Morgenkonzert in der Bodega: Mozart, Rachmaninoff & Dvořák — intime Kammermusik auf Mallorca

Morgenmusik in der Bodega: Ein leiser Herbstauftakt mit Mozart, Rachmaninoff und Dvořák

Ein kleines Morgenkonzert in einer Bodega verbindet auf Mallorca Nähe, Musik und Gemeinschaft: Mozart, Rachmaninoff und Dvořák gaben den Ton an — klar, herzlich und nachhaltig.

Ein Morgenkonzert, das lange nachklingt

Sonntagvormittag, kurz nach 11:00: Die Luft roch nach frisch aufgebrühtem Espresso und nassen Olivenbäumen, die Oktobersonne machte die Schatten weich. In der kleinen Bodega herrschte diese vertraute Enge, die hier auf der Insel so viele mögen — wenige Reihen Stühle, Kerzenflackern, das leise Klirren einer Espressotasse im Foyer. Dann senkte sich Stille. So begann der erste Termin der Herbstkonzertreihe; ein Auftakt, der tröstlich wirkte und ganz unaufgeregt Nähe schuf.

Ein Ensemble, das verbindet

Ariadna Ferrer (Violine), Hanga Fehér (Bratsche) und Llorenc Rosal (Cello) eröffneten mit Mozarts Streichquartett KV 157. Schon in den ersten Takten zeichnete sich ab: Es ging nicht um Effekte, sondern um Zusammenspiel. Die Sätze atmeten, die Phrasen schmiegten sich aneinander wie Hände, die man kennt. Man hatte das Gefühl, diesem kleinen Gespräch der Musikerinnen und Musiker direkt beizuwohnen.

Als später der junge Pianist Matteo Weber hinzukam, verwandelte sich die Besetzung in ein Klavierquintett. Sein Anschlag war klar, nie aufdringlich; gerade in den üppigeren Passagen fand er ein ausgewogenes Verhältnis von Kraft und Zurückhaltung. Besonders bei den Rachmaninoff-Etudes-Tableaux zeigte sich: Virtuosität als Ausdrucksmittel, nicht als Selbstzweck.

Vom hellen Mozart zum dunklen Rachmaninoff

Der Wechsel von Mozarts frühem Leuchten zu den dichten Klangflächen Rachmaninoffs hätte holprig wirken können. Doch die Musiker bauten Brücken. Melodische Logik und ein feines Gespür für Klangfarben machten aus dem Stilwechsel einen ruhigen Bogen. Es gab Momente, da wurde die Musik beinahe filmisch — dunkle Harmonien, stürmische Läufe, dann wieder ein zurückhaltendes Flüstern. Diese Wechsel hielten die Aufmerksamkeit und machten das Hörerlebnis intensiv und echt.

Dvořák: Bodenständige Heiterkeit ohne Kitsch

Zum Abschluss erklang das Klavierquintett von Antonín Dvořák. Hier traf solides Handwerk auf Spielfreude. Die Musikerinnen und Musiker blieben präzise, ließen aber auch die tanzenden, bodenständigen Elemente aufblitzen — ohne in folkloristische Übertreibungen zu verfallen. Das Ergebnis war ein frischer Puls, der an Dorffeste und Volksmelodien erinnert, ohne sie zu karikieren. Kein ekstatisches Toben, sondern ein warmes, langes Hantklopfen des Publikums, wie nach einem guten Buch, das man weiterempfiehlt.

Warum solche Konzerte auf Mallorca wichtig sind

Bodegakonzerte funktionieren, weil sie Nähe schaffen. Kammermusik entfaltet in kleinen Räumen genau das, was sie am besten kann: Transparenz, Dialog, das Gefühl, direkt am Entstehungsprozess teilzuhaben. In Zeiten großer Hallen und lauter Inszenierungen ist es wohltuend, eine Stunde konzentrierter Musik zu erleben, bei der jede Nuance zählt.

Für die Inselkultur bedeutet das mehr als ein weiterer Konzerttermin — es ist ein gemeinsamer Akt. Menschen kommen zusammen, hören aufmerksam zu, sprechen anschließend über Melodien, fangen Gespräche an, die sonst nicht entstehen würden. Solche Abende stärken das lokale Kulturleben, bieten jungen Künstlerinnen und Künstlern Auftrittsmöglichkeiten und zeigen Gästen eine andere, leisere Seite Mallorcas. Die Veranstalterinnen haben ein glückliches Händchen bewiesen: Programm, Spielniveau und Raum passten zusammen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einem Land, das oft laut und schnell sein will.

Der Blick nach vorn

Wer Lust bekommen hat: Der nächste Abend der Reihe findet am 19. Oktober unter dem Motto „Pianobox“ mit der Pianistin Maria Radutu statt. Kartenreservierungen laufen meist telefonisch oder per WhatsApp; ein früher Anruf kann nicht schaden, wenn man sicher einen Platz möchte. Und ein kleiner Tipp am Rande: Wer öfter solche Reihen besuchen will, sollte sich vormerken lassen — die Bodega hat nur begrenzte Plätze, und gerade diese Enge macht den Reiz aus.

Für mich bleibt der Morgen in der Bodega ein ruhiger, sehr persönlicher Start in die Saison. Kein Spektakel, keine Übertreibung — einfach gute Musik, gespielt mit Verstand und Gefühl. Danach trat ich hinaus in die noch warme Straße, das Sonnenlicht glitt über die alten Steine, der Duft von Oliven lag in der Luft. Die Musik begleitete mich bis zur nächsten Straßenecke. Genau das ist der Reiz dieser kleinen Abende: Sie nehmen einen mit, leise, aber nachhaltig. Der Konzertreihe sollte man unbedingt folgen, um die Vielfalt der Aufführungen zu erleben.

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