
Wenn die Guardia Civil abzieht: Kann Mallorca sich die Sicherheitslücke leisten?
Wenn die Guardia Civil abzieht: Kann Mallorca sich die Sicherheitslücke leisten?
Die Polizeigewerkschaft JUCIL meldet ein Minus von 70 Guardia-Civil-Beamten nach der jüngsten Versetzungsrunde; bis zu 450 weitere Abgänge drohen. Was bedeutet das für die Insel?
Wenn die Guardia Civil abzieht: Kann Mallorca sich die Sicherheitslücke leisten?
Leitfrage: Wie groß ist die Gefahr, dass der Abgang von Hunderten Guardia-Civil-Beamten die öffentliche Sicherheit auf den Balearen beeinträchtigt?
Die Zahlen sind simpel und unangenehm: Nach der jüngsten Versetzungsrunde stehen auf den Balearen rechnerisch 70 weniger Guardia-Civil-Beamte im Dienst, so die Gewerkschaft JUCIL. 85 wurden aufs Festland versetzt, 15 kamen neu — davon fünf mit einer Zwangszuweisung für ein Jahr. Und die Drohung ist nicht nur theoretisch: Bis zu 450 weitere Beamte könnten ab März gehen, in manchen Schätzungen werden sogar bis zu 400 namentlich genannt, die bald eine Versetzung beantragen könnten, sobald ihre Mindestverweildauer entfällt.
Das Problem ist nicht neu: Hohe Lebenshaltungskosten, kaum bezahlbarer Wohnraum und die fehlende Attraktivität des Dienstorts sind Wochenendgespräche in Gassen zwischen Passeig Mallorca und dem Hafen. Die Gewerkschaft fordert deshalb einen deutlich höheren Inselzuschlag — und kritisiert, dass die aktuelle Regelung nur eine Scheinangleichung an die Kanaren sei, weil etwa Zulagen für Dienstaltersstufen fehlen.
Kritische Analyse: Die Lage ist weniger ein plötzlicher Schock als ein jahrelanges Versäumnis. Politik auf der Insel hat wiederholt über Personalknappheit gesprochen, aber es fehlt an systematischen Anreizen, Verwaltungsentscheidungen und kurzfristigen Übergangsplänen. Auf der anderen Seite lässt Madrid die Balearen offenbar in Sachen Personalbemessung und Ausgleichszulagen anders behandeln als entlegene Regionen — das schürt Frust.
Was im öffentlichen Diskurs fehlt: konkrete Zahlen, die das Problem greifbar machen. Wie viele Streifen fehlen nachts in den Touristenhotspots? Welche Dienste werden durch Abordnungen zur Küstenwache oder zur Verkehrseinheit reduziert? Und: Welche Maßnahmen plant die Zentralregierung konkret und bis wann? Diese Fragen werden oft von Schlagzeilen übertroffen, aber für Bürgerinnen und Bürger sind sie entscheidend.
Eine Szene, die viele Mallorquinerinnen und Mallorquiner kennen: Frühmorgens an der Plaza Mayor, Cafébesitzerinnen räumen Stühle, Taxifahrer wechseln die Schicht, und zwei Guardia-Civil-Beamte schlendern die Ramblas entlang — das Bild vermittelt Sicherheit. Wenn die Zweierstreifen seltener werden, verschiebt sich dieses Gefühl. Nicht nur in Palma, auch in kleineren Orten wie Cala Ratjada oder Port de Sóller ist die Präsenz spürbar.
Konkrete Lösungsansätze, die sofort sichtbar würden:
1) Kurzfristig: Temporäre Aufstockung durch befristete Abordnungen aus weniger belasteten Provinzen gekoppelt an eine sofortige Unterkunftsunterstützung. Ein klarer, befristeter Wohnkostenzuschuss könnte Abgänge verhindern, bis dauerhafte Regelungen stehen.
2) Mittelfristig: Einführung eines echten Inselzuschlags, der Dienstaltersstufen und Familienzuschüsse einschließt. Zudem: beschleunigte Wohnbauprogramme für Einsatzkräfte, kommunale Grundstücksoptionen und Mietgarantien durch die Balearen-Regierung.
3) Strategisch: Gemeinsame Personalplanung zwischen Guardia Civil, Policía Local und der balearischen Regierung. Ausbau von Kooperationen mit nationalen Polizeieinheiten, moderne Technik für Überwachung und Einsatzplanung, sowie ein verpflichtendes Rotationsmodell, das Belastungsschwerpunkte abfedert.
Wichtig ist: Maßnahmen müssen an den Kosten der Realität gemessen werden. Ein großzügiger Zuschlag ist teuer, aber für eine Inselgesellschaft mit hohem öffentliche Ordnungspotenzial ist er eine Investition in Tourismus, Alltag und Vertrauen.
Die Politik vor Ort kann mehr tun als zu fordern: Kommunen könnten schneller Wohnraum für Beamte ausweisen, Hotels oder Wohnungen temporär als Personalunterkünfte anmieten und steuerliche Anreize setzen. Auf der anderen Seite muss Madrid transparent darlegen, welche Optionen geprüft werden. Schweigen oder vage Versprechen verstärken nur die Bereitschaft, die Koffer zu packen.
Pointiertes Fazit: Wenn Madrid die Balearen weiter wie eine Fußnote in Personalfragen behandelt, droht eine spürbare Lücke im Sicherheitsnetz der Inseln. Das ist kein rein bürokratisches Problem, sondern eines, das an straßenköpfen, auf Promenaden und in Eisdielen sichtbar wird. Kurzfristige Abhilfen sind möglich und praktisch — aber ohne ein abgestimmtes Inselmodell mit echten finanziellen Anreizen bleibt die Lösung Stückwerk. Wer hier spart, bezahlt später mit weniger Polizistinnen und Polizisten auf der Straße und einem schlechteren Sicherheitsgefühl für Bewohner und Gäste gleichermaßen.
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