
HSV auf Mallorca: Sonne, Son Moix und die Frage nach dem Nutzen
Der HSV trainiert auf Mallorca – geschlossen, hart und mit einem Testspiel im fast ausverkauften Son Moix. Wir fragen: Was bringt die Reise der Rothosen der Insel wirklich, und wie profitieren Einheimische davon?
HSV auf Mallorca: Sonne, Son Moix und die Frage nach dem Nutzen
Es riecht nach Meer und nassem Rasen, wenn morgens die ersten Mannschaftsbusse durch Palmas Vororte rollen. Die Spieler des Hamburger SV haben ihre Taschen gepackt und verbringen eine Woche auf Mallorca, um an der Rückkehr in die Bundesliga zu feilen. Trainer Merlin Polzin setzt auf harte, diskrete Einheiten - die Tore des Trainingsgeländes bleiben verschlossen, Zuschauer sind ausgeschlossen. Eine Maßnahme, die Professionalität signalisiert, zugleich aber Fragen aufwirft.
Ein Testspiel als Eintauch in die Liga
Das Highlight der Reise: ein Testspiel im Son Moix gegen Real Mallorca – ausverkauft, sagt man, oder zumindest fast. Die Stadionränge werden an diesem Samstag voller Stimmen, Trommeln und dem gelegentlichen Ruf nach einem Tapa-Stand sein. Für viele Inselbewohner ist das Son Moix ein vertrauter Ort: an Spieltagen treffen sich Nachbarn, Taxifahrer kurz vor Anpfiff, Kinder mit Trikots, und irgendwo pfeift der Tramuntana durch die Tribünenöffnungen. Die Tickets sind begehrt; Dauerkarteninhaber könnten noch Plätze freigeben – ein kleines Fenster für Kurzentschlossene.
Worum es wirklich geht: Die zentrale Frage
Die Leitfrage, die über so einem Trainingslager schwebt, ist schlicht: Lohnt sich das für Verein und Insel? Sportlich scheint die Rechnung einfach: Sonne, gute Plätze und ein ernsthaftes Testspiel bringen Form und Klarheit. Doch wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch ist die Bilanz komplexer. Mallorca profitiert kurzzeitig von ausgebuchten Hotels, vollen Restaurants und Taxifahrten. Gleichzeitig sind Trainingseinrichtungen blockiert, Anwohner spüren Verkehrsspitzen, und die Öffentlichkeit bleibt ausgeschlossen – ein seltsamer Kontrast zwischen Kommerzfest und lokaler Teilhabe.
Was die Insel gewinnt – und was nicht
Positiv bleibt: Hotels und Gastronomie in Palma und an der Playa füllen sich, die ortsansässigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Arbeit, und der Präsenz einer Bundesliga-Mannschaft bringt Aufmerksamkeit. Kinder, die sonst nur von Profis im Fernsehen träumen, sehen plötzlich Spieler in der Hotel-Lobby. Auf der anderen Seite spüren Fußballvereine aus der Region manchmal den Zugang zu Trainingsplätzen als eingeschränkt. Für lokale Jugendmannschaften sind Trainingsräume kostbar, die Verfügbarkeit kann für Tage sinken. Und die Entscheidung, Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu halten, frustriert besonders die treuen Fans, die sich eigentlich Livemusik und offene Einblicke wünschen. Dies wurde auch in einem Artikel über die Abschottung im Trainingslager behandelt.
Druck, Transparenz und die menschliche Komponente
Für die Spieler ist das Lager wenig Glamour, viel Pflicht: Frühe Läufe am Meer, Kräftigungszirkel während der Mittagshitze, taktische Einheiten bei Flutlicht. Die Mannschaft arbeitet unter dem Druck, die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen. Das ist verständlich, doch geschlossene Trainingseinheiten verstärken die Distanz zwischen Team und Anhang. Ein bisschen mehr Transparenz, etwa eine offene Trainingsstunde oder eine kurze Fragestunde mit Nachwuchsspielern, könnte die Stimmung entschärfen und Sympathien auf der Insel stärken.
Leise Chancen: Mehr als nur ein Testspiel
Mallorca bietet Raum für mehr als nur Vorbereitung: Kooperationen mit lokalen Clubs, kleine Jugendcamps oder gemeinsame Trainingstage könnten langfristige Beziehungen knüpfen. Das wäre ein Gewinn für beide Seiten. Statt reinem Kommen, Trainieren, Gehen entstünde so echter Austausch: Trainer geben Impulse, lokale Talente erhalten Einblicke, und die Insel profitiert über die unmittelbare Wirtschaft hinaus. Dies könnte auch in Zukunft eine Rolle spielen, wie in einem Artikel über das Trainingslager 2025 thematisiert wird.
Konkrete Verbesserungsansätze
Ein pragmatischer Vorschlag lautet: Eine offene Trainingseinheit pro Trainingslager, begleitet von einem kleinen Fair-Play-Event für Kinder. Dazu verbindliche Regelungen zur Nutzung der Plätze, die lokale Teams nicht benachteiligen. Ökologisch wäre es sinnvoll, Transportwege zu bündeln, lokale Lieferketten zu nutzen und Müllvermeidung zu forcieren. Diese kleinen Schritte mindern Reibung und machen aus einem kurzfristigen Medienereignis ein nachhaltiges Miteinander.
Blick nach vorn
In wenigen Tagen packen die Rothosen ihre Koffer wieder. Was bleibt, sind ein lauer Sommerabend am Son Moix, das Geräusch von jubelnden Fans und die Frage, ob diese Art der Vorbereitung auf Dauer beiden Seiten gerecht wird. Die Insel hat viel zu bieten: Sonne, Plätze, Leidenschaft. Wenn Vereine sie künftig mit etwas mehr Offenheit und Rücksicht nutzen, könnten Trainingslager nicht nur sportlich nützen, sondern echte lokale Beziehungen schaffen.
Ob der HSV am Ende die Rückkehr in die Bundesliga gelingt, entscheidet sich auf dem Platz. Aber wie die Clubs solche Reisen gestalten, entscheidet darüber, wie die Insel sie wahrnimmt – und das ist mindestens genauso wichtig.
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