
Autobahnring neu gedacht: Tunnel, Bahntrasse und die Frage nach dem Nutzen für Palma
Der Inselrat hat die Pläne für den Autobahnring rund um Palma überarbeitet — mit einem 845 Meter langen Tunnel und einer Trasse, die Platz für die geplante Bahn nach Llucmajor lässt. Ein guter Kompromiss — doch die Rechnung, der Zeitplan und die Folgen für Anwohner bleiben offen.
Autobahnring neu gedacht: Tunnel, Bahntrasse und die Frage nach dem Nutzen für Palma
Wenn am frühen Morgen die Busspur an der Vía de Cintura noch halb leer ist und über Son Sant Joan der Dunst der ersten Flüge liegt, dann ist hier der Ort, an dem Verkehrspolitik sofort hörbar wird: Motorengeräusch mischt sich mit dem entfernten Piepen von Gepäckwagen. Der Inselrat hat in den letzten Monaten genau an diesem Lärmpegel gearbeitet — und die Pläne für den neuen Autobahnring überarbeitet. Das Ergebnis: Statt einer schnurgeraden Asphaltkante soll es künftig einen 845 Meter langen Tunnel geben und die Trasse so verschoben werden, dass die geplante Bahnverbindung nach Llucmajor später ergänzt werden kann.
Was sich wirklich ändert
Die wichtigsten Neuerungen sind klar: Ein mittellanger Tunnel, mehrere neue Unterführungen sowie durchgehende Fuß‑ und Radwege. Die Strecke zwischen der Flughafenautobahn und Son Ferriol wird verschoben, um Raum für künftige Gleise und eine mögliche Zugstation in Coll d’en Rabassa mit Park‑and‑Ride zu schaffen. Schöner Gedanke, der aber seinen Preis hat: Aktuelle Schätzungen sprechen von rund 110 Millionen Euro. Geld, das der Inselrat einsetzen will, um die überstrapazierte Vía de Cintura zu entlasten — morgens und abends oft ein Nadelöhr. Palma will Stau lindern: neue Projekte sind in Planung.
Die zentrale Frage: Entlastet das wirklich Palma?
Die Leitfrage ist simpel und bleibt doch unbequem: Verwandelt diese Lösung die Verkehrslage nachhaltig — oder verlagert sie nur das Problem? Ein Tunnel entlastet optisch und reduziert Lärm in der unmittelbaren Nachbarschaft. Doch ohne die Bahnanbindung wird der Tunnel vor allem Platz schaffen — für mehr Autos, wenn nicht gleichzeitig ein attraktives Schienenangebot kommt. Kurz gesagt: Die technische Weiche ist gestellt. Ob der Zug später wirklich einfährt, entscheidet über den Nutzen.
Unterschätzte Risiken
Oft blenden öffentliche Debatten drei Dinge aus: Erstens Kostenrisiken. 110 Millionen sind eine Schätzung; bei ähnlichen Projekten steigen Summen gern. Zweitens die Bauphase: Son Ferriol und Coll d’en Rabassa können sich auf Monate mit Baulärm, geänderten Zufahrten und sperrigen Umleitungen einstellen. Und drittens ökologische und hydrologische Fragen — gerade in den Flachzonen Richtung Flughafen können Kanalisation und Grundwasser betroffen sein. Nicht alles davon steht bereits in sauberen Checklisten.
Was in der öffentlichen Diskussion zu kurz kommt
In Gesprächen an der Bushaltestelle hört man Erleichterung, weil die Bahnoption erhalten bleibt. Doch kaum jemand spricht laut über die Folgefinanzierung: Wer zahlt den späteren Bahnbau? Gute Optionen wären verknüpfte Finanzpläne mit dem balearischen Verkehrsministerium, Förderprogramme der EU für nachhaltige Mobilität oder öffentlich‑private Partnerschaften — jede Variante hat Vor‑ und Nachteile. Außerdem fehlen konkrete Versprechen für Lärmschutz, Begrünung und Velo‑Infrastruktur: Radwege sind nett, wenn sie breit und sicher sind — nicht nur ein Strich am Rand.
Konkrete Chancen und Vorschläge
Aus lokalem Blickwinkel lassen sich einige pragmatische Schritte vorschlagen: Erstens eine verbindliche Zeitschiene für die Bahnintegration mit klaren Finanzierungslosen. Zweitens verpflichtende Bauzeitenregeln und Lärmminderungspläne, damit die Menschen in Son Ferriol nicht jahrelang Baustelle im Wohnzimmer haben. Drittens: mehr Grün — bepflanzte Lärmschutzwände und Baumreihen, die nicht nur den Schallschutz verbessern, sondern auch Schatten spenden an heißen Mallorcatagen. Viertens: Mobilitätsbegleitmaßnahmen wie temporäre Park‑and‑Ride‑Shuttles, wenn Baustellen Parkplätze fressen. Und fünftens: transparente Controlling‑Reports zu Kosten und Umweltfolgen — veröffentlicht, verständlich und in regelmäßigen Abständen.
Was Anwohner jetzt wissen sollten
Wer in Son Ferriol oder am Rand von Coll d’en Rabassa lebt, hat berechtigte Fragen: Wann beginnen Arbeiten? Wie lange dauern sie? Wo wird gebaut und wie werden Zufahrten gesichert? Antworten gibt es noch nicht in allen Details. Der Inselrat peilt die Genehmigung der überarbeiteten Pläne für Herbst 2025 an. Danach folgen Ausschreibungen und — hoffentlich — konkretisierte Zeitpläne. Bis dahin gilt: Nachfragen hilft. Geh zu den Informationsabenden, frag nach Lärmkonzepten, bestehe auf regelmäßigen Updates.
Blick nach vorn
Die Entscheidung, Platz für eine Bahntrasse zu lassen, ist eine kleine strategische Weitsicht. Sie räumt Optionen frei und lässt hoffen, dass Palma eines Tages nicht nur für Autos, sondern auch für Züge eine echte Alternative bietet. Ob das gelingt, hängt nicht nur an den 845 Metern Tunnel oder den 110 Millionen Euro — sondern an politischer Hartnäckigkeit, guter Kommunikation und den kleinen Details: wie breit ist der Radweg, wie dicht standortangepasst die Bepflanzung, wie fair die Entschädigungen bei Baubeeinträchtigungen? Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus der technischen Präzision eine Verkehrsachse mit Mehrwert für die Nachbarschaften entsteht — oder ob die Debatte über Kosten, Termine und Baustellenlärm weiter die Schlagzeilen bestimmt. Gènova-Tunnel wird ebenfalls zu beachten sein.
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