
Als ein Hotelgast das Klassikleben nach Port de Sóller brachte
Als ein Hotelgast das Klassikleben nach Port de Sóller brachte
Ein Pianist im Hotelzimmer, eine Idee – und seit 2005 füllt ein kleines, feines Festival im Oktober die Kirche von Port de Sóller mit Kammermusik und Gästen.
Als ein Hotelgast das Klassikleben nach Port de Sóller brachte
Am Passeig, wenn die Nachmittagssonne noch weich über den Hafen fällt und die Tram ihr leises Klingeln durchs Tal schickt, geht in Port de Sóller eine Musikgeschichte weiter, die ganz bodenständig begann: mit einem Hotelgast, einem Klavier und einer Frage. Aus dieser Begegnung entstand ein Festival, das im Oktober die kleine Kirche am Meer in einen Raum für Kammermusik verwandelt.
Das Festival de Música Clásica von Port de Sóller feiert dieses Jahr seine 21. Auflage. Gespielt wird bewusst nah am Publikum: intime Besetzungen, klassische Namen wie Mozart, Beethoven oder Schubert, aber auch Stücke, die man nicht alle Tage hört. Die Reihe verteilt ihre Termine auf drei Samstage im Oktober: Den Auftakt macht ein Ensemble aus Musikern des Royal Concertgebouw Orchestra am 10. Oktober, in der zweiten Woche erklingt am 17. ein Klavierquintett mit Beteiligung des Pianisten Alexander Malter und zum Abschluss treten Violine und Klavier am 24. Oktober auf, mit der georgischen Geigerin Natalia Gabunia und der Pianistin Nino Gvetadze.
Ein besonders reizvoller Moment erwartet das Publikum beim zweiten Konzert: Dort wird ein Klavierkonzert von Dimitri Schostakowitsch in einer Bearbeitung gespielt, die der Bratschist Gernot Adrion angefertigt hat. Nach Angaben der Verantwortlichen ist das die erste Aufführung dieser Version außerhalb Deutschlands – ein kleines Premierenversprechen also inmitten vertrauter Melodien.
Wie begann das alles? Als 2005 das Museu del Mar mit seinem Oratorium eröffnete, sahen die Gründer dort einen passenden Raum für Konzerte. Der Impuls kam, so erzählen die Teilnehmer der frühen Jahre, von einem Hotelier, der später auf den Pianisten Alexander Malter traf. Aus Neugier und ein bisschen Trotz – warum, so die Frage, bekommt Sóller nicht auch ein Klassikfestival wie Deià, Pollença oder Valldemossa? – entstand die Idee, die bis heute getragen wird.
Leiter des Festivals ist seit Beginn Jos Kuiper, ein Niederländer, der sich auf Mallorca ein Zuhause gebaut hat. Kuiper ist 77 Jahre alt und sagt, er wolle noch einige Saisons weitermachen; die Übergabe an eine jüngere Generation ist bereits als Perspektive im Hinterkopf. Das ist nicht nur eine persönliche Absicht, sondern auch ein Versprechen an die Region: Kulturveranstaltungen mit lokalem Bezug sollen dauerhaft Teil des Herbstkalenders bleiben.
Das Timing im Oktober ist kein Zufall. Nach dem Sommer, wenn die Straßen wieder ruhiger werden und die Bars am Hafen weniger hektisch sind, suchen Besucher und Einheimische nach ruhigen, kulturellen Angeboten. Ein Festival in dieser Jahreszeit bringt Gäste in die Hotels, füllt Restaurants und schafft einen gedeckten Rahmen für feine Konzertabende – eine sanfte Verlängerung der Saison, die nicht laut daherkommt, aber spürbar ist.
Vor Ort hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Ritual etabliert: Ein paar Schritte von der Kirche entfernt ein Café, in dem nach dem Konzert Stimmen und Wein zusammenfinden; Fischer, die ihre Netze flicken, während aus dem Oratorium leise Streicher klingen; und Besucher, die auf dem Heimweg die kühle Meeresluft bevorzugen statt der sommerlichen Hitze. Solche Alltagsbilder zeigen, dass das Festival in den Rhythmus des Ortes eingeschrieben ist.
Für Einheimische bedeutet das mehr als nur Konzerte: Es ist eine Gelegenheit, junge oder international bekannte Musiker in kleinen Räumen zu erleben, Musikstücke neu zu entdecken und Begegnungen zu haben, die im großen Saal oft verloren gehen. Für Gastgeber und Gewerbe ist es eine willkommene Belebung der Nachsaison – ohne die Überforderung der Hochsaison, mit einem anderen Tempo.
Wer dabei sein will: Karten sind über die üblichen Vorverkaufsstellen erhältlich; es empfiehlt sich, früh zu reservieren, denn die Kirche bietet nur begrenzt Plätze. Und für alle, die sich jetzt fragen, ob so ein kleines Festival wirklich etwas bewegt: Kommen Sie an einem Samstagabend nach dem Konzert die Calle Sant Bartomeu hinunter, hören Sie die Gespräche, das Klirren der Gläser, die entfernten Rufe der Fischer. Dann merkt man schnell: Kultur verändert nicht nur den Moment des Zuhörens, sondern auch den Alltag drumherum.
Einletztiges Detail mit einem Lächeln: Es begann mit einer Frage in einem Hotelzimmer. Manchmal reicht das. Und wer weiß – vielleicht sitzt in einigen Jahren ein anderer Gast am Klavier und denkt laut: Warum eigentlich nicht noch mehr Musik auf dieser Insel?
Häufige Fragen
Was erwartet mich beim Festival de Música Clásica in Port de Sóller im Oktober?
Wie kommt man am besten zu den Konzerten in Port de Sóller?
Wer tritt beim Festival auf und gibt es Premieren?
Was macht das Festival besonders im Vergleich zu größeren Mallorca-Konzerthäusern?
Wie kam das Festival ursprünglich zustande?
Gibt es besondere Programmhighlights, die man nicht verpassen sollte?
Wie lange dauert das Festival und wie viele Konzerte gibt es?
Welche Atmosphäre herrscht rund um das Festival im Ort Port de Sóller?
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