bisschen verschmitzt. Das abschließende «Rondo à l'Ongarèse» setzte noch einmal einen funkelnden Schlusspunkt, die Wiederholung als Zugabe war ein echter Ohrwurm für die Heimfahrt.

Was bleibt von diesem Vormittag? Zunächst: die Verbindung aus Wein und Musik funktioniert. Die Weinproben und die kleinen Tapas, die zwischen den Programmpunkten gereicht wurden, machten aus dem Konzert kein elitäres Ereignis, sondern eine Nachbarschafts‑Feier mit internationalen Gästen. Außerdem: die Präsenz eines Solisten wie Alexey Stadler, der technisch souverän und zugleich sehr unmittelbar spielte. Sein Cello sprach mit Farben, ohne Effekthascherei; Heidenreichs Violine fand dazu poetische, manchmal klar ziselierte Gegenstimmen; Ricarte war der ruhende, klangliche Pol, der alles zusammenhielt.

Für Mallorca ist so ein Format mehr als eine nette Sonntagsbeschäftigung. Es verbindet Kultur mit lokaler Wirtschaft, bringt Besucher in die Weinregionen und bietet jungen wie etablierten Musikern eine Bühne abseits großer Säle. Solche Matineen schaffen Räume, in denen Kultur nahbar bleibt — und das tut der Insel gut, wenn der Alltag sonst von Tourismusdebatten und saisonalen Hochs und Tiefs geprägt ist.

Wer Lust bekommen hat: Das nächste Konzert in der Bodega ist am 12. April geplant, ein Klavier‑Recital von Matteo Weber. Außerdem kündigt die Veranstaltungsreihe Auftritte im Rahmen eines kleinen Festivals an der Küste an. Nächste Woche erscheint außerdem ein Gespräch mit einer der Musikerinnen zur Idee hinter dem Konzertformat und ihren Plänen für die Saison.

Am Ende verließen die Gäste den Hof mit einem letzten Schluck im Glas, dem Klang einer Melodie im Ohr und dem Gefühl, etwas Vertrautes neu erlebt zu haben. So sollte Frühling beginnen: mit Wärme, Gesprächen und Musik, die einem das Gehen vergnüglich macht.

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