
Emaya will Palma‑Rohrnetz schneller erneuern – Zwischen Versprechen und Baustellenrealität
Nach zwei Rohrbrüchen in Palma kündigt Emaya ein beschleunigtes Erneuerungsprogramm an. Die Ankündigung ist nötig, doch die Stadt steht vor kniffligen Fragen: Wie schnell lassen sich die Leitungen wirklich austauschen, wer zahlt und wie bleiben Verkehrsfluss sowie Lebensqualität erhalten?
Rohrbrüche als Weckruf
Der laute Riss im Asphalt am Montagmorgen – erst das Knacken, dann das Wasser, das wie aus einer geborstenen Ader der Stadt schoss – war für viele Anwohner in Son Castelló, Es Molinar, Can Pastilla und Santa Catalina keine bloße Nachricht, sondern ein Erlebnis. Stundenlang kein Wasser im Hahn, der Kaffee kalt, die Dusche aus und in der Straße der Geruch von nassem Beton und Metall. Solche Szenen wiederholen sich auf Mallorca inzwischen zu oft, und Emaya hat endlich reagiert: Die Erneuerung des Leitungsnetzes soll beschleunigt werden, mit ersten Maßnahmen schon 2026 und dem Ziel, bis 2030 etwa 21 Prozent des Netzes zu erneuern.
Die zentrale Frage: Reicht das Tempo?
Ambitioniert klingt das in der Theorie. Praktisch stellt sich die Frage, ob die geplante Beschleunigung ausreicht, um die akuten Probleme zu beheben. Im vergangenen Jahr wurden nur 15 Kilometer saniert – gerade einmal 1,35 Prozent des Netzes. Bei diesem Tempo wäre das Ziel für 2030 kaum zu erreichen. Entscheidend sind nicht nur die Kilometerleistung, sondern auch Priorisierung, Arbeitsweise und Wiederinbetriebnahme-Strategien. Reicht es, alte Rohre zu ersetzen, oder braucht Palma ein intelligenteres Netz mit Druckmanagement und Leckageerkennung? Weitere Informationen zu Rohrbrüchen finden Sie in unserem Artikel über den Rohrbruch in der Calle Olmos.
Was in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt
Oft reden Verwaltung und Presse über Zahlen und Kilometer, weniger über die Alltagsfolgen: Wer koordiniert Nachtarbeiten, damit die Hitze des Sommers nicht durch monatelange Baustellen verstärkt wird? Wie ist die Versorgung in Touristenhochburgen garantiert, ohne dass Hotels und Restaurants wochenlang leiden? Und wie reagieren Anwohner, wenn aus einer Hauptstraße eine stundenlang gesperrte Baustelle wird? Wenig beleuchtet sind außerdem die Personal- und Materialengpässe: Fachfirmen sind gefragt, Beton und spezielle Rohre nicht immer sofort verfügbar. Ein weiterer, seltener genannter Punkt ist die Wahl der Technik. Offene Baugruben bringen Sichtbarkeit und schnelle Ergebnisse, verstopfen aber Straßen und Fußwege. Moderne, grabenlose Verfahren (wie Spülbohrungen oder Inlinerverfahren) wären bei dicht bebauten Vierteln wie Santa Catalina oft sinnvoller, sind aber teurer und erfordern Spezialfirmen.
Konkrete Chancen und machbare Lösungen
Aus der Situation lassen sich konkrete Vorschläge ableiten. Erstens: Priorisieren nach Risiko, nicht nur nach Alter der Rohre. Viertel mit wiederholten Ausfällen, wie Santa Catalina oder Can Pastilla, sollten Vorrang haben. Zweitens: Pilotprojekte mit grabenlosen Techniken starten, etwa nachts, um Lärm und Verkehrseinbußen zu minimieren. Drittens: Druckregelung und segmentierte Abschaltung einführen, damit bei Reparaturen nur kleine Bereiche betroffen sind. Viertens: Investitionen in Leckage-Erkennung und Smart-Metering sind langfristig kostensparend – jedes verlorene Liter Wasser ist verlorenes Geld und Ressource. Hierzu könnte ein Blick auf die 624 Millionen Euro für Palma hilfreich sein.
Finanzierung, Kommunikation, Zeitplan
Emaya wird Geld brauchen, eventuell Kooperationen mit der Stadt Palma, regionalen und EU-Förderprogrammen. Transparenz ist jetzt wichtig: Ein nachvollziehbarer Zeitplan, eindeutige Prioritätenlisten und regelmäßige Updates für Nachbarschaften würden Vertrauen schaffen. Die Bewohner haben ein Recht zu wissen, wann ihre Straße wieder normal befahrbar ist – und wie lange temporäre Maßnahmen, etwa Wassertanks oder Lieferwagen, nötig sind. Es ist essentiell, auch den Status von aktuellen Baustellen zu verfolgen, wie zum Beispiel den Ausbau in Artà.
Blick nach vorne
Die Ankündigung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie darf nicht an Versprechungen hängenbleiben. Praktische Umsetzung, kluge Technikwahl und bürgernahe Kommunikation entscheiden, ob Mallorca im kommenden Sommer trockene Hähne vermeiden kann. Wer durch Palma geht, hört das übliche Gemurmel der Stadt: das Klappern der Markthändler, das Kreischen der Möwen am Hafen, das entfernte Dröhnen eines Baggers. Diese Geräusche werden bleiben – nur sollten sie künftig weniger mit dem nervigen Tropfen aus der Leitung verbunden sein.
Kurzfristig hilft nur pragmatisches Management: Notfallpläne, Nachtarbeiten, temporäre Wasserlieferungen. Langfristig braucht Palma ein intelligentes, leckaresistentes Netz. Emaya hat die Chance, aus dem Rohrbruch-Albtraum ein Modernisierungsprogramm zu machen, das wirklich wirkt. Jetzt kommt es auf Tempo, Transparenz und technische Klugheit an.
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